Kaiserliches Jugendstilkraftwerk

Fledermäuse retten die Südzentrale

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Eine Luftaufnahme zeigt die Kraftwerksruine „Südzentrale“ in Wilhelmshaven. Die denkmalgeschützte Südzentrale in Wilhelmshaven steht vor dem Abriss und kann nur noch durch einen neuen Käufer gerettet werden.

Wilhelmshaven - Sie ist ein Relikt aus Kaisers Zeiten: Die Südzentrale in Wilhelmshaven, das modernste Kraftwerk seiner Zeit, vereint Jugendstil und Moderne. Der Winterschlaf bedrohter Arten verzögert jedoch das Ende des kaiserlichen Jugendstilkraftwerks.

Weil es aber seit mehr als 20 Jahren leersteht und sich Investitionen für den Eigentümer offenbar nicht rechnen, soll das kaiserliche Jugendstilkraftwerk in WIlhelmshaven abgerissen werden - zum Leidwesen des „Vereins zum Erhalt der Südzentrale“, der das historische Ensemble retten will. Doch nun verzögert sich das Ende der Südzentrale auf unbestimmte Zeit. Mitarbeiter der Stadt Wilhelmshaven haben geschützte Fledermäuse entdeckt.

„Im Keller der Südzentrale haben drei bedrohte Fledermausarten ihr Winterquartier bezogen“, sagt die Abteilungsleiterin der Unteren Naturschutzbehörde in Wilhelmshaven, Hilke Gnadt. „Die Wasserfledermaus, die Fransenfledermaus und das Große Mausohr.“ Das Naturschutzgesetz verbietet, Fortpflanzungs- und Ruhestätten besonders geschützter Arten „aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“. Daher müsse es nun an der Südzentrale bis etwa Mitte April ruhig bleiben. „Dann beenden die Tiere ihren Winterschlaf“, sagt Gnadt.

Allerdings hat sich das Problem für den Eigentümer, die BGI Unternehmens- und Immobilienbeteiligungs GmbH aus Ibbenbüren, dann immer noch nicht erledigt. Will die BGI den im vergangenen Sommer begonnenen Abriss fortsetzen, müsse sie laut Gnadt ein alternatives Winterquartier in der Nähe suchen. Sollte dies nicht gelingen, sei sogar ein dauerhaftes Verbot des Abrisses möglich. Gnadt schließt zudem nicht aus, dass weitere Fledermäuse in dem Gebäude gefunden werden.

Für Rüdiger Nietiedt ist der Fledermausfund „eine sympathische Nachricht“. Er freue sich, wenn „die Tiere uns helfen, die Südzentrale zu retten“. Mit „uns“ meint Nietiedt den „Verein zum Erhalt der Südzentrale“, als dessen erster Vorsitzender er fungiert. Seit rund dreieinhalb Jahren versuchen die mittlerweile 430 Mitglieder, das historische Gebäude zu erhalten. „Die Mitglieder engagieren sich für ihre Stadt, und für deren Geschichte ist die Südzentrale immens wichtig.“ Bis vor Kurzem hat der Verein sogar versucht, das ehemalige Kraftwerk, das früher die Kaiserliche Marinewerft in Wilhelmshaven mit Strom versorgte, selbst zu kaufen, um es vor der Abrissbirne zu bewahren.

„Wir haben im Dezember unser Angebot nochmal auf 800 000 Euro erhöht“, sagt Nietiedt. „Aber auch das war den Eigentümern zu wenig.“ Das Geld sollte mithilfe einer Bürgergenossenschaft aufgebracht werden. Warum die BGI das Angebot abgelehnt hat, was sie mit dem Gelände plant und wie sie mit den Fledermäusen umgehen will, bleibt unklar - der Eigentümer war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aber auch wenn die BGI bereits an drei Stellen der Südzentrale kleinere Abrissarbeiten vorgenommen hat, wünscht sich Nietiedt noch ein rettendes Ende.

Seine Hoffnung ruht auf einer Machbarkeitsstudie der Landesregierung. „Es wird zurzeit geprüft, ob in Wilhelmshaven ein Kompetenzzentrum Welterbe Wattenmeer gegründet werden soll“, berichtet der Gerüstbau-Unternehmer. „Das wäre natürlich der ganz große Wurf, wenn ein solches Kompetenzzentrum in die Südzentrale ziehen würde“, sagt Nietiedt.

In der Machbarkeitsstudie wird Wilhelmshaven als Standort empfohlen, bestätigt der Sprecher der niedersächsischen Umweltministeriums, Rudi Zimmeck. Doch zunächst einmal müsse geklärt werden, ob ein solches Kompetenzzentrum überhaupt gewollt wird. Ergebnisse der Studie werden für Mai erwartet.

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