Zahl so hoch wie seit 1993 nicht mehr

Flüchtlinge bringen Kommunen an ihre Grenzen

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Immer mehr Menschen suchen Asyl in Deuschland und stellen damit Kommunen vor Herausforderungen.

Hannover - Die wachsende Zahl von Hilfesuchenden aus den Krisenherden der Welt stellt die deutschen Kommunen vor immer neue Herausforderungen. Hannover hat jetzt erstmals wieder Flüchtlinge in einer Sporthalle unterbringen müssen, weil trotz des forcierten Neubaus von Unterkünften die Schlafplätze nicht reichen.

Im Sommer ließen sich innerhalb eines Monats 19.431 Asylsuchende bundesweit neu registrieren. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 75,6 Prozent und der höchste Monatswert seit 1993. Fast jeder zehnte Flüchtling wird der Quote zufolge Niedersachsen zugewiesen.

Landesweit baten in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 8336 Menschen um Asyl, das entspricht einem Anstieg von 63,5 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres (5097). Bis zum Jahresende rechnet das Innenministerium mit insgesamt 18.800 Asylanträgen. 2007 hatte es noch 1637 Anträge in Niedersachsen gegeben.

Menschenrechtsorganisationen betonen angesichts der steigenden Zahlen, dass in Mitteleuropa nur der kleinste Teil der Hilfesuchenden ankomme. Die Hauptlast von Bürgerkriegen, Hunger und Vertreibung trügen in der Regel die Nachbarländer der jeweiligen Krisenherde. Dort müssten Millionen Flüchtlinge oft in einfachen Camps versorgt werden.

Den Kommunen hingegen macht vor allem die geringe Verlässlichkeit zu schaffen, mit der das Land die Flüchtlinge zuteilt. Voriges Jahr sei die vorher kommunizierte Quote nicht erfüllt worden, sagte Hannovers Stadtsprecher Alexis Demos am Montag; in diesem Jahr müsse man deshalb mit mehr Flüchtlingen rechnen, als die offizielle Quote ausweise. Aktuell beziehen in Hannover mehr als 1600 Menschen finanzielle Leistungen. Für 2015 kalkuliert die Stadtspitze mit 27 Millionen Euro für die Unterbringung von Flüchtlingen. Ob das Geld angesichts steigender Zahlen reichen wird, ist nach Angaben der Stadt aber ungewiss.

Vorrangiges Ziel der Stadt sei, die Hilfesuchenden menschenwürdig unterzubringen, sagt Demos. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, Unterkünfte zu bauen und Alternativen am Immobilienmarkt zu finden.“ Die neuen Flüchtlingswohnheime am Annateich und Auf der Bult sind fertig und bezogen, ein weiteres in Bothfeld soll noch dieses Jahr fertig werden. In Badenstedt und Wettbergen steht der Baustart bevor, am Kronsberg hofft die Stadt auf einen Baubeginn im Frühjahr. Weitere Standorte sind in Vorbereitung.

Trotz der Neubauaktivitäten mussten vergangene Woche 20 Flüchtlinge in der Sporthalle der Stöckener Feuerwehrwache untergebracht werden, die eigens für Notfallunterbringungen ausgerüstet ist. „Wir werden sehr kurzfristig über Neuankömmlinge informiert und haben am Wohnungsmarkt nicht schnell genug Alternativen gefunden“, sagt Demos. Derweil intensiviert die Stadt die Hilfen für Flüchtlinge und Nachbarschaftsinitiativen.

Am Montag ist ein Modellprojekt gestartet, das Asylbewerbern die Aufnahme einer Beschäftigung erleichtern soll.

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