Spekulationen nach Rücktritt

Wer folgt auf Papst Benedikt XVI.?

Auch ihre Namen werden gehandelt (von links): Bischof Odilo Pedro Scherer, Erzbischof Laurent Monsengwo Pasinya, Kardinal Angelo Bagnasco, Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, Kurienkardinal Gianfranco Ravasi und Erzbischof Jorge Bergoglio.

Rom - Die Rücktrittsankündigung von PapstBenedikt XVI. hat die katholische Kirche aufgerüttelt. Die Spekulationen über einen Nachfolger blühen, aber noch gibt es keinen Favoriten. Auch über Reformen an der Spitze der Kirche wird diskutiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was geschieht am 28. Februar? Am 28. Februar wird Benedikt um 20 Uhr sein Pontifikat aufgeben. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi hat am Dienstag die Frage vieler Beobachter beantwortet, warum denn Benedikt XVI. diese Uhrzeit gewählt hat. Das habe nichts mit juristischen oder sonstigen Gründen zu tun, erläuterte Lombardi vor Journalisten in Rom. Vielmehr "endet um diese Uhrzeit normalerweise der Arbeitstag des Heiligen Vaters." Danach beginnt innerhalb von 15 bis 20 Tagen das Konklave, das seinen Nachfolger wählt. Bis Ostern soll der neue Papst feststehen.

Wer darf den neuen Papst wählen? Voraussichtlich 117 Kardinäle dürfen den neuen Papst wählen, darunter sechs deutsche. Wahlberechtigt sind alle Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Stichtag ist nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz der Tag vor Beginn der Sedisvakanz, in diesem Fall also der 27. Februar. Walter Kardinal Kasper, der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, wird am 5. März 80 Jahre alt, darf also mitwählen. Die anderen fünf aus Deutschland sind: Paul Josef Kardinal Cordes (ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates Cor Unum), Karl Kardinal Lehmann (Bischof von Mainz), Reinhard Kardinal Marx (Erzbischof von München und Freising), Joachim Kardinal Meisner (Erzbischof von Köln) und Rainer Maria Kardinal Woelki (Erzbischof von Berlin). Insgesamt gibt es derzeit 209 Kardinäle. Nicht mehr wahlberechtigt sind die deutschen Kardinäle Karl-Josef Kardinal Becker (emeritierter Dogmatikprofessor der päpstlichen Universität Gregoriana), Walter Kardinal Brandmüller (ehemaliger Präsident der Päpstlichen Kommission für Geschichtswissenschaft) sowie Friedrich Kardinal Wetter (emeritierter Erzbischof von München und Freising).

Wer könnte Benedikt nachfolgen? Zurzeit blühen weltweit Spekulationen über den möglichen Nachfolger. Ein Favorit ist noch nicht erkennbar. Als mögliche Nachfolger werden unter anderem die beiden Afrikaner Peter Turkson aus Ghana und Francis Arinze aus Nigeria genannt. Auch Kardinal Marc Ouellet aus dem kanadischen Quebec und dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan werden Chancen eingeräumt. Aus Lateinamerika werden der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Otto Scherer, und Kurienkardinal Leonardo Sandri aus Argentinien genannt. Als starke Fraktion werden wie fast immer die Italiener gehandelt. Der Topfavorit unter den Italienern, die eine Phalanx von immerhin 28 Kardinälen stellen, ist wohl der Mailänder Erzbischof Angelo Scola. Es fallen aber auch die Namen des Kurienkardinals Gianfranco Ravasi und des Vorsitzenden der Bischöfe des Landes, Angelo Bagnasco aus Genua. Aus Frankreich wird Jean Louis Tauran genannt. Der 69-Jährige leitet den päpstlichen Rat für interreligiösen Dialog. Schlägt die Stunde Asiens in der Weltkirche, dann könnte der relativ junge und von Benedikt geschätzte Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila, der Kandidat sein. Falls überhaupt wieder ein Europäer Chancen haben sollte, gilt neben anderen der Wiener Erzbischof und Theologe Christoph Schönborn als möglicher Nachfolger.

Was sagen die deutschen Kardinäle? Nach den Worten des Kölner Kardinals Joachim Meisner "müsste der neue Papst sicher ein Mann von ähnlich hoher Bildung wie Joseph Ratzinger, mit großer menschlicher Erfahrung und - vor allem - von vitaler Gesundheit sein. Nicht älter als 70", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Auch nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sollte der nächste Papst in der Tradition seiner Vorgänger stehen. Wichtig werde es sein, dass der nächste Heilige Vater seinen Dienst in Kontinuität zu seinen beiden Vorgängern sieht, sagte Zollitsch der "Welt". Es wird damit gerechnet, dass das neue Oberhaupt der Katholiken aus dem Kreis der Kardinäle im Konklave kommt, theoretisch kann aber jeder männliche Katholik gewählt werden.

Könnte es ein Reformator auf den Petrus-Stuhl schaffen? Diese Frage ist wie vieles derzeit reine Spekulation. Zumindest der Theologe und Papstkritiker Hans Küng rechnet nicht damit, dass die katholische Kirche in Zukunft von einem reformorientierten Papst geführt wird. Der scheidende Papst Benedikt XVI. habe viele sehr konservative Kardinäle berufen und somit die Weichen für die Wahl seines Nachfolgers gestellt, sagte Küng dem SWR. Er sehe sogar die Gefahr, dass Benedikt versuche, die Kardinäle bei ihrer Wahlentscheidung in seinem Sinne zu beeinflussen. "Er kennt jeden persönlich", sagte Küng. "Er hat alle Möglichkeiten, da irgendwie die Wahl zu beeinflussen. Und ich hoffe, er tut das nicht."

Und Papst Benedikt? Wo wird er künftig leben? Papst Benedikt XVI. wird nach seinem Rücktritt nicht in sein ehemaliges Wohnhaus in Pentling bei Regensburg ziehen. "Das ehemalige Schlafzimmer von Joseph Ratzinger ist bereits zu einem Dokumentationsraum umgebaut worden", sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Er leitet die Stiftung Papst Benedikt XVI., der nun das Haus gehört. Der Bruder des Papstes, Prälat Georg Ratzinger, hatte im vergangenen Herbst das Wohnhaus offiziell als theologische Begegnungsstätte übergeben. Die Besucher können hier den Lebens- und Wirkungsraum des Theologen Joseph Ratzinger erleben. Vatikansprecher Federico Lombardi hatte vielmehr angekündigt, dass Papst Benedikt XVI. nach dem Ende seiner Amtszeit in ein Kloster im Vatikan umziehen werde. Bis zum Abschluss der dortigen Umbauarbeiten soll er in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen.

Nimmt Benedikt weiter Termine wahr? Ja. Dazu gehörten Treffen mit Bischöfen und ausländischen Staatsgästen, teilte der Vatikan mit. An diesem Mittwoch stehe die Generalaudienz auf dem Programm. Zudem sei eine große Feier mit dem Papst zum Aschermittwoch geplant, dem Beginn der Fastenzeit. Das werde voraussichtlich seine letzte große öffentliche Zeremonie sein. "Bis zum 28. Februar wird Papst Benedikt XVI. unser Papst bleiben, mit allen seinen Funktionen", sagte Lombardi. Er betonte nochmals, dass der Papst sich nicht aufgrund einer akuten Erkrankung zum Rücktritt entschlossen habe.

Was geschieht mit Münchner Papst-Tiara? Die Tiara haben die Päpste von heute abgelegt. Sie bevorzugen die Mitra als Kopfbedeckung. In der Münchner Kirche St. Peter aber spielt die Papstkrone noch immer eine große Rolle. Eine Petrus-Figur, die auf dem Hochaltar thront, trägt sie auch heute noch. Und im "Alten Peter" gibt es eine ganz besondere, jahrhundertealte Tradition: Stirbt ein Papst, nimmt man Petrus die Tiara ab, bei der Amtseinführung des Nachfolgers wird er wieder gekrönt. Die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. stellt die Kirche nun vor eine Herausforderung. "Eine Entscheidung darüber, wie mit der Tiara verfahren wird, steht noch aus", sagte eine Sprecherin des Erzbistums München und Freising am Dienstag. "Sein Pontifikat dauert ja noch an." Ob die Papstkrone am 28. Februar, dem Tag des päpstlichen Rücktritts, abgenommen werden soll, sei noch nicht klar. "Er ist ja nicht tot."

dpa/frs/dapd/be

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