Mehr Bewerber als Plätze

Freiwilligendienste stark nachgefragt

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Junge Menschen in Niedersachsen haben großes Interesse an einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder am vor zwei Jahren eingeführten Bundesfreiwilligendienst (BFD).

Hannover - Der Start des Bundesfreiwilligendienstes war schleppend, nach zwei Jahren gibt es in Niedersachsen aber schon weit mehr Bewerber als Plätze. Die Anbieter kritisieren den hohen Bürokratieaufwand.

Junge Menschen in Niedersachsen haben großes Interesse an einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) oder an dem vor zwei Jahren eingeführten Bundesfreiwilligendienst (BFD). Auf jeden Platz der Diakonie kämen im Schnitt mindestens zwei Bewerbungen, sagte Christine Vetter, Leiterin des Referats Freiwilligendienst im Diakonischen Werk der Landeskirche Hannovers. Der Wohlfahrtsverband bietet 320 FSJ-Plätze und 180 Stellen für BDFler an. Rund die Hälfte der Freiwilligen arbeiten mit behinderten Menschen, daneben gibt es Beschäftigungen in Kitas, Krankenhäusern oder der Altenpflege.

Der Bundesfreiwilligendienst wurde im Juli 2011 als Ersatz für den gemeinsam mit der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienst geschaffen. Bundesweit sind zurzeit 35 201 Menschen im BFD engagiert, davon 2947 in Niedersachsen und 285 in Bremen (Stand Juni). Die Stellen sind vom Bund begrenzt. Nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums gibt es landesweit zudem rund 3500 besetzte FSJ-Plätze. Für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) stehen derzeit 258 Plätze bei Umweltverbänden, an Ganztagsschulen und im Sport zur Verfügung.

Anders als das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr steht der BFDauch Menschen über 27 Jahren offen, in Niedersachsen liegt ihr Anteil aber nur bei rund 13 Prozent. „Für Schulabgänger sind die Freiwilligendienste attraktiver als für Ältere, auch weil sie als Praktikum für das Studium oder die Ausbildung anerkannt werden“, sagte Vetter.

Der vor dem Start heftig umstrittene BFD ist mittlerweile etabliert. Allerdings bemängeln die Anbieter den hohen Verwaltungsaufwand. "Die Nachfrage ist groß, aber einige Einsatzstellen scheuen sich wegen der bürokratischen Hürden überhaupt BFD-Plätze anzubieten", berichtete Anne Brandt, Sprecherin der Arbeitsgruppe Bundesfreiwilligendienst in der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Die Freiwilligendienste können aus Expertensicht aber nicht alle Lücken schließen, die der Wegfall der Zivis gerissen hat. „Für weniger attraktive Stellen wie Fahrdienste oder Hausmeistertätigkeiten gibt es kaum Bewerbungen“, sagte Brandt. Dagegen seien beispielsweise die vielen neu geschaffenen Plätze in Krippen für Ein- bis Dreijährige sehr beliebt.

dpa

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