Rückkehr der Wölfe

Der Fressfeind beißt jetzt öfter zu

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Seit 2006 gibt es wieder Wölfe in Niedersachsen. Ihre Hauptbeute sind Huftiere wie Rehe und Hirsche, die auch oft als Nutztiere gehalten werden.

Eversen - Erneut soll ein Wolf in der Lüneburger Heide Damwild gerissen haben. Auch Schafzücher haben immer wieder Verluste zu beklagen. Ausgleichszahlungen bekommen sie nur, wenn per Gentest bewiesen ist, dass ein Wolf der Schuldige ist.

Sie kommen aus dem Osten, und es werden immer mehr - aber die Rückkehr der Wälfe nach Niedersachsen weckt mittlerweile auch Befürchtungen. Erneut soll ein Wolf erheblichen Schaden angerichtet haben. So entdeckte Jagdpächter Werner Meyer in der Lüneburger Heide bei Altensalzkoth im Kreis Celle vor wenigen Tagen, dass zehn von 16 Tieren seiner Damwildherde getötet worden sind. Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, hält es für „gut möglich“, dass ein Wolf die Tiere gerissen hat. Ein Gentest soll jetzt den Beweis erbringen.

Der Vorfall in Altensalzkoth ist nicht der erste. Eckhard Stanislawski, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Eversen, berichtet von weiteren Fällen im gleichen Revier, die sich alle innerhalb von kurzer Zeit ereignet haben: „Vor drei Wochen ist eine Rinderherde ausgebrchen, weil ein Tier sie gehetzt hat. Die Rinder sind auf die Bundesstraße 3 gelaufen und konnten nur nach Betäubung wieder eingefangen werden. Und vor zwei Wochen ist ein Rotwildkalb gerissen worden“, sagt Stanislawski. Auch seine eigenen Schafe seien vor Kurzem „seltsam verstört“ gewesen. Als „Schuldigen“ betrachtet der Jagdpächter einen einzelnen Wolf, der im Raum Eversen heimisch geworden sein soll.

In Niedersachsen gibt es derzeit drei Wolfsfamilien: in Munster, auf dem Truppenübungsplatz Bergen und in Gartow im Wendland. Dazu kommen einzelne Tiere, die in der Nähe von Meppen, Gifhorn und Cuxhaven nachgewiesen wurden. Wolfsexpertin Habbe schätzt den Wolfsbestand in Niedersachsen damit auf rund 30 Tiere. Die Rückkehr der Wölfe wird von der Landesregierung begrüßt, obwohl sie wirtschaftliche Schäden bei den Nutztierhaltern verursacht: Seit 2008 fielen den Wölfen erwiesenermaßen 60 Schafe zum Opfer. Sechs weitere „Verdachtsfälle“ werden geprüft.

Das „Niedersächsische Wolfskonzept“ sieht zwar Ausgleichszahlungen an betroffene Nutztierhalter vor, diese geschehen allerdings auf freiwilliger Basis. Und wer Ausgleichszahlungen haben will, steht vor einer hohen Hürde. So muss per Gentest der Wolf als Verursacher nachgewiesen werden - doch dies gelingt nicht immer.

„Außerdem dauert die Zahlung sehr lange, einige unserer Mitglieder warten mehr als ein halbes Jahr“, sagt Carl Lauenstein, Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände. Lauenstein steht der Rückkehr der Wölfe kritisch gegenüber. „Wir haben Riesenprobleme durch die Wölfe. Bis auf Schutzzäune und Herdenschutzhunde haben wir gegen sie keine Handhabe“, sagt er. Lauenstein fordert deshalb ein wesentlich stärkeres Engagement von der Landesregierung, sie solle sich sowohl an den Folgekosten als auch am Bau von Schutzzäunen beteiligen. „Heute ist Niedersachsen viel enger besiedelt als damals, als der Wolf hier noch heimisch war. Jetzt passt er bei uns nicht mehr rein. Wer will, dass der Wolf hier bleibt, soll das auch bezahlen.“

Von Sabrina Mazzola

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