Bestattung

Friedhöfe stellen sich auf Muslime ein

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Bestattungen nach islamischem Ritual sind auf einigen Friedhöfen in Niedersachsen möglich.

Hannover - Im Islam werden Tote in einem Tuch mit dem Kopf in Richtung Mekka bestattet. Dies ist auch auf speziellen Gräberfeldern zum Beispiel in Hannover, Braunschweig, Göttingen und Osnabrück möglich. Das Angebot werde gut angenommen, heißt es aus den Städten.

Migrantenverbände in Niedersachsen rechnen mit einer Zunahme von islamischen Bestattungen in Deutschland. „Die Angehörigen wünschen sich hier einen Ort zum Erinnern und Trauern“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Niedersachsen, Ufuk Deniz Ciynakli. In Hannover gibt es zwei muslimische Gräberfelder auf dem Friedhof Stöcken. Dieses Angebot werde mit 40 bis 50 Begräbnissen im Jahr gut angenommen, sagte ein Stadtsprecher. In Göttingen und Osnabrück sind es jeweils neun bis zehn muslimische Bestattungen jährlich, in Braunschweig etwa 35.

Braunschweig plant den Bau eines rituellen Waschhauses für Muslime und Juden auf dem Stadtfriedhof, das im kommenden Jahr eröffnet werden soll. „Das ist ein begrüßenswerter Schritt, um zu zeigen, dass die Religionsgemeinschaften auf der gleichen Stufe stehen“, sagte Ciynakli. Wer hier Steuern zahle, solle auch das Recht haben, seine Bestattungsriten zu leben. In der ersten Generation der Gastarbeiter wünschte sich die überwiegende Mehrheit, in der Heimat beerdigt zu werden. „In der dritten Generation ist das Verhältnis etwa 50 zu 50“, sagte Imran Tatlici. Der Bestatter aus Hannover ist im Landesverband der Muslime in Niedersachsen (Schura) aktiv.

Bestattungsgesetz ermöglicht Beerdigungen nach islamischem Ritual

Die Verbände wünschen sich eigene muslimische Friedhöfe. Um diese zu betreiben, wäre zunächst die Anerkennung der muslimischen Gemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts notwendig. Die Kirchen und die jüdischen Gemeinschaft haben diesen Status. Vor einem Monat hat die Landesregierung Verhandlungen mit den Muslimen über einen Staatsvertrag aufgenommen. Die rund 250.000 Muslime in Niedersachsen stellen rund sechs Prozent der Bevölkerung.

Das im Jahr 2006 in Kraft getretene niedersächsische Bestattungsgesetz ermöglicht es, Tote nach islamischem Ritual zu beerdigen. Allerdings ist das ewige Ruherecht, wie es im Islam überliefert ist, schwer umsetzbar. „Die Ruhezeit von 20 bis 25 Jahren ist das größte Problem“, berichtete Tatlici. Ein Begräbnis in Deutschland koste oft doppelt so viel wie die Überführung des Verstorbenen in die Türkei. „Auf günstigere Friedhöfe im Umland können wir nicht ausweichen, deshalb entscheiden sich viele für die Türkei, obwohl wir dort auch die Ausländer, die Deutschländer sind.“

Türkei als Gedenkort nicht praktikabel

Auf deutschen kommunalen Friedhöfen bleiben vielerorts große Flächen frei, weil sich die Menschen zunehmend für kleine Urnengräber entscheiden oder auf privat betriebene Friedwälder und Ruheforsten ausweichen. Auch vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die Städte Muslime ein Angebot machen, meinte Ciynakli. „Die Türkei ist beispielsweise mehr als drei Flugstunden entfernt. Als Ort der Trauer und Erinnerung ist die Türkei für die in Deutschland hinterbliebenen Angehörigen nicht praktikabel.“

In Bremen gibt es nach Auskunft des Referatsleiter Friedhöfe Ost, Rolf Fülberth, auf zwei Friedhöfen einige Gräberfelder für Muslime. Pro Jahr seien es ziemlich konstant 50 bis 60 Beerdigungen. Ein spezielles rituelles Waschhaus gebe es nicht.

dpa

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