Baby erstickt

Fünf Jahre Haft für Tod eines Neugeborenen

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Die angeklagte Mutter im Gerichtssaal des Landgerichts Lüneburg.

Lüneburg - Das kleine Mädchen lebte nur wenige Minuten, dann wurde es nach Auffassung der Richter von seiner Mutter erstickt. Das Landgericht Lüneburg verurteilte die 21-Jährige zu fünf Jahren. Doch die Gutachter hinterließen Unsicherheit.

Im Prozess um den Tod ihres Neugeborenen hat das Landgericht Lüneburg am Donnerstag die 21 Jahre alte Mutter zu fünf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Anders als von der Verteidigung gefordert, entschied die Kammer nicht nach Jugendrecht.

Das tote Mädchen war im November erstickt in der Wohnung der Auszubildenden in Uelzen entdeckt worden. Die junge Frau bestreitet die Tat und will von der Schwangerschaft nichts bemerkt haben. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft und eine Verurteilung nach Erwachsenenrecht wegen Totschlags verlangt, die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Sie könne sich an nichts erinnern, auch weil sie damals kurz vor den Ereignissen gegen einen Türrahmen gestürzt sei, wiederholte die Angeklagte während des Prozesses. Sie habe die Schwangerschaft nicht vollständig verdrängt und sei mehrfach auf ihren Zustand angesprochen worden, befand dagegen die 1. Große Jugendkammer. „Das war schlicht eine Überforderungssituation“, erklärte der Vorsitzende.

„Das einzig mögliche Motiv ist Egoismus“, hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer erklärt. „Sie wollte ihre Stellung behalten - sie war das Kind“, schätzte sie die junge Frau ein. Diese habe keine Verantwortung übernehmen können. Dann habe sie die Tat - nur etwa zwei Wochen vor ihrem strafrechtlich relevanten 21. Geburtstag - verdrängt, um sich zu schützen.

Die Jugendgerichtshilfe wollte eine verzögerte Reife nicht ausschließen, eine Ärztin beschrieb die aus dem Landkreis Aurich stammende junge Frau als völlig unreif und infantil. Der Vater der Angeklagten hatte Selbstmord begangen, die Mutter litt lange an einer psychischen Erkrankung. Dennoch forderte die Staatsanwältin mit Erfolg eine Verurteilung nach Erwachsenenrecht. Es handele sich beim Verhalten der Angeklagten um spezifische Charakterzüge und nicht um eine Entwicklungsverzögerung, argumentierte sie.

Anders als ein von der Verteidigung angeforderter Gutachter schloss das Gericht einen Unfall oder Komplikationen nach der Geburt des Kindes als Todesursache aus. Das kleine Mädchen war nach Einschätzung von zwei Rechtsmedizinern aus Hamburg zwischen dem 5. und 7. November gesund und lebensfähig zur Welt gekommen. Nach spätestens fünf Minuten sei es dann gewaltsam erstickt worden.

Polizeibeamte hatten das tote Kind entdeckt, nachdem ein Arzt die Behörden alarmiert hatte. Er hatte die damals 20-Jährige wegen starker Blutungen behandelt. Als er erkannte, dass sie kurz zuvor entbunden haben musste, stritt sie das ab.

Die Angeklagte hatte sich bei der Geburt in einer psychischen Ausnahmesituation befunden - da waren sich Richter, Anklage und Verteidigung einig. Lautlos und ohne sich zu rühren weinte die junge Frau über lange Strecken des Verfahrens. „Es ist alles gesagt“, sagte sie leise zum Schluss. Ihr Verteidiger will Revision einlegen.

dpa

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