Feminismusdebatte in Schweden

Der Fußball wird geschlechterneutral

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Stockholm - Weil im Regelwerk bei einem Schiedsrichterlehrgang nur von Trainern, Schiedsrichtern und Spielern die Rede ist, beschwerte sich eine 15-jährige Schwedin. Ihr Protest beim schwedischen Fußballverband hat Erfolg: Das Regelwerk wird geändert.

Was sagt eine Feministin im Restaurant? „Herr Ober, eine Salzstreuerin bitte!“ Es ist einer der ältesten Witze über den vermeintlichen Irrsinn der geschlechtsspezifischen Sprache, aber auch einer der treffendsten. Die jüngste Salzstreuerin heißt Henrietta Berner, und sie streut Salz in die Wunde einer der letzten Männerbastionen: des Fußballs.

Henrietta ist Fußballerin und störte sich bei einem Schiedsrichterlehrgang daran, dass im Regelwerk ihres schwedischen Verbandes nur von Trainern, Schiedsrichtern und Spielern die Rede ist. Die 15-Jährige, die sich selbst als Feministin bezeichnet, fühlte sich als Frau schlichtweg unterschlagen. Ihr Protest beim schwedischen Fußballverband hat Erfolg: Die Formulierungen werden überarbeitet, in Zukunft ist von „Schiedsrichtenden“ und „Spielenden“ die Rede.

Das kennt man von den „Studierenden“, doch die vermeintliche Lösung birgt Probleme: Der Vorstoß ist in der Sache richtig, aber die mittels der sogenannten substantivierten Partizipien entstandenen Spielenden und Schiedsrichtenden finden spätestens bei den betreuenden Übungsleitenden ihr Ende: Der Trainer ist ein Trainer, und die „Trainierenden“, sind eben keine Trainer, sondern Spieler. Noch schlimmer: Partizipien wie Spielende und Trainierende sind auch sprachlich falsch, denn spielend oder trainierend ist man einzig im Moment des Tuns. Abseits des Rasens wird man zum Feiernden oder Heulenden – aber Spielender ist man sprachtheoretisch dann nicht mehr.

Viele Strategien der geschlechtsneutralen Sprache wirken so unfreiwillig komisch. Der Berliner Lann Hornscheidt ist nicht nur Professor für Gender Studies und Sprachanalyse, sondern wurde auch als Frau geboren. Als er bat, geschlechtsneutral als „Profx“ angesprochen zu werden, erntete er Häme von Feminismus- und Political-Correctness-Bekämpfern. Auch dem Fußball, der ohnehin nie als sprachlicher Streichelzoo bekannt war und auch keiner sein muss, nützt dieser Vorschlag nichts: „Schiedsrichtx“ ist kaum auszusprechen, und „Trainix“ erscheint als Trainingsverweigerer aus einem gallischen Dorf.

Henrietta indes hat das Fußballspielen vor Kurzem aufgegeben und widmet sich einer ganz und gar unfeministischen Tätigkeit: Sie macht jetzt Ballett.

Von Sabrina Mazzola

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