Schüler befragen Austronaut Gerst

Ein ganz besonderer Schul-All-Tag

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Foto: Schüler Kristopher spricht über Funk mit Alexander Gerst.

Braunschweig - Nach Hause telefonieren konnte Alexander Gerst Freitagvormittag zwar nicht, aber zumindest in die Heimat funken. Zehn Minuten hatten Schüler aus Braunschweig und Wolfenbüttel Zeit, um dem deutschen Astronauten an Bord der Weltraumstation ISS ihre Fragen zu stellen.

Zehn Minuten, in denen sich das bekannte Flugobjekt in Funkreichweite des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) in Braunschweig befand. Dem Zentrum war es gelungen, eines der europaweit viel gefragten Gespräche mit dem Raumfahrer zu vermitteln.

Wie verhält sich Feuer in der Schwerelosigkeit? Dürfen Sie in Ihrer Freizeit Weltraumspaziergänge machen? Was ist das Schönste daran, im Weltraum zu sein? Rund 100 Schüler hatten sich in den vergangenen Wochen im Unterricht überlegt, was sie von dem 38-Jährigen erfahren wollen, der da gerade mit 28 000 Kilometern pro Stunde in rund 400 Kilometern Höhe über sie hinwegfliegt. Sechs Monate lebt, arbeitet und experimentiert Alexander Gerst zusammen mit dem Russen Maxim Surajew und dem US-Amerikaner Reid Wiseman auf der ISS. Nun war der Moment für die Schüler gekommen, und der gebürtige Schwabe fand auf alles eine Antwort, auch wenn manche Worte im Rauschen der Funkverbindung untergingen.

„Hallo Alexander“, sagte Gerst zu seinem 17-jährigen Namensvetter vom Wilhelm-Gymnasium in Braunschweig, der nach dem Abendspaziergang im All gefragt hatte. „So ein Weltraumausflug ist viel aufwendiger als ein normaler Spaziergang.“ Im Vergleich zum Aufenthalt in der ISS sei er sehr gefährlich. „Deshalb können wir das nur aus beruflichen Gründen machen und nicht in der Freizeit.“ Nächste Frage, nächste Antwort. „Hallo Anja. Das Schönste im Weltraum ist das Schweben und der Blick aus dem Fenster auf die Erde. Aber ob ich jemals verstehen kann, was ich da unten sehe, ist eine andere Frage.“ Die 17-Jährige von der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule in Braunschweig schaute zufrieden und machte dem nächsten Frager Platz.

„Wir sind Partnerschule des DLR und können deshalb an der heutigen Veranstaltung teilnehmen“, erzählte Physiklehrerin Gabriele Hermes von der Hoffmann-von-Fallersleben-Schule. Zur Vorbereitung habe sie im Unterricht unter anderem Schwerelosigkeit im Fahrstuhl simuliert. „Zudem hat das DLR uns Materialien zur Verfügung gestellt“, sagte Hermes. Alle Jungen und Mädchen aus ihrem Physikkurs hatten genauso wie die anderen teilnehmenden Schüler ihre Fragen beim DLR eingereicht. Das Zentrum, das in Deutschland an verschiedenen Standorten die Luft- und Raumfahrt erforscht, wählte 19 Aspekte aus, die Gerst beantworten sollte. Wegen der Kürze der Zeit war allerdings schon nach Frage 13 Schluss. So blieb leider auch ungeklärt, was der 17-jährige Viktor wissen wollte: Der fragte, ob man im Weltall heiraten kann und in welchem Land dann die Vermählung eingetragen wäre.

„Die Fragen der Schüler mussten wir zur Kontrolle noch an die Nasa schicken“, erzählte der Leiter des DLR-School-Lab, Frank Fischer. Er hat den galaktischen Vormittag organisiert. „Wir wollen damit das Interesse der Jugendlichen fördern.“ Vor den Schülern sprach gestern auch der Flugdirektor des Columbus-Kontrollzentrums, Thomas Uhlig. Dessen Kontrollstation in Oberpfaffenhofen steht in ständigem Kontakt mit Alexander Gerst und ist unter anderem für den streng getakteten Stundenplan des Astronauten verantwortlich. Uhlig betonte, dass jede Crew-Minute auf der ISS sehr viel Geld kostet. „Es ist daher etwas ganz Besonderes, dass sich Alexander zehn Minuten Zeit nimmt.“

Gelöst zeigte sich nach der gelungenen Kommunikation Niels-Holger Siegmund. Der Amateurfunker, der ebenfalls beim DLR arbeitet, baute mit seinem Team innerhalb von zehn Monaten eine Anlage auf, die den Funkkontakt in die unendlichen Weiten des Weltalls ermöglichte. Um 11.36 Uhr hatte er gestern Vormittag das erste Mal ins Mikrofon gesprochen und versucht, Kontakt zur ISS aufzunehmen: „Delta Papa Zero India Sierra Sierra, hier spricht Delta November Zwo Delta Lima Romeo.“ Funkstille. Nächster Versuch. Wieder nichts. Schweigen im Weltraum. Ein viertes Mal, ein fünftes Mal. Dann kam sie endlich, die Antwort der ISS. „Die Verbindung war so gut, wie wir es uns erhofft hatten“, freute sich Siegmund.

Der ehemalige Raumfahrer Reinhold Ewald lobte die Schüler und hofft, dass die Politik mit einem Raumfahrtprogramm auf das Interesse junger Leute reagiert. Johannes Reparon kann sich sogar vorstellen, ins All zu fliegen. „Nicht unbedingt als Astronaut, aber als Bordingenieur“, sagte der 16-Jährige vom Gymnasium Große Schule in Wolfenbüttel. Vielleicht trifft er dort dann ja Alexander Gerst. Dessen Weltraumtraum ist mit der jetzigen Mission noch nicht ausgeträumt. „Ich will weiter fliegen, noch weiter raus in den Weltraum“, verriet Gerst gestern den Schülern. „Weiter auf einen anderen Himmelskörper. Das ist das, was mich wirklich faszinieren würde.“

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