Hotpants als Sommertrend

Ganz schön knapp

+
Hotpants sorgen in Schulen für Diskussionen. In Stuttgart am evangelischen Heidehof-Gymnasium hat man den knappen Hosen den Kampf angesagt.

Hannover - Knappe Höschen, die den Po nicht ganz bedecken, sind der Trend in diesem Modesommer. Je kürzer die Hotpants, desto besser scheinen sie sich zu verkaufen. Immer mehr Mädchen tragen knappe Hotpants – nicht nur privat, sondern auch in der Schule

Mittlerweile gibt es die auch Minishorts genannten Hosen in zahllosen Varianten: mit Nieten oder Fransen, mit Digitalprints, in Pastelltönen, Neonfarben, im Used Look, aus Spitze, Jeans, Leder oder Latex. Die Auswahl an Modellen, die Edel- und Billigfirmen anbieten, ist riesig. „High Waist“ getragen, also über die Hüftknochen gezogen, legen sie die Pobacken der Trägerinnen frei – und die werden immer jünger. Eine steigende Zahl junger Mädchen trägt Minishorts im ganz normalen Alltag – und stößt damit in mancher Schule auf Kritik. Rektoren sind überrascht und reagieren mit zum Teil unkonventionellen Mitteln auf die nackten Pobacken ihrer Schülerinnen.

Modemagazine wie „Glamour“ oder „Elle“ empfehlen die Höschen an heißen Tagen. Eine „Glamour“-Leserin zeigt sich im Forum des Magazins jedoch irritiert über das geringe Alter der Trägerinnen. Jede zweite Mini-Shorts-Trägerin sei eine noch ziemlich junge Frau. Vorgemacht wird es von den Vorbildern aus der Popkultur: Lady Gaga oder Rihanna zeigen sich bei Facebook, Twitter und Co., auf Modeschauen und auf Preisverleihungen gern in Hotpants. Die „Micro Mini Shorts“ lenken den Blick nicht nur auf schlanke, jugendliche, cellulitisfreie Beine, sondern auch auf hübsche Hintern. Richtig „hot“ seien Minishorts freilich nur bei Mädchen mit „Fohlenbeinen“, sagen Trendexperten. Mit dem passenden Körper könne man sich in den kleinen Höschen dann „sogar ins Büro“ wagen – wenn auch vielleicht nicht in jedem Unternehmen.

In mancher Schule jedoch sorgt der Hotpants-Trend für Irritationen. Am evangelischen Heidehof-Gymnasium in Stuttgart etwa war für einen Schulleiter die Grenze erreicht. Diese lag für Direktor Bertold Lannert unterhalb der Pofalte. Lannert verteilte symbolisch schwarze Müllsäcke an Trägerinnen allzu kurzer Höschen. Die Kleidung in der Schule müsse angemessen sein. Auch in Nordrhein-Westfalen ging die Schulleitung eines Hagener Gymnasiums gegen die zu kurzen Hosen vor. Sie verteilte übergroße T-Shirts an die Mädchen.

An der KGS Sehnde in der Region Hannover hatte man diese Diskussion bereits vor genau zehn Jahren. Damals trugen junge Mädchen Minibustiers und Hüfthosen, die den Po eher entblößten als bedeckten. Schulleiterin Helga Akkermann formulierte damals einen Brief an die Eltern, in dem stand, was aus ihrer Sicht angemessene Kleidung sei. „Ich bat die Eltern darum, ein Auge auf die Kleidung ihrer Kinder in der Schule zu haben.“ Die Schule sei schließlich der Arbeitsplatz der Kinder. Ob heute mehr Hotpants getragen werden, vermochte Akkermann gestern nicht zu beurteilen. „Vor den Ferien jedenfalls ist uns nichts aufgefallen“, sagt sie. Wie es danach modisch aussehen wird, werde man dann sehen. Kommt Akkermann eine Schülerin mit knapper Hose unter, will sie erst das persönliche Gespräch suchen. Das bringe schließlich mehr als ein Müllsack, denn der bedeute eine Abwertung der Persönlichkeit.

In Italien ist um die Höschen jetzt eine Debatte entbrannt. Ausgelöst hat sie der Kolumnist Marco Cubeddu. Dieser bezeichnete die knappe Mode in einem Kulturmagazin als „nuttig“. Die Mädchen begäben sich mit dem freizügigen Outfit „potenziell in Gefahren“. Cubeddu riet Mädchen, sich auszuziehen, wenn sie „Stripperinnen“ seien. „Wenn sie aber etwas anderes im Leben machen wollen, sollten sie besser angezogen bleiben.“

Erwartungsgemäß brach ein Shit­storm über den Autor herein, in sozialen Netzwerken glühten die Kabel. Verletzte Mädchen schrieben, sie würden die luftigen Höschen völlig arglos tragen. Der „Corriere della Sera“ griff die Debatte unter der Überschrift auf: „Der Sommer der Minishorts: Verderbnis oder Ausdruck von Freiheit?“ Die Philosophin Chiara Lalli meint, der Grad der Emanzipation lasse sich gewiss nicht an Zentimetern ablesen, die bedeckt oder unbedeckt seien, sehr wohl aber daran, ob Mädchen bei der Wahl des Outfits Entscheidungsfreiheit hätten.

Schulleiterin Helga Akkermann von der KGS Sehnde will nicht in Zentimetern beurteilen, wo die Grenze liegt. Jugendliche sollen provozieren und sich von Erwachsenen absetzen dürfen. Halbnackt in der Schule aufzutauchen jedenfalls sei nicht der richtige Weg – damals wie heute.

1904153

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare