Erschütterung bei Syke

Gasförderung verursacht Erdbeben

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Foto: Im hannoverschen Erdbebenzentrum an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe werden alle Erschütterungen registriert.

Hannover - Zwei Monate ist es her, dass die Erde zwischen Syke und Bassum im Landkreis Diepholz bebte. Nun legt eine Studie nahe: Sehr wahrscheinlich ist die Erdgasförderung im nahe gelegenen Bereich Klosterseelte für die tektonische Verschiebung am 1. Mai verantwortlich.

Dafür sprechen nach Aussage des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sowie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mehrere Indizien. Die umstrittene Frackingmethode kann laut LBEG allerdings nicht die Ursache sein, da sie seit 2011 in Niedersachsen nicht mehr zum Einsatz kommt.

Zum einen führt die Untersuchung die räumliche Nähe als Argument an: Das Epizentrum habe am Rande der Förderstelle in Klosterseelte gelegen, sagte der Mitverfasser der Studie, Nicolai Gestermann, gestern auf Anfrage. „Wir beobachten seit einiger Zeit, dass Erdbeben in Norddeutschland in erster Linie in der Nähe von Erdgasfeldern auftreten“, sagte der Geophysiker der BGR weiter. Rund 70 Prozent aller Erdbeben in Norddeutschland wurden demnach in der Nähe von solchen Fördergebieten lokalisiert. Als weiteres Indiz nannte Gestermann, dass vor dem Beginn der Erdgasförderung in den entsprechenden Gebieten überhaupt keine tektonischen Verschiebungen beobachtet wurden. Zum Dritten liege der Entstehungsort des Bebens, das sogenannte Hypozentrum, in 4,2 Kilometer Tiefe und damit nahezu auf einer horizontalen Linie mit dem unterirdischen Fördergebiet.

Das Beben am 1. Mai um 10.30 Uhr hatte eine Stärke von 3,2. „Bei einer solchen Intensität gibt es leichte Erschütterungen, Gläser wackeln“, sagte Gestermann. „Es sind Risse in Hausfassaden und Schornsteinen sowie herabfallender Putz gemeldet worden.“ Im Rahmen der Studie wurden auch 131 Fragebögen ausgewertet, die Anwohner aus der Region beantwortet hatten. Weitere Erdbeben seien künftig nicht auszuschließen, betonte Gestermann. Allerdings glaubt er nicht, dass noch größere tektonische Störungen auftreten können. „Im Moment gehen wir davon aus, dass die Beben in Zukunft nicht stärker werden“, sagte der Geophysiker. Das Erdbeben bei Syke sei wahrscheinlich dadurch ausgelöst worden, dass die Entnahme des Erdgases und das folgende Absacken des Gesteins zu erhöhten Spannungen am Rande des Förderfelds und schließlich zu plötzlichen tektonischen Verschiebungen geführt hat.

„Auch für das Umweltministerium ist die Auswertung der Prüfungsergebnisse von großer Bedeutung“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel gestern gegenüber der HAZ. „Die Vorgänge bei Syke sind für uns ein Grund mehr, dass wir mit unserer Bundesratsinitiative die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Beweislastumkehr im Bergrecht fordern,“ sagte Wenzel weiter. „So sollen Risiken möglichst vorher geprüft und ausgeschlossen werden.“ Bislang ist es an den Geschädigten, nachzuweisen, dass Erdgasförderung etwa für einen Gebäudeschaden verantwortlich ist. Diese Beweislast will die niedersächsische Landesregierung mit einer Änderung des Bergrechts umkehren. Zudem will sie Unternehmen bei allen Methoden der Gasförderung verpflichten, eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorzulegen.

Unterdessen hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie im Umfeld von Söhlingen Ost Z 1 und einem weiteren Erdgasförderplatz in den Landkreisen Rotenburg/Wümme und Heidekreis erhöhte Quecksilberwerte festgestellt. Im Heidekreis wurden drei Bodenproben genommen. Dort bestünden keine Gefahren für Mensch und Umwelt. Von den 14 Proben, die im Landkreis Rotenburg/Wümme genommen wurden, lagen den Angaben zufolge zwei deutlich über dem Prüfwert. Ob es wegen der Bodenverunreinigungen strafrechtliche Ermittlungen geben werde, sei noch offen, sagte ein Sprecher des Landesamts. Das Unternehmen ExxonMobil sei zu weiteren Untersuchungen aufgefordert worden.

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