Trauerfeier für Berthold Beitz

Gauck erweist Krupp-Patriarch die letzte Ehre

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Bundespräsident Joachim Gauck spricht bei der Trauerfeier für Berthold Beitz.

Essen - Am ehemaligen Essener Krupp-Stammsitz Villa Hügel hat die Gedenkfeier zu Ehren des verstorbenen Krupp-Patriarchen Berthold Beitz stattgefunden. Zu den Rednern gehörte auch Bundespräsident Joachim Gauck. Bei der Gedenkfeier für den Krupp-Patriarchen Berthold Beitz wurden viele persönliche Erinnerungen wach.

An diesem Donnerstag wäre Beitz 100 Jahre alt geworden. Der langjährige Krupp-Stiftungschef war Ende Juli in seinem Ferienhaus auf Sylt gestorben. Zu der Trauerfeier in der Villa Hügel waren rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport geladen. Es wurden viele persönliche Erinnerungen wach. „Ich vermisse ihn schon heute“. bekannte NRW-Ministerpräsidentin Kraft. Eine Villa Hügel ohne den verstorbenen Krupp-Stiftungschef sei für viele kaum vorstellbar.

Zum Abschluss einer bewegenden Trauerfeier für den Krupp-Patriarchen Berthold Beitz würdigt der Holocaust-Überlebende Jurek Rotenberg den Verstorbenen mit einem Zitat des römischen Dichters Horaz. Mit den Worten „Non omnis moriar“ (Ich werde nicht sterben) erinnerte er an den Mann, dem er sein Leben verdankt. Beitzhatte den damals 14-Jährigen und andere jüdische Einwohner der polnischen Stadt Boryslaw im Zweiten Weltkrieg gerettet. Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte es ein Wiedersehen zwischen beiden gegeben.

Zum Schluss der Begegnung habe Beitz seine Faust gehoben, als wolle er damit sagen: „Wir haben es geschafft und wir machen weiter“, erinnert sich der Rentner aus Haifa. Beitz hatte dem früh zum Halbwaisen gewordenen Kind einer jüdischen Familie aus Boryslaw Papiere als Rüstungsarbeiter ausgestellt und ihn so vor der Deportation durch die Nazis gerettet.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte in seiner Rede die Persönlichkeit des Ende Juli im Alter von 99 Jahren gestorbenen Krupp-Stiftungschefs. „Dieser Jahrhundertmann war so vieles, Patriarch und Philanthrop, Diplomat und Visionär, Ikone und vor allem Mensch“, sagte er.

Dabei wies der Bundespräsident auf die vielfältigen Facetten der Persönlichkeit des Verstorbenen hin. „Berthold Beitz war auch streitbar und er war souverän bis zum Ende. Mag sein, dass sein Stil nicht jedermanns Sache war. Doch das schmälert meine Wertschätzung für ihn in keiner Weise, im Gegenteil“, sagte er. Beitz habe zu einer Generation gehört, die Widerspruch und Reibung gewagt habe.

Ganz persönliche Erinnerungen an Beitz

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft(SPD) sagte: „Ich glaube, dass sich alle die ihn kannten, eine Villa Hügel ohne ihn noch gar nicht vorstellen können.“ „Ich vermisse ihn schon heute“, bekannte sie.

Über ganz persönliche Erinnerungen an Beitz, der an diesem Donnerstag 100 Jahre alt geworden wäre, berichtete auch der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der Krupp-Stiftung, Professor Reimar Lüst. „Den heutigen Tag hatte Berthold Beitz fest geplant...“, sagte er. „An seine Vorfreude dürfen wir uns heute erinnern.“

Neben Segel- und Jagdausflügen habe der Krupp-Patriarch auch das Kirchenfest in seinem vorpommerschen Geburtsort Zemmin mit selbst gebackenem Kuchen genossen, berichtete er. Bei eine Ausflug auf eine Berghütte im Kaukasus habe er seine russischen Gastgeber als sogenannter „Tamerlan“ begeistert, der den Takt beim Trinken angegeben und die Trinksprüche zugeteilt habe.

„Wir haben oft über private Dinge gesprochen, wo wir herkommen, dass wir beide aus einfachen Verhältnissen stammen, dass wir beide evangelisch sind. Das war eine gute Basis“, erinnert sich auch ThyssenKrupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Bereits bei seinem ersten Gespräch habe ihm Beitz Rückendeckung für die notwendigen Veränderungen in dem Konzern zugesagt. „Er hat Wort gehalten“, berichtete Hiesinger.

Die Krupp-Stiftung, die Beitz bis zu seinem Tod geleitet hatte, ist wichtigster Großaktionär des Essener ThyssenKrupp-Konzerns. Dem Unternehmen machen derzeit neben einer ganzen Serie von Kartellvorwürfen auch milliardenschwere Fehlinvestitionen zu schaffen.

dpa

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