Landung am Sonntag

Gazale Salame kehrt nach Niedersachsen zurück

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Ein gemeinsames Foto mit seiner Frau: Ahmed Siala zeigt ein Foto von sich und Gazale Salame.

Hannover - Acht Jahre nach ihrer umstrittenen Abschiebung in die Türkei kehrt die Kurdin Gazale Salame am Wochenende mit zwei ihrer Kinder nach Niedersachsen zurück. Die Abschiebung der Frau hatte bundesweit für Empörung gesorgt.

Die vor acht Jahren in die Türkei abgeschobene Gazale Salame kann am Sonntag wieder ihre Familie in die Arme nehmen. In der Nacht kehrt die vor acht Jahren in die Türkei abgeschobene Frau mit ihren zwei Kindern nach Hannover zurück. Damit endet eine Zeit, die die junge Frau wie eine Verbannung empfand. „Wir sind sehr, sehr glücklich über diese Entwicklung“, sagte gestern Kai Weber vom Flüchtlingsrat in Hildesheim. Weber zählt zu einem großen Unterstützerkreis, der seit Jahren darum kämpft, dass die Familie Salame-Siala wieder zusammenkommt. Der Unterstützerkreis hat jetzt in Hildesheim eine Wohnung für Gazale Salame angemietet und eine Aufenthaltsgenehmigung für die Tochter Amina (15) beantragt, die nach der Trennung der Familie im Kreis Hildesheim blieb.

Der Fall der Gazale Salame hat in ganz Deutschland Schlagzeilen gemacht, weil er die Härten des Ausländerrechtes und der Behörden demonstrierte. Salame war vor acht Jahren mit ihrer damals einjährigen Tochter abgeschoben worden - sie war hochschwanger und brachte ihr viertes Kind in der Türkei zur Welt. Nur weil Ehemann Ahmed Siala eines der beiden älteren Kinder gerade zur Schule brachte, blieb ihm die Abschiebung erspart. Den Eltern war vorgehalten worden, dass ihre Großeltern mit falschen Papieren in Deutschland eingereist waren.

Erst ein einstimmiger Appell des Landtages und eine fraktionsübergreifende Initiative von Landtagsabgeordneten machte es Ende Dezember 2012 möglich, dass Gazale Salame und ihre beiden Kinder Schmas und Gazi doch noch ein Einreisevisum bekommen. Sie sollen Sonntagfrüh im Flughafen Hannover-Langenhagen eintreffen und vom Flüchtlingsrat empfangen werden.

Chronologie: Der Fall Salame

Das Schicksal der Familie Salame hat jahrelang nicht nur in Niedersachsen Schlagzeilen gemacht. Immer wieder setzten sich Prominente wie Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle oder Schriftsteller Günter Grass für eine Zusammenführung ein. Der Fall im Überblick:

10. Februar 2005 : Die schwangere Gazale Salame wird mit ihrer einjährigen Tochter aus einem Dorf bei Hildesheim in die Türkei abgeschoben. Grund dafür sind falsche Angaben, die ihre Eltern bei ihrer Einreise nach Deutschland 17 Jahre zuvor gemacht hatten.

10. Februar 2007 : Rund 130 Demonstranten ziehen durch die Hildesheimer Innenstadt und fordern die Rückkehr der Kurdin.

4. März 2009 : Ein Antrag von Gazale Salame auf ein Besuchervisum wird abgelehnt. Das Generalkonsulat Izmir ist der Ansicht, dass die Bereitschaft zur Rückkehr in die Türkei nicht ausreichend belegt sei.

11. Februar 2012 : 80 Menschen demonstrieren in Hildesheim für die Rückkehr von Gazale Salame. Laut Flüchtlingsrat haben mehr als 1200 Menschen einen Appell an Ministerpräsident David McAllister (CDU) zur Zusammenführung der Familie unterschrieben.

20. Juli 2012 : Innenminister Uwe Schünemann (CDU), als Hardliner in der Ausländerpolitik kritisiert, stellt dem Paar neue Chancen für eine Zusammenführung der Familie in Aussicht.

7. Dezember 2012 : Der Landtag fordert die Landesregierung auf, die sofortige Rückkehr von Gazale Salame mit ihren beiden Kindern zu ermöglichen.

24. Januar 2013 : Die Voraussetzungen für die Beantragung eines Visums für Gazale Salame sind erfüllt, weil eine der in Deutschland gebliebenen Töchter eine eigene Aufenthaltserlaubnis erhalten hat.

21. Februar 2013 : Das niedersächsische Innenministerium stimmt einem Visumsantrag des deutschen Generalkonsulats in Izmir zu.

27. Februar 2013 : Das Konsulat stellt Salame ein Visum aus, sie bucht für die Nacht auf Sonntag einen Flug nach Hannover.

mbb/dpa/sag

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