Rückkehr nach Deutschland

Gazale Salame: Pässe sind unterwegs

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Foto: Gazale Salame hoffte schon vor Jahren, bald wieder nach Deutschland zu dürfen. Mit ihren Kindern Ghazi und Schams lebt sie von ihrer Familie getrennt in Izmir in der Türkei.

Hildesheim - Nach fast acht Jahren zwangsweiser Trennung hofft die Familie von Gazale Salame in der Gemeinde Schellerten (Kreis Hildesheim) nun auf eine Zusammenführung.

„Die Pässe meiner Frau Gazale und der beiden Kinder Ghazi und Schams sind per Eilbrief nach Deutschland unterwegs“, sagt Ahmet Siala. Zuvor war bekannt geworden, dass sich der Landtag um eine Rückkehr der als Schwangere in die Türkei abgeschobenen Kurdin bemüht.

Der 32-Jährige ist mit Gazale nur nach islamischem Recht verheiratet, nicht standesamtlich getraut. „Wir durften es ja gar nicht nach deutschem Recht“, sagt er. Dies sei nur eine der bürokratischen Hürden, die die Familie nach der Zwangsabschiebung im Februar 2005 getroffen hat, fügt er verbittert hinzu.

„Ich traue den Behörden nicht“, sagt er – trotz der Hoffnung, dass seine Frau und die beiden Jüngsten noch vor Weihnachten zurück sein könnten. Sobald er den Termin kenne, will er Urlaub nehmen, um alles zu Hause vorzubereiten und eventuell auch eine neue, größere Wohnung zu suchen. Denn der Familienvater lebt derzeit mit seiner Mutter und den beiden Töchtern Amina (15) und Nura (14) zusammen in einer Wohnung. Seit fast acht Jahren von Salame getrennt.

Die Trennung und sogar „eine zerrüttete Ehe“ seien ihm und seiner Frau immer vorgeworfen worden, sagt Ahmet Siala. „Was glauben die Menschen, was das für eine Beziehung bedeutet, wenn man über Jahre gezwungen wird, getrennt zu leben?“ Alle Versuche, für Gazale Salame und ihre jüngsten Kinder ein Visum für einen Besuch in Deutschland zu erhalten, sind an den Behörden und am Ende auch an den Gerichten gescheitert.

Besonders Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann habe ihm immer wieder vorgeworfen, dass er nicht seiner Frau in die Türkei nach Izmir gefolgt sei. „Sobald ich die deutsche Grenze überschreite, verliere ich hier mein Bleiberecht“, sagt Ahmet Siala, „aber hier ist das Land, in dem ich mein Leben verbracht und aufgebaut habe.“ Das ist auch der Grund, weswegen Gazale Salame wieder zurückkehren möchte. Als alleinerziehende Mutter und als Kurdin habe sie es sehr schwer, in Izmir akzeptiert zu werden oder gar eine Arbeit zu finden, erzählen Gerjet und Luise Harms. Die beiden Hildesheimer zählen zum Unterstützerkreis, der den Kontakt zu der Mutter aufrechterhält und sich vor Kurzem selbst ein Bild von der Situation in Izmir verschafft hat.

„Die junge Frau kann zwar mittlerweile Türkisch sprechen, wird aber in der islamisch geprägten Welt als Alleinerziehende geschnitten“, erzählt Luise Harms. Und Gazale Salame haben die Jahre des Hoffens und der Enttäuschungen schmerzhaft getroffen. „Wenn die Familie wieder zusammenkommt, braucht sie weiter unsere Hilfe“, sagt Gerjet Harms. Hoffnung hat nun auch die 15-jährige Amina. Sie sagt allerdings: „Es fällt mir sehr schwer nach all den Enttäuschungen.“

von Norbert Mierzowsky

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