Studie untersucht Ausgabeverhalten

Gebühr schreckt Studenten nicht

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Zahlen oder nicht zahlen: Als letztes Land schafft auch Niedersachsen die Studiengebühren wieder ab.

Hannover - Gebühren schrecken nicht vom Studium ab. Zu dieser Erkenntnis kommt das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsförderung (NIW) in seiner jüngsten Studie. Aber: Für Niedersachsens Wirtschaftsministerin sind die Zahlen kein Beleg dafür, dass das Land an Studiengebühren festhalten sollte.

Stichproben bei deutschlandweit rund 27.200 Studierenden hätten ergeben, dass Studiengebühren von je 500 Euro pro Semester keine nachweisbaren Auswirkungen auf die Gesamtausgaben oder das Sparverhalten hätten, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Schlussfolgerung: „Finanzielle Begründungen für die Abschaffung der Studiengebühren erscheinen nicht zutreffend.“

In den Ländern, in denen Hochschulen Gebühren verlangten, gab ein Student nach der NIW-Studie 2009 im Monat 649,40 Euro aus, in den Ländern ohne Gebühren waren es 645,20 Euro. Sparen konnte ein Student in einem Gebührenland 128,90 Euro, in einem Land ohne Gebühren waren es sogar noch etwas weniger, nämlich 120,20 Euro. Gejobbt haben beide Gruppen fast gleich viel, gut sieben Stunden in der Woche. Mehr als ein Viertel der Studierenden, die Studienbeiträge bezahlen mussten, lebten bei ihren Eltern, um Miete zu sparen. Bei den Nichtgebührenländern war dies nur ein Fünftel.

Die Untersuchung fußt auf der Sozialerhebung von 2003 und 2006, als es noch keine Studiengebühren gab. Sie wird mit Zahlen aus dem Jahr 2009 nach Einführung der Studiengebühr verglichen. Befragt wurden Studierende aus Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland.

Nach Ansicht von Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) sind die Ergebnisse des Gutachtens kein Beleg dafür, dass das Land an Studiengebühren festhalten sollte. Niedersachsen will die Gebühren zum nächsten Wintersemester abschaffen – als letztes Bundesland. Am Freitag ist Anhörung im Wissenschaftsausschuss im Landtag.

„Die Studie des NIW hat lediglich das Ausgabeverhalten von Studierenden untersucht. Für die Landesregierung war bei der Entscheidung zur Abschaffung wichtig, dass die Studiengebühren sich negativ auf die Entscheidung auswirken, überhaupt ein Studium aufzunehmen“, sagt Heinen-Kljajic. So habe eine Anfang 2013 veröffentlichte Studie des Hochschul-Informations-Systems belegt, dass Studiengebühren insbesondere potenzielle Studierende abschreckten, deren Eltern selbst nicht studiert hätten.

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