Justizvollzug in Niedersachsen

Gefährliche Straftäter werden verlegt

+
Foto: Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz zieht Konsequenzen: In der JVA Lingen werden keine Sicherungsverwahrten mehr zu therapeutischen Zwecken untergebracht.

Hannover - Mehrere Häftlinge sind 2014 aus der Sicherungsverwahrung und dem Maßregelvollzug geflohen. Nun zieht Justizministerin Antje Niewisch-Lennartzzieht Konsequenzen und lässt gefährliche Straftäter verlegen.

Wegen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung muss sich ab Mittwoch ein 52 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Osnabrück verantworten – der Fall des mehrfach vorbestraften Gewalt- und Sexualstraftäters hatte im Juni für Empörung gesorgt. Der Sicherungsverwahrte hatte sich während eines mehrtägigen Freigangs aus der Justizvollzugsanstalt Lingen im Emsland an einem 13 Jahre alten Mädchen vergriffen und war danach untergetaucht.

Die Tat war der Auftakt zu einer Reihe von Entweichungen aus der Sicherungsverwahrung und dem Maßregelvollzug in diesem Jahr. Polizei und Justiz wurden damals kritisiert, weil erst Tage nach der Flucht die Öffentlichkeit gewarnt worden war. Wenig später stellte sich Reinhard R. der Polizei. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Das Justizministerium in Hannover hat nun erste Konsequenzen aus dem Fall gezogen. In Lingen, wo R. eine Sozialtherapie absolvierte, sind derzeit keine Sicherungsverwahrten mehr zu therapeutischen Zwecken untergebracht.

Sicherungsverwahrte müssen nach Rosdorf

Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz hatte angekündigt zu prüfen, ob nicht alle Sicherungsverwahrten in die zentrale Einrichtung in Rosdorf bei Göttingen verlegt werden können. In drei Fällen ist das nun geschehen. Die neue Anlage in Rosdorf war im Mai 2013 eröffnet worden. Hier sitzen jetzt 31 rückfallgefährdete Schwerverbrecher ein, die auch nach Verbüßung ihrer Strafen verwahrt bleiben müssen. Elf weitere Sicherungsverwahrte absolvieren derzeit Therapien in Hannover, Wolfenbüttel, Celle und Uelzen.

Der jetzt angeklagte 52-Jährige war während des Freigangs in der Wohnung eines Bekannten in Lingen auf das 13-jährige Mädchen getroffen. Dieser Bekannte, wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vorbestraft, sitzt inzwischen ebenfalls wieder in Haft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Aurich wurde seine Bewährung widerrufen. Der 31-Jährige hatte die Weisung erhalten, sich nicht mit Kindern aufzuhalten. „Dagegen hat er verstoßen“, ­sagte die Auricher Oberstaatsanwältin Anette Hüfner. Der Mann hatte am Tatabend in seiner Wohnung eine Feier mit mehreren Jugendlichen veranstaltet. Im Verlauf des Abends soll das Mädchen dann vergewaltigt worden sein. Die heute 14-Jährige tritt als Nebenklägerin in dem Prozess auf.

Über ihre Anwälte hat sich das Mädchen mit einem schriftlichen Aufruf an Freunde und Bekannte der Familie gewandt und sie gebeten, keine Interviews zu dem Fall zu geben. „Wir fühlen uns eingeengt, getrieben und verfolgt“, heißt es darin. „Die Tat und die Folgen belasten uns schon genug, lassen sie uns bitte unser Privatleben.“ Die Familie musste nach Angaben ihres Meppener Anwalts Bernhard Weiner im Sommer vor dem Medienrummel aus Lingen fliehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare