„Henssler hinter Gittern“

Gefängnischef verteidigt RTL-Kochshow

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Steffen Henssler (r.) kocht gemeinsam mit dem Insassen Van Hiep V. (l.).

Hannover - Die Kritik an der RTL-Kochshow „Henssler hinter Gittern“ reißt nicht ab. Der Chef des Bremer Gefängnisses verteidigt die Fernsehshow im Knast, die CDU-Fraktion hat dennoch die 
Landesmedienanstalt eingeschaltet.

Die Bremer Justizvollzugsanstalt (JVA) hat ihre Mitwirkung an der RTL-Kochshow „Henssler hinter Gittern“ verteidigt. Die am Montagabend gestartete Serie mit Fernsehkoch Steffen Henssler diene der Resozialisierung der beteiligten Häftlinge, sagte Gefängnisdirektor Carsten Bauer am Mittwoch der HAZ. Er reagierte damit auf Kritik des niedersächsischen Landeskriminalamtes daran, dass in der Sendung auch ein zu 14 Jahren Haft verurteilter Schwerverbrecher mitwirken darf, der 2007 an dem Raubüberfall auf ein Chinarestaurant in Sittensen (Kreis Rotenburg) beteiligt war. Damals hatten fünf Täter und Helfer ein Blutbad mit sieben Toten angerichtet.

JVA-Leiter Bauer sagte dazu, die Fernsehserie solle dabei helfen, dass die gezeigten Straftäter nach ihrer Entlassung leichter in der Gesellschaft Fuß fassen könnten. „Sie haben bessere Chancen, nicht als so unheimlich dazustehen.“ Je besser Straftäter resozialisiert würden, desto geringer sei die Gefahr von Rückfalltaten. Daher sei die Sendung keine Verhöhnung der Opfer von Sittensen, sondern diene dem Schutz der Gesellschaft vor künftigen Opfern. Mit Blick auf das traumatisierte Mädchen, das als Zweijährige das Blutbad überlebt hatte, ergänzte er gegenüber dem NDR: „Das sind möglicherweise Aspekte, die wir nicht in aller Tiefe berücksichtigen können. Wir beschäftigen uns mit den Tätern, nicht mit den Opfern.“

Für die Mitwirkung in den vier RTL-Folgen hat der Sender den Häftlingen laut Bauer eine „kleine Anerkennung“ gezahlt. Die Anstalt selber habe etwas Geld bekommen, um die Ausstattung des JVA-Bistros mit Töpfen, Tellern und Plastikpalmen zu verbessern.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der niedersächsischen CDU-Fraktion, Jens Nacke, hat die Ausstrahlung heftig kritisiert. „Hier wird die Grenze des guten Geschmacks überschritten“, sagte Nacke, der auch Mitglied der Landesmedienanstalt ist. Er forderte die für RTL zuständige Programmaufsicht der Landesmedienanstalt auf, das Format mit Blick auf die Zurschaustellung der Häftlinge zu überprüfen. Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Was meinen Sie? Bei einem Raubüberfall in Sittensen starben 2007 sieben Menschen – nun schickt RTL seinen TV-Koch mit einem der Täter an den Herd. Auf der Quotenjagd übers Ziel hinausgeschossen? Ja. Diese Sendung ist ein Schlag ins Gesicht für die Hinterbliebenen. Nein. Auch das ist eine Form der Resozialisierung. Das Thema ist mir egal. // set a new cookie with expiry ten minutes function setPollCookie() { expiry = new Date(); expiry.setTime(expiry.getTime()+(10*60*1000)); document.cookie = "LastURIPoll=;path=/;expires=" + expiry.toGMTString(); }

Von Gabriele Schulte und Eckhard Stengel

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