Gut gepudert

Geht 'ne Kuh zum Friseur...

+
Foto: Die Frisur sitzt: Astrid Ostkämper bürstet und föhnt das Fell einer schwarzbunten Holstein-Kuh.

Melle - Mit Kamm und Föhn sorgt Astrid Ostkämper dafür, dass Tiere auf Viehschauen einen schönen Eindruck machen. Sie weiß, wie eine gut gebaute Kuh aussieht.

Die Kuh sieht toll aus, wenn sie eine breite Brust hat. Dann haben Herz und Lunge viel Platz. Kräftig und gesund – das macht eine Kuh zur Schönheit. Lange Beine hingegen seien Schnickschnack, stark müssten sie sein, sagt Astrid Ostkämpfer. Sie weiß, wie eine gut gebaute Kuh aussieht. Mit Schermaschine, Föhn und Haarspray kann die 35-Jährige noch fast jedes Rindvieh aufhübschen. Einmal waschen, scheren, föhnen – nur aus einem schlecht proportionierten Tier kann auch sie keine Schönheit machen.Astrid Ostkämpfer ist im Nebenberuf sogenannte Cowfitterin. Den amerikanischen Begriff mag sie nicht sonderlich, klingt so „spleenig“. Kuhfriseur, Kuhstylist – schon besser. Was es bis vor ein paar Jahren fast ausschließlich in den USA und Kanada gab, wird auch hierzulande immer wichtiger: Kühe, die bei Viehschauen und Auktionen auf dem Cow-Walk eine gute Figur machen sollen, werden aufwendig gestylt. Gutes Aussehen bringt dem Züchter Geld.

Astrid Ostkämper, studierte Agrarwissenschaftlerin, arbeitet bei einer Rinderzuchtorganisation in Melle (Landkreis Osnabrück) als Tierzuchtberaterin. Kühe – die waren schon früh ihre Leidenschaft. Als Kind hatte sie eigene Kälber. „Und sobald ich die Schermaschine halten konnte, ging es los“. Später in Göttingen hat sie sich mit dem Herrichten der Tiere ihr Studium finanziert. Heute gibt sie die Schönheitstipps in Kursen weiter.

Und wie brezelt man eine Kuh auf? Zunächst muss sie gründlich gewaschen werden. Manchmal bekommt das Tier vor dem großen Auftritt auch ein spezielles Kraftfutter verordnet, das den Bauch schön rundet. Dick und speckig – damit lässt sich kein Blumentopf gewinnen. Und dann das Fell. Jedes Haar muss sitzen. Astrid Ostkämper hat verschiedene Schermaschinen in ihrem Beautycase. „Besonders schwierig ist die Topline auf dem Rücken der Tiere“, sagt sie. Dabei muss man die Haare mit der Bürste hochkämmen, möglichst millimetergenau zurückschneiden und die Übergänge fließend scheren. Ein flotter Schnitt kann das für Kühe typische Hohlkreuz kaschieren. Mit extrastarkem Haarspray aus Amerika wird die Frisur fixiert. Und weil auch kein Tier makellos schön ist, werden kleine Fell­unreinheiten oder vom Stalldreck verfärbte Schwänze kurzerhand gebleicht oder gefärbt.

Und dann ist da noch das Euter, ganz wichtig. Prall muss es sein, aber nicht zu prall, glänzen soll es, aber nicht zu speckig. Babyöl und vor der Schau mal etwas Milch ablassen hilft. Schummeln, wie kürzlich in Oldenburg, das würde Astrid Ostkämper nie machen. Stylisten hatten bei der Wahl zur schönsten Kuh Deutschlands der schwarzbunten Krista falsche Haare auf den Rücken geklebt.

„Kühe nehmen die ganze Prozedur meist gleichmütig hin“, sagt Ostkämper. Diese Charaktereigenschaft mag sie besonders an den Tieren. Die Ruhe, dieses Unaufgeregte, was sich auch bei der Arbeit mit ihnen auf den Menschen übertrage. Für Ostkämper, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, früh schon Jungzüchterin war, ist die Arbeit mit Kühen der Traumberuf. Vor vier Wochen ist die 35-Jährige Mutter geworden, mit ihrem Partner lebt sie auf einem kleinen Resthof. Irgendwann einmal möchte sie auch wieder einen Hof mit Stall haben. Derzeit hat sie ihre eigenen Kühe bei einer anderen Landwirtschaft untergebracht. Auch ihre Lieblingskuh, Bonita, die Schöne.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare