Rede über Niedersachsen und Europa

Gerhard Schröder ist zurück im Landtag

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„Keine Angst, ich praktiziere nicht mehr:“ Gerhard Schröder im Landtag. Foto: Körner

Hannover - Der Altkanzler und ehemalige niedersächsische Ministerpräsident hält im Landtag eine launige wie weitreichende Rede. Sein Themen: Nicht nur die eigene politische Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart und Zukunft von Europa.

Es kommt eigentlich nicht vor, dass Altkanzler im Landtag reden. Aber Gerhard Schröder hat lange genug im niedersächsischen Landesparlament gesessen (1986 bis 1998), um es nicht gänzlich zu vergessen. Auch aus alter Verbundenheit gegenüber den Weg- wie auch Kampfgefährten von einst sprach der Altkanzler am Montagmorgen über seine eigene politische Vergangenheit, die Gegenwart und Europas Zukunft, die er in einem „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ sieht.

Schröder sprach zum Jubiläum der Parlamentarischen Gesellschaft, die sich aus ehemaligen Landtagsabgeordneten wie auch aktiven Politikern zusammensetzt und ihr zehnjähriges Bestehen feierte. Gut 140 Damen und Herren, nicht wenige mit Hörgeräten, begrüßten sich herzlich im provisorischen Landtag. Und bevor der Altkanzler ans Podium trat, stimmte ein Jazz-Quartett aus dem Deister die Mackie-Messer-Ballade an: „Und der Haifisch, der hat Zähne.“ Schröder lächelte sanft. Schließlich hatte Landtagspräsident Bernd Busemann „wohlwollende Berichterstattung“ garantiert.

„Das war hier eine durchaus harte, gute Schule, in der ich viel gelernt habe“, sagte Schröder. „Etwa mit Kritik, auch mit härtester Kritik zu leben.“ Doch manches Mal würden aus erbitterten Gegnern fast sogar Freunde, sagte Schröder mit Blick auf den anwesenden Jürgen Gansäuer, zu Schröders Zeiten CDU-Fraktionschef, später Landtagspräsident. Als Weggefährten hob Schröder den langjährigen Kultusminister und späteren Landtagspräsidenten Rolf Wernstedt hervor, der vergangene Woche 75 Jahre alt geworden ist. Der habe sich nie gescheut, inhaltlich Position zu beziehen. „Und er war ein echter Professor. Ich bin nur ehrenhalber Professor für Neurochirurgie in China. Aber, keine Angst, ich praktiziere nicht mehr.“

Dann ging er im Schritttempo durch die Landesgeschichte, bekannte, dass auch für ihn „eine Welt zusammengebrochen“ sei, als jüngst die Verstrickungen des ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf in der NS-Zeit genauer ausgeleuchtet wurden. Aber die Göttinger Historiker hätten sehr differenziert über Kopf geurteilt, der als Gründungs-Ministerpräsident dieses Landes auch eine unumstrittene Lebensleistung vorzuweisen habe. Als großen Ministerpräsidenten würdigte Schröder auch seinen Vorgänger Ernst Albrecht, der mit der Aufnahme der Boat People Spuren hinterlassen habe. Schröder, ganz auf der Höhe der Zeit, sprach auch die geringe Wahlbeteiligung an, zuletzt in Bremen. Sie stelle die Legitimität der Politik nicht infrage, mache die Politik aber angreifbar.

Dann kam Schröder auf die großen europäischen Fragen zu sprechen. Fehler, die zu Beginn der Währungsunion gemacht worden seien, rächten sich jetzt. „Sie können keine krisenfeste Gemeinschaftswährung haben, wenn Sie nur die Wirtschaftspolitik koordinieren, nicht aber die Finanz- und Wirtschaftspolitik.“ Und als es richtig interessant wurde, war Schröders Redezeit zu Ende. Vom Empfang bei Ministerpräsident Stephan Weil ließ er sich entschuldigen. „Immer, wenn Parlamentswoche ist, kümmere ich mich um die Kinder. Ich muss jetzt meinen Sohn von der Schule abholen.“

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