Dyskalkulie

Gericht: Matheschwäche schützt vor Note nicht

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Foto: Eine Matheschwäche ist kein Grund für eine Schonbehandlung bei der Versetzungsfrage, so das Verwaltungsgericht Braunschweig.

Hannover - Auch die Mathematik­noten von Kindern mit Rechenschwäche müssen bei der Versetzung berücksichtigt werden. Das hat das Verwaltungsgericht Braunschweig in einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil entschieden.

Kinder mit der Dyskalkulie genannten Schwäche haben demnach keinen Anspruch darauf, dass die Zensur bei der Frage der Versetzung unter den Tisch fällt. Nach Angaben von Hermann Theisen vom Therapie-Zentrum Rechenschwäche in Hannover leiden fünf bis zehn Prozent der Grundschüler unter Dyskalkulie. „Die Dunkelziffer ist allerdings hoch.“

Geklagt hatte eine 13 Jahre alte Schülerin aus dem Kreis Wolfenbüttel. Das Mädchen besucht dort die sechste Klasse einer Realschule. Die 13-Jährige leidet unter Dyskalkulie und erhielt in den letzten Zeugnissen jeweils eine 5 in Mathe. Unter Berufung auf die rechtlichen Regelungen hatte die Schule darauf bestanden, die Mathenote in die Versetzungsentscheidung mit einzubeziehen.

Die dagegen gerichtete Klage des Mädchens hat das Gericht abgewiesen. Zur Begründung hieß es in der Entscheidung, dass das geltende Schulrecht einen von der Schülerin angestrebten Notenschutz nicht vorsieht. Die 13-Jährige könne sich auch nicht auf das grundrechtlich abgesicherte Benachteiligungsverbot für Behinderte berufen, denn die Schülerin wollte keine besondere Unterstützung durch die Lehrkräfte oder eine andere Unterrichtsorganisation erreichen.

Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) begrüßte die Entscheidung. „Das Gericht hat zu Recht darauf hingewiesen, dass ein Verzicht auf eine Leistungsbewertung im Fach Mathematik aus Gründen der Gleichbehandlung nicht möglich ist“, erklärte ihre Sprecherin. Schülern mit manifesten Rechenstörungen könnten besondere Unterstützung bekommen, Hilfsmittel wie Taschenrechner nutzen oder mehr Zeit bekommen.

Die Klage wurde aus einem weiteren Grund abgewiesen: Es sei auch gar nicht ersichtlich, dass ihre Versetzung gefährdet sei. In den übrigen Fächer hat die 13-Jährige Noten von 2,3 oder 4.

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