Peiner Familiendrama

Gerichtsmediziner: "Alles war voller Blut"

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Angeklagter im Gericht: Andreas S. verdeckt sein Gesicht.

Hildesheim - Sichtlich geschockt hat ein Gerichtsmediziner vor dem Hildesheimer Landgericht im Mordprozess gegen den Vater ausgesagt, der im Juni in Groß Ilsede seine vier Kinder getötet hat.

Zwölf Jahre war Andreas S. nach außen hin so etwas wie ein Traumpapa - bis er am Abend des 14. Juni seine vier Kinder tötete: Lio (5), Lean (7), Noah (9) und Pia (12). Im Mordprozess gegen den 37-Jährigen aus Groß Ilsede bei Peine schilderte der hannoversche Gerichtsmediziner Knut Albrecht, wie es im Haus des Angeklagten nach der Tat aussah: „Alles war voller Blut, vor allem im Kinderzimmer und im Schlafzimmer der Eltern.“ Das Blut einer der Jungen sei zudem in eine Steckdose geflossen und habe einen Stromausfall herbeigeführt, sodass im Haus alles dunkel war. Zuvor hatte Andreas S. seinen Kindern mit einem Teppichmesser die Kehlen durchschnitten, sie im Ehebett der Eltern nebeneinander aufgereiht und schließlich selbst Hand an sich gelegt. Neben den Kinderleichen lag ein Handy. S. hatte seiner Frau, die sich im Urlaub in Dänemark aufhielt, gegen 23 Uhr eine SMS geschickt: „Fünf Herzen haben aufgehört zu schlagen.“

Die drei Jungen starben offensichtlich im Schlaf, Pia dagegen wachte auf. Ihr Körper wies „Abwehrspuren“ auf, insgesamt elf Schnitte. Nicht nur wie bei den Brüdern im Halsbereich sondern auch an den Händen und Armen. Eine große Blutlache am Boden deutet darauf hin, dass sie außerhalb ihres Bettes starb. Bei der richterlichen Vernehmung hatte ihr Vater später ausgesagt, er habe ihr mit der einen Hand den Mund zugehalten und mit der anderen auf sie eingestochen. Der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl betonte, dass der Angeklagte auch im Fall seiner Tochter mit einer Verurteilung wegen Mordes rechnen muss. Da Pia im Unterschied zu ihren Brüder wach und damit nicht wehrlos war, hatte die Staatsanwaltschaft in ihrem Fall „nur“ Totschlag angeklagt.

Es ist mucksmäuschenstill, während der Mediziner weitere Details mitteilt. Der schmächtige Angeklagte hat vor sich auf dem Tisch die Hände gefaltet und kämpft mit den Tränen. Auch von seinen Verletzungen ist die Rede. Der Angestellte einer Autobahnmeisterei hatte sich die Pulsadern aufgeschnitten und Halsschnitte zugefügt. Regelrecht „zerfetzt“ sei der linke Unterarm gewesen, sagt der Gerichtsmediziner. Wären die Rettungssanitäter nur wenige Minuten später gekommen, wäre er verblutet. Eigentlich hätte er aufgrund der Verletzungen furchtbare Schmerzen haben müssen. Doch die Reihenhausnachbarn hörten keinen Laut. „So eine Schocksituation kann schmerzunempfindlich machen“, sagt der Mediziner. Schockierend war es offenkundig auch für alle, die zum Tatort gerufen wurden. Die Polizisten machten vor Gericht kein Hehl daraus.

Nachbar Florian B. war schon „aus allen Wolken gefallen“, als er von den Eheproblemen im Nebenhaus erfahren hatte. In den Augen des Ingenieurs war Andreas S. ein mustergültiger Ehemann. Und ein vorbildlicher Vater. „Bewundenswert, wie ruhig und geduldig er mit seinen Kindern umgegangen ist.“

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