Untersuchung zum Tod junger Matrosin

Was geschah auf der „Gorch Fock“?

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Kurz vor Mitternacht stürzte Jenny Böken 15 Kilometer vor Norderney in die Nordsee. Zwei Wochen später wurde ihre Leiche geborgen.

Rostock - Ortstermin in Rostock: Vor sechs Jahren starb die Matrosin Jenny Böken – nun untersucht ein Gericht den Fall erneut.

40.000 Euro Entschädigung. Das ist die Summe, auf die Uwe Böken und seine Ex-Frau Marlis die Bundesrepublik Deutschland vor dem Verwaltungsgericht Aachen verklagt haben. Aber um Geld geht es Uwe Böken zuallerletzt. Ihm geht es um die Wahrheit. „Ich möchte nur wissen: Was ist meiner Tochter in dieser besagten Nacht passiert?“, sagte er gestern kurz vor dem Ortstermin auf der „Gorch Fock“ in Rostock.

Seine Tochter, das war die Offiziersanwärterin Jenny Böken aus Geilenkirchen im Rheinland, die im August 2008 zum ersten Mal mit dem Marine-Schulschiff „Gorch Fock“ auf große Fahrt ging. Ein Foto, das er damals machte, zeigt sie beim Gang an Bord in Matrosenuniform, ein zurückhaltendes Lächeln auf den Lippen. Die besagte Nacht, das war die Nacht zum 4. September 2008, an dem sie 19 geworden wäre. Kurz vor Mitternacht stürzte Jenny Böken 15 Kilometer vor Norderney in die Nordsee. Zwei Wochen später wurde ihre Leiche geborgen. So viel ist sicher, aber mehr auch nicht.

Uwe und Marlis Böken haben schon viel versucht: Sie legten Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Kiel ein. Sie stellten den Antrag auf Wiederaufnahme der Ermittlungen. Sie stellten Strafanzeige gegen den Schiffsarzt und den Kommandanten wegen fahrlässiger Tötung. Sie strengten ein Klageerzwingungsverfahren an. Nichts davon hatte Erfolg. Zwei Beschwerden liegen noch beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das Verfahren am Verwaltungsgericht könnte die letzte Chance sein. Der Ortstermin in Rostock sei „ein erster Schritt in Richtung wirklicher Aufklärung“, sagte Uwe Böken gestern.

Die Kammer habe vor allem den vorderen Teil des Segelschulschiffes in den Blick genommen, teilte das Verwaltungsgericht Aachen am Mittwoch nach dem Termin mit. Auch die Eltern der Kadettin gingen an Bord und schienen ergriffen. Sie hätten aber keine Klarheit über die Todesumstände ihrer Tochter bekommen, stellten sie fest. Marlis Böken bedankte sich bei der Marine für die Auskünfte. „Das Gericht hat sich sehr ausführlich mit dem Postenausguck beschäftigt“, sagte ihr Anwalt, Rainer Dietz. Auch sei die Höhe der Reling gemessen worden. Die Verhandlung in Aachen ist am 22. Oktober geplant.

Hanno Kabel

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