Debatte im Landtag

Geschosse aus Gummi gegen den Wolf?

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Wölfe beunruhigen die Menschen in Niedersachsen.

Hannover - In Niedersachsen sorgt seit Wochen ein Wolf für Aufregung, der kaum Scheu vor Menschen zeigt. Über den richtigen Umgang mit dem Tier gibt es keine Einigkeit: Den Wolf einfangen und umerziehen reicht nicht aus, findet die Opposition im Landtag. Darauf setzte allerdings weiterhin die Landesregierung.

Abschießen oder umerziehen: Über den richtigen Umgang mit Wölfen ohne Scheu vor Menschen haben am Donnerstag die Abgeordneten im Landtag in Hannover gestritten. CDU und FDP warfen der rot-grünen Landesregierung vor, sie nehme die Sorgen der Menschen nicht ernst genug. Die Gefahr für die Bevölkerung in Niedersachsen durch umherstreifende Wölfe wachse, sagte der CDU-Abgeordnete Ernst-Ingolf Angermann. „Die Brisanz nimmt zu.“

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) entgegnete, die Regierung nehme die Sorgen der Menschen ernst, die um ihre Sicherheit oder mögliche wirtschaftliche Schäden bangten. In Niedersachsen lebten inzwischen rund 70 Wölfe. Im Nordwesten sorgte in den vergangenen Wochen ein verhaltensauffälliges Tier für Aufregung, das durch Wohnsiedlungen streifte und in der Nähe eines Waldkindergartens im Kreis Vechta gesichtet wurde. „Dieser Wolf hat sich Menschen gegenüber bisher unserer Erkenntnis nach nie aggressiv gezeigt“, sagte Minister Wenzel. Das Tier solle eingefangen, untersucht und durch unangenehme Reize so umerzogen werden, dass es sich künftig von Menschen fernhalte. „Nur, wenn es sich um einen gesunden wilden Wolf handelt, soll er wieder freigelassen werden“, sagte Minister Wenzel.

Dagegen kritisierte die CDU, dieses Vorgehen gleiche einem Feldversuch auf Kosten der Sicherheit der Menschen im ländlichen Raum. Ein Wiederaussetzen verhaltensauffälliger Wölfe sei unverantwortlich. Der FDP-Abgeordnete Gero Hocker forderte: „Wir werden dauerhaft nicht daran vorbeikommen, den Wolf ins Jagdrecht zu integrieren.“ Der Bestand der Tiere werde weiter wachsen. „Zu glauben, man könne den Wolf mit Gummigeschossen vergrämen, das wird nicht ausreichen“, sagte Hocker. „Wenn in meinem Heimatkreis Oldenburg durch Wohnsiedlungen und an Kindergärten der Wolf streift, dann ist das eine Bedrohung, da hat man einzugreifen“, sagte der CDU-Abgeordnete Ansgar-Bernhard Focke.

Von Ralf Krüger
 und Sigrun Stock

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