Kritik an neuer Methode der Ferkeltötung

Gesundheitsdienst warnt vor Seuchengefahr

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Foto: Die Reportage „Deutschlands Ferkelfabriken“ zeigt schockierende Bilder aus Schweineställen. Niedersächsische Verbände sprechen von Einzelfällen.

Hannover - Der Schweinegesundheitsdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen kritisiert die vorgeschrieben Methode der Ferkeltötung und warnt mit Blick auf einen neuen Erlass des Landwirtschaftsministeriums vor einer leichteren Übertragung von Seuchen.

Da nicht überlebensfähige Ferkel bis fünf Kilogramm anders als bislang durch Ausbluten getötet werden sollen, „haben wir große Bedenken, dass Seuchen leichter als bisher verschleppt werden“, sagte der Tierarzt und Leiter des Schweinegesundheitsdienstes Niedersachsen, Josef Schulte-Wülwer. Das Landwirtschaftsministerium nennt das Ausbluten nach vorangegangener Betäubung in seinem Erlass vom 3. Juli zur „Betäubung und Tötung von nicht überlebensfähigen Ferkeln“ hingegen ein „sicheres und gut zu kontrollierendes Verfahren“. Die Bedenken des Gesundheitsdienstes teile das Ministerium nicht, sagte Sprecher Klaus Jongebloed. „Wir haben alles intern mit den Fachleuten und Tierärzten in unserem Haus besprochen.“

Der Erlass regelt, unter welchen Umständen Ferkel überhaupt getötet werden dürfen. Das Ministerium forderte die Landkreise auf, Betriebe stichprobenartig zu kontrollieren. So solle sichergestellt werden, dass die Tiere nur getötet werden, wenn sie nicht überlebensfähig sind. Dass sie überzählig oder schwächlich seien, reiche nicht als Grund. Wenn eine Begründung vorliege, etwa weil die Ferkel Anomalien aufweisen, müssten sie, eben durch die vorangehende Betäubung, „tierschutzgerecht getötet“ werden.

Bislang habe ein Landwirt ein Ferkel zumeist durch einen harten Schlag ins Genick getötet, erklärte Schulte-Wülwer. Nun solle aus Gründen des Tierschutzes das Ferkel mit einem Hieb auf den Kopf lediglich betäubt und nach einer Kontrolle, ob der Schlag gewirkt hat, mit einem Halsschnitt getötet werden. „In diesem Fall beißen sich Tierschutz und Seuchenvorsorge“, sagte Schulte-Wülwer. „Und die Seuchenvorsorge wurde hinten angestellt.“

Krankheiten wie Schweinepest oder Maul- und Klauenseuche könnten durch Blutspritzer, die auf den Stiefeln oder dem Overall des Landwirts landen, auf andere Bestände übertragen werden, befürchtet der Veterinärmediziner. „Der Landwirt muss eigentlich seine Schuhe und seine Kleidung wechseln, wenn er den Schweinestall verlässt“, sagte Schulte-Wülwer. Aber das geschehe leider nicht immer. „Wenn er dann zum Nachbarn in den Stall geht, kann die Seuche über die Blutspritzer auf andere Schweine übertragen werden.“

Unterdessen nannte Landwirtschaftsminister Christian Meyer die Zustände in Ferkelfabriken, die in einer ARD-Reportage vom Montagabend aufgezeigt wurden, „barbarische Methoden“. Die Reportage „Deutschlands Ferkelfabriken“ hatte mithilfe von Filmen, die Tierschützer in Ställen aufgenommen hatten, unter anderem dokumentiert, wie Ferkel auf den Boden oder an Mauerkanten geschlagen und so getötet werden. Der Deutsche Tierschutzbund sieht Massentierhaltung und Produktion von Billigfleisch als Ursache für diese Zustände. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) mit Sitz in Damme (Kreis Vechta) kritisierte den Fernsehbericht als „nicht sachlich und neutral“. Die Bilder, die dort gezeigt wurden, seien „abschreckend und brutal“, sagte ISN-Sprecherin Jana Püttker. „Aber sie sind nicht beispielgebend für die ganze Branche, sondern Einzelfälle.“ Auch Tierarzt Josef Schulte-Wülwer und Heiko Janssen von der Landwirtschaftskammer sprachen von Einzelfällen.

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