App für Pilzsammler

Giftige Doppelgänger

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Duftet zart nach Honig – und tötet jedes Jahr etwa zehn Pilzsammler: der Grüne Knollenblätterpilz.

Berlin - Scharen von Menschen, die an diesem Wochenende in gebückter Haltung und mit vollen Körben durch die Wälder schlichen, künden von einer frühen und guten Pilzsaison. Viele Pilzsammler verlassen sich bei der Suche nach dem richtigen Pilz auf ihr Smartphone - und die Zahl der Erkrankungen steigt.

Die steigenden Temperaturen und die feuchte Witterung der vergangenen Tage haben sich als der ideale Treibsatz für Birkenpilz, Hexenröhrling und ihre schwammigen Verwandten erwiesen. Neu ist, dass sich zu den bekannten Pilzsucherutensilien - atmungsaktive Tragetasche, scharfes Messer, zeckenfeste Kleidung - das Smartphone gesellt hat. Mancher Hobbykoch versucht das fehlende Wissen um die richtige Röhre oder die falsche Lamelle mittels einer Pilz-App zu kompensieren. Das Angebot an digitalen Pilzberatern ist umfangreich, aber dafür, dass am Ende ein leckerer Fichten-Steinpilz und nicht ein giftiger Satans-Röhrling in der Pfanne landet, ist jeder Sammler selbst verantwortlich.

Und da ist die Technik offenbar ein schlechter Ratgeber: Das Giftinformationszentrum in Göttingen meldet eine steigende Zahl von Erkrankungen. Zudem habe sich die Zahl der Anrufe bei den Vergiftungsexperten in der vergangenen Saison im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Aus aktuellen Daten der Krankenkasse DAK geht hervor, dass gut 41 Prozent mehr Fälle im Krankenhaus behandelt werden mussten als 2012. Die meisten schweren Vergiftungen habe es erneut in Bayern gegeben - neun Pilzsammler landeten in Krankenhäusern. Aber auch Niedersachsen (sechs) und Nordrhein-Westfalen (vier) haben vordere Plätze in den Vergiftungscharts.

DAK-Ärztin Elisabeth Thomas warnt vor „giftigen Doppelgängern“. „Angelesenes Wissen aus Pilzforen im Internet reicht nicht aus, um Pilze sicher bestimmen zu können“, so die Ärztin. Besonders der Grüne Knollenblätterpilz, der im Inneren zart nach Honig duften kann, ist eine tödliche Mahlzeit. In jeder Saison sterben in Deutschland etwa zehn Menschen nach dem Genuss des Pilzes, den manche mit dem Champignon verwechseln. Experten raten deshalb, Pilze in einer Beratungsstelle prüfen zu lassen. Wer sich nicht sicher ist, sollte den Pilz entsorgen - oder gleich im Wald stehen lassen.

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