Tierschutz

Giftige Haustiere in Niedersachsen verboten

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Foto: Diese grüne Mamba ist eine Giftschlange und dementsprechend in Niedersachsens Wohnungen verboten.

Hannover - Die geplante Verordnung soll den Tierschutz bei Tierbörsen verbessern. Der Bund prüft nach einem Schlangenbiss-Vorfall in Nordrhein-Westfalen eine einheitliche Regelung.

Ein Schlangenbiss am Niederrhein hat eine bundesweite Debatte über gefährliche Haustiere ausgelöst. Ein 53-Jähriger war in Kerken vor einer Woche von seiner eigenen Puffotter in die Hand gebissen und lebensgefährlich verletzt worden. Jetzt prüft der Bund, ob die Gifttierhaltung einheitlich geregelt werden kann. Denn wer mit seinem Terrarium derzeit innerhalb Deutschlands umzieht, muss sich vorher genau informieren: In Nordrhein-Westfalen und Sachsen gelten zurzeit noch sehr lasche Regelungen, Hessen und Bremen dagegen haben den Tierhaltern strenge Grenzen gesetzt. „Niedersachsen liegt im guten Mittelfeld“, meint Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund.

In Niedersachsen sind Giftschlangen, giftige Skorpione und ähnlich gefährliche Tiere in Privathaushalten, anders als in Nordrhein-Westfalen, grundsätzlich verboten – die Landkreise können aber Ausnahmen zulassen. „Eine Meldepflicht und damit eine Übersicht gibt es nicht“, sagt eine Sprecherin von Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne). In einer Arbeitsgruppe mit dem Umweltministerium werde die Verordnung zu den exotischen Haustieren zurzeit überarbeitet. „Dabei stehen vor allem die Tierbörsen im Blickfeld.“

Bislang können die niedersächsischen Veterinärbehörden der Landkreise und kreisfreien Städte Ausnahmen vom Verbot der Haltung gefährlicher Tiere dann befristet genehmigen, wenn keine Gefahr für Dritte entsteht und Gegenmittel bereitstehen. „In anderen Bundesländern sind die Auflagen, an die eine Ausnahmegenehmigung geknüpft wird, deutlich höher“, sagt Tünte. So muss beispielsweise in Bremen der Halter einen Notfallplan aushängen und eine sachkundige Person benennen, die im Verhinderungsfall die verantwortliche Betreuung des Tieres übernimmt. In Niedersachsen seien zudem nicht tropische Giftspinnen wie Schwarze Witwen sowie andere Gefahrtiere wie Riesenschlangen gar nicht erfasst.

Längst nicht jeder Halter bringt ausreichende Sachkunde mit. Wie Vera Steder vom Tierschutzbund Niedersachsen berichtet, können viele Tierheime und Wildtierauffangstationen in Niedersachsen „ein Lied davon singen“. „Immer häufiger landen die Exoten als Fundtiere im Tierheim, nachdem sie zuvor möglicherweise ein trostloses Dasein in vollkommen ungeeigneter Haltung fristen mussten“, sagt Steder.

Auf Tierbörsen können Schlange, Skorpion und Co. oft für wenig Geld problemlos gekauft werden. Beliebt sind die Exoten wegen des Nervenkitzels, aber auch als Statussymbol. Bei den Tierbörsen will Niedersachsen nun den Tierschutz verbessern, insbesondere den Transport der Tiere und ihre Präsentation. „Hierzu zählt auch die Beratung und Information der Käufer über die Bedürfnisse der Tiere“, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium.

Das Bundesumweltministerium prüft den Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen, eine bundeseinheitliche Regelung einzuführen. „Seit rund 20 Jahren werden in Deutschland zunehmend entwichene oder ausgesetzte, nicht natürlich vorkommende Wildtiere gemeldet“, sagt eine Sprecherin. In Niedersachsen ging dies nach Einschätzung des Landwirtschaftsministeriums zumindest in letzter Zeit glimpflich aus. Um ausgerissene Schlangen kümmerte sich rechtzeitig die Feuerwehr.

Um was geht es?

Diese Tiere sind in Niedersachsens Wohnungen grundsätzlich verboten: Giftechsen giftige Skorpione tropische GiftspinnenGiftschlangen

Diese Tiere sind genehmigungspflichtig: echte Krokodile Kaimane Alligatoren Gaviale (eine vom Aussterben bedrohte Krokodilgattung) zahlreiche Arten von Affen, Bären und Großkatzen

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