Schwere Magen-Darm-Beschwerden

Giftzentrum warnt vor rohen Bohnen

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Foto: Das Gemüse sollte zehn bis 15 Minuten gekocht werden.

Göttingen - Das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen warnt dringend vor dem Verzehr roher Gartenbohnen. Seit Beginn der Bohnensaison bekommen die Giftexperten ungewöhnlich viele Anfragen von besorgten Anrufern, die nach dem Verzehr von rohen Bohnen über Magen-Darm-Probleme klagen.

„Zurzeit bekommen wir täglich ein halbes Dutzend Anfragen zu diesem Thema“, sagt der Giftexperte Dr. Andreas Schaper. Er arbeitet für die zentrale Giftinformationsstelle für die Bundesländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Die Göttinger Experten beantworten jährlich mehr als 35 000 Anfragen, meistens geht es dabei um akute Vergiftungsfälle.

Auslöser der teils erheblichen Beschwerden sind giftige Eiweißverbindungen (Phaseoline), die in den Bohnensamen enthalten sind. Schon der Verzehr von wenigen rohen Samen oder Schoten kann starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Beim Kochen werden diese giftigen Proteine, die häufig auch als „Phasin“ bezeichnet werden, zerstört. Gekochte Bohnen sind daher bekömmlich.

Seit einigen Wochen häufen sich die Anfragen, bei denen es nach dem Verzehr von rohen Gartenbohnen zu Vergiftungserscheinungen kam. Sowohl Erwachsene als auch Kinder seien betroffen gewesen, sagt Schaper. Zwei Fälle stuften die Experten als mittelschwere Vergiftungen ein, hier hielt das Erbrechen über mehrere Stunden an. „Manche reagieren sehr stark auf die giftigen Proteine, manche gar nicht“, sagt Schaper. Grundsätzlich rate man aber dringend vom Verzehr roher Bohnen ab.

Die Giftexperten empfehlen, Bohnen zu kochen und nicht nur zu erhitzen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine Temperatur von 80 Grad Celsius nicht ausreiche, um die giftigen Proteine komplett unschädlich zu machen. Im Übrigen verweist das Giftzentrum auf Zubereitungstipps des französischen Starkochs Paul Bocuse und des deutschen Gastrokritikers Wolfram Siebeck: Diese empfehlen für Brechbohnen und feinere Prinzessbohnen 15 Minuten Kochzeit, für die sehr dünnen Keniabohnen (Haricots verts) zehn bis 15 Minuten.

Das Giftinformationszentrum ist rund um die Uhr unter der Notrufnummer (05 51) 1 92 40 erreichbar. Weitere Informationen unter www.giz-nord.de.

von Heidi Niemann

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