Gymnasium oder Gesamtschule?

Göttingen hat den Schulstrukturstreit satt

Göttingen - Fast 90 Prozent der Schüler besuchen in Göttingen das Gymnasium oder eine Gesamtschule. Die alte Systemfrage stellt sich dort also nciht mehr. Dies haben Bildungsforscher in einer aktuellen Studie herausgefunden. Ziel fast aller Schüler ist das Abitur.

Der Weg führt für die meisten Schüler in Göttingen zum Abitur - meistens am Gymnasium, immer öfter aber auch an einer Gesamtschule. Bildungsforscher Peter Brammer hat herausgefunden, dass von den 9632 Schülern, die zuletzt die Jahrgänge fünf bis zehn besuchten, der Löwenanteil, nämlich 5316, eines der fünf städtischen Gymnasien besuchten. Weitere 2989 Schüler gingen zu den beiden Integrierten Gesamtschulen. Die anderen Schulformen erreichen jeweils nur Schülerzahlen von weit unter 1000, an erster Stelle stehen die Realschulen mit 578.

Die alte ideologische Systemfrage - Gymnasium oder Gesamtschule - stelle sich in Göttingen längst nicht mehr, sagt Brammer, der jetzt eine Studie zur Schullandschaft in Göttingen fertiggestellt hat. Im vergangenen Sommer lag der Anteil der Schüler in der Universitätsstadt, die Abitur gemacht haben, bei knapp 70 Prozent. Der Laufbahnempfehlung am Ende der Grundschulzeit kommt damit eine deutlich geringere Bedeutung zu als in anderen Städten.

Laut Brammer besuchen rund 440 Kinder mit einer Realschulempfehlung derzeit ein Gymnasium. Nur ein Bruchteil, 3,3 Prozent, wechselt bis zur zehnten Klasse auf eine Realschule. Auffällig sei, dass es an zwei Schulen kaum Absteiger gebe, heißt es in der Studie. Eine individuelle Förderung, professionelle Schulsozialarbeit, ein schülerfreundliches Klima helfen, auch schwächere Kinder am Gymnasium zu halten: „Das Vertrauen von Eltern und Schule in die Leistungsbereitschaft der Kinder bestätigt sich unabhängig von der Laufbahnempfehlung“, schreiben die Bildungsforscher.

„Der systembedingte Selektionscharakter des gegliederten Schulsystems ist durch die faktische Entwicklung in Göttingen für fast 90 Prozent eines Jahrgangs aufgehoben“, betont Brammer. Dies könne ein Modell für ganz Niedersachsen sein, empfiehlt der Wissenschaftler, zumal auch die Resultate stimmten.

Beim ersten landesweiten Zentralabitur 2007 waren gleich vier Göttingen Schulen, drei Gymnasien und eine IGS, unter den ersten zehn Plätzen von mehr als 320 Schulen insgesamt. Danach hat das Kultusministerium keine Ergebnisse mehr veröffentlicht. Aus internen Quellen sei bekannt, dass sich an dem positiven Trend bis heute nichts geändert habe, sagte Brammer. So wurde das landesweit beste Abitur 2010 an der IGS Göttingen-Geismar abgelegt, wo auch 2011 der Deutsche Schulpreis hinging.

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