Georgia Augusta

Göttinger Uni feiert 275. Geburtstag

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Foto: Die Göttinger Georgia Augusta wird 275 Jahre alt. Damit ist sie die älteste Universität Niedersachsens.

Göttingen - Niedersachsens älteste Universität, die Göttinger Georgia Augusta, feiert ihren 275. Geburtstag. Es gibt einen Festakt mit prominenten Politikern, Partys, Ausstellungen und - wie immer in Göttingen - Proteste.

Wenn die Universität Göttingen in dieser Woche ihr 275-jähriges Bestehen feiert, schummelt sie ein wenig. Die Party steigt zu früh. Denn die feierliche Inauguration, wie es damals hieß, wurde am 17. September des Jahres 1737 begangen. Diese kleine zeitliche Ungenauigkeit sei der Uni bewusst, sagt Präsidentin Ulrike Beisiegel. Es passe aber einfach besser, im Wonnemonat Mai zu feiern.

Zum Auftakt der Feierlichkeiten am Dienstag werden auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder erwartet, der in Göttingen Jura studiert hat. Beim Festakt wird sicher auch an Gerlach Adolph von Münchhausen erinnert. Den Gründer der Hochschule würde man heute wohl als weitsichtigen Manager bezeichnen.

Schon zwei Jahre vor Beginn des Göttinger Aufstiegs vom Provinznest zur Universitätsstadt mit Weltgeltung ließ er nämlich einen Reitstall bauen, um damit zahlungskräftige Adelige als Studenten zu gewinnen. Diese wiederum sollten mit ihrem Geld qualifizierte Professoren anlocken. Münchhausens Maßnahme hatte großen Erfolg. Reiche Studenten und Professoren kamen, allerdings auch wegen der damals in Deutschland einzigartigen Lehr- und Lernfreiheit.

Die blühende Universität wurde ein Jahrhundert später vom Rauswurf der „Göttinger Sieben“ hart getroffen. Die Professoren, unter ihnen die Brüder Grimm, hatten sich gegen die willkürliche Aufhebung des hannoverschen Staatsgründungsgesetzes durch König Ernst August im Jahr 1837 zur Wehr gesetzt und waren daraufhin entlassen worden.

Weltzentrum der Physik

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Göttingen zum Weltzentrum der modernen Physik durch Nobelpreisträger wie Max Planck, Werner Heisenberg, Max Born oder James Franck. Der Ruf als „Mekka der Naturwissenschaften“ wurde von den Nationalsozialisten dann allerdings zerstört. Mehr als 50 Göttinger Professoren, vor allem Naturwissenschaftler, fielen den „Säuberungen“ zum Opfer. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die Georgia Augusta noch 1945 als erste deutsche Hochschule ihren Betrieb wieder aufnehmen.

„Heute steht die Universität recht gut da“, sagt Präsidentin Beisiegel. „Wir sind Exzellenz-Universität und hoffen auch, dies zu bleiben.“ Die Chancen stünden gut. Für Göttingen spreche unter anderem, dass die Uni mit fast 170 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln für die Forschung deutschlandweit unter den „Top Ten“ rangiere. Die Entscheidung fällt Mitte Juni.

Nach dem Besonderen an Niedersachsens ältester Universität gefragt, antwortet die Präsidentin ohne zu zögern: „Wir haben hier den Göttingen Spirit.“ Daran seien neben der Universität auch die Max-Planck-Institute beteiligt. „Wir haben hier ein sehr lebendiges akademisches Klima. Praktisch ist die ganze Stadt ein Campus, was viele Wissenschaftler sehr genießen.“

Derzeit studieren an der Georgia Augusta mehr als 24.000 junge Menschen. Mit mehr als 7000 Beschäftigten sowie weiteren 7000 Mitarbeitern in der Universitätsmedizin ist die Hochschule der mit Abstand größte Arbeitgeber der Region.

Die geplante Jubelfeier zum 250. Bestehen der Universität vor 25 Jahren war aus Angst vor gewaltsamen Auseinandersetzungen abgesagt worden. Damals hatten rund 25 000 Studenten gegen die Einführung von Studiengebühren und gegen Sparmaßnahmen protestiert. Zwar sind auch für diesen Dienstag zwei Demonstrationen von Studenten angekündigt. Die Polizei rechnet aber nur mit wenigen hundert Teilnehmern.

dpa/sag

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