Prozessauftakt

Göttinger Hells Angels vor Gericht

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Foto: Alles muss raus: Razzia nach dem Verbot der Göttinger Hells Angels.

Göttingen/Kassel - Mehrere Mitglieder des verbotenen südniedersächsischen Rockerclubs „Hells Angels MC Charter Göttingen“ müssen sich jetzt vor Gericht verantworten. Sie sollen versucht haben, einen 60-Jährigen um 100.000 Euro zu erpressen. Die Vorwürfe waren offenbar Anlass für die Behörden, den Charter zu verbieten.

Drei Monate nach dem Verbot des Rockerclubs „Hells Angels MC Charter Göttingen“ beginnt jetzt der Prozess um die Geschehnisse, die offenbar Anlass für das Vereinsverbot waren. Angeklagt sind der 48-jährige Anführer des Rockerclubs, sein 51-jähriger Bruder sowie zwei 26  und 27  Jahre alte Probemitglieder (sogenannte Prospects). Die vier Männer müssen sich wegen des Verdachts der versuchten gemeinschaftlichen Erpressung und des Diebstahls vor dem Amtsgericht Kassel verantworten. Sie sollen im September 2014 versucht haben, von einem 60-jährigen Mann in Wahlsburg (Kreis Kassel) 100.000 Euro zu erpressen.

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Das niedersächsische Innenministerium hatte das im Oktober verhängte Vereinsverbot insbesondere auf die Ermittlungen zu diesem Fall gestützt. Demnach soll der Anführer der Göttinger Hells Angels den 60-jährigen Mann angerufen und von diesem „Schadensersatz“ für vereinsschädigendes Verhalten gefordert haben. Später soll er ihn gemeinsam mit den drei Mitangeklagten aufgesucht und bedroht haben.

Das Innenministerium folgerte daraus, dass die mutmaßlichen Taten im Vereinsinteresse begangen wurden, und hatte deshalb den Verein verboten. Der 48-jährige Anführer des Rockerclubs hat bereits diverse Vorstrafen, unter anderem wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung.

Der Kampfsportler gehörte in den Neunzigerjahren zum Umfeld des Neonazi-Anführers Thorsten Heise. Später betrieb er in Göttingen eine Tabledance-Bar. In den vergangenen Jahren fiel er vor allem durch seine Hells-Angels-Aktivitäten auf.

Rockerclub klagt gegen Verbot

Nach den Erkenntnissen der Polizei wurde der Göttinger Ableger des Motorradclubs im Herbst 2011 gegründet. Im Oktober 2012 erhielt die Ortsgruppe den „Full Charter“-Status und war somit als vollwertiges Mitglied des Rockerclubs anerkannt. Viele der insgesamt 15 Mitglieder seien bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten, sagt die Sprecherin der Polizeidirektion Göttingen, Margret Reinecke. Der südniedersächsische ­Rockerclub spielte auch überregional eine Rolle.

So organisierten Clubmitglieder im vergangenen Jahr vier sogenannte German Officer Meetings der Hells Angels in dem Dorf Güntersen, an denen bis zu 120 Führungsmitglieder aus allen Teilen des Bundesgebietes teilnahmen. Die Treffen hatten für erhebliche Unruhe in der Bevölkerung gesorgt. Mit dem Vereinsverbot wurde diesen Aktivitäten ein Riegel vorgeschoben. Ob das Verbot rechtmäßig war, muss demnächst das Oberverwaltungsgericht Lüneburg entscheiden. Dort sind zwei Klagen des Rockerclubs anhängig.

Von Heidi Niemann

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