Nach Erdbeben in Nepal

Göttinger Studenten sind wohlauf

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Foto: Helfer suchen nach Erdbeben-Opfern unter eingestürzten Gebäuden in Kathmandu.

Kathmandu - Nach dem schweren Himalaya-Erdbeben steigt die Zahl der Todesopfer weiter. Mehr als 3200 Leichen wurden geborgen. Auch eine Studentengruppe aus Göttingen befand sich zur Zeit des Bebens auf Exkursion in Nepal. Die Universität hat inzwischen wieder Kontakt zu den Studenten, unter denen es lediglich Leichtverletzte gibt.

Nach dem verheerenden Himalaya-Erdbeben haben die Helfer in Nepal und Indien bislang mehr als 3200 Leichen geborgen. Mindestens 18 Menschen starben am Mount Everest, wo eine gewaltige Lawine über das Basislager hinwegfegte. Große Teile der Infrastruktur Nepals und viele Häuser wurden zerstört. Die Behörden sprachen am Sonntag von Tausenden Verletzten. Und sie fürchteten, dass die Zahl der Toten weiter steigen werde. Nepal war am Vortag von einem Beben der Stärke 7,8 erschüttert worden. Auch in den umliegenden Ländern China, Indien und Bangladesch starben Menschen, als ihre Häuser über ihnen zusammenfielen. Am Sonntag erschütterte ein heftiges Nachbeben die Region.

Wieder Kontakt zu Göttinger Studenten

Auch eine Gruppe von 15 Studenten aus Göttingen befand sich zur Zeit des Bebens auf Exkursion in Nepal. Nachdem der Kontakt zwischen der Gruppe und der Universität zwischenzeitlich abgebrochen war, ist jetzt bekannt, dass die Studenten wohlauf sind. Das berichtet das Göttinger Tageblatt online. Nach Auskunft vonThomas Richter, Sprecher der Göttinger Universität, wartet dieGruppezurzeit im Gelände auf den Rücktransport nach Katmandu.Die Göttinger campieren in einem engen Tal, dort sollen sie sobald wie möglich mit einem Helikopter abgeholt werden. Einige der Göttinger hätten leichte Verletzungen erlitten, konnten aber laufen. Richter hat über den Reiseveranstalter am Sonntagnachmittag der Tour Kontakt zu der Gruppe aufgebaut. Richter weiter: "Die Geografen befinden sich auf einer Exkursion im Erdbebengebiet und wurden auf ihrem Weg vom Tsum Valley nach Arughat Bazar, nordwestlich von Kathmandu, von dem Beben überrascht." Detaillierte Informationen fehlten aber derzeit noch, da die Kommunikationseinrichtungen in Nepal nur eingeschränkt funktionieren.Die Studierendenwerden von dem Professor und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Geographie und Hochgebirgsgeomorphologie begleitet.Die Exkursion nach Nepal ist Teil der Ausbildung.

Notstand ausgerufen

Nepal hat den Notstand in den betroffenen Gebieten ausgerufen, in denen nach UN-Angaben 6,6 Millionen Menschen leben. Die Krankenhäuser und Leichenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen. Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.Zum Zeitpunkt des Lawinenunglücks hielten sich nach offiziellen Angaben etwa 1000 Bergsteiger und Träger am Mount Everest auf. Die Leichen im Basislager seien von einem Expeditions-Team der indischen Armee gefunden worden, erklärte diese. Nach Angaben der Polizei in Lukla klärte sich das schlechte Wetter am Morgen auf und Helikopter konnten ins Basislager starten. 61 Verletzte seien ins Tal gebracht worden.

Derzeit ist die Hauptsaison am 8848 Meter hohen Berg in vollem Gange. Nach Angaben von Expeditionsleitern und Angehörigen sind unter den Toten am Mount Everest ein Australier, ein US-Amerikaner und ein Chinese. Der Bergsteiger Alex Gavan berichtete aus dem Basislager, die Helikopter brächten derzeit Seile und Eisschrauben in die höher gelegenen Camps. Dort säßen viele Bergsteiger fest, da die Aufstiegsroute zerstört sei, schreibt er auf seiner Homepage.

Die meisten Menschen in Nepals Hauptstadt Kathmandu verbrachten die Nacht im Freien, eingewickelt in Decken gegen die Himalaya-Kälte. Tausende haben ihre Häuser verloren oder fürchten sich, in die Gebäude zurückzukehren. Laut Augenzeugen zitterte die Erde 24 Stunden nach dem ersten Beben noch immer. Selbst der Präsident Ram Baran Yadaf habe in einem Zelt geschlafen, sagte sein Sprecher in einem lokalen Radio. Am Sonntag kam es zu einem heftigen Nachbeben, das laut US-Erdbebenwarte eine Stärke von 6,7 hatte.

Länder aus aller Welt schickten Flugzeuge mit Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Medikamente und Kommunikationsgeräten. Allein der große Nachbar Indien flog 43 Tonnen Material ein, darunter Zelte und Wasser. Auch mehrere Helikopter wurden zur Verfügung gestellt.

Aus Deutschland machten sich ebenfalls Helfer auf den Weg. Millionenbeträge verschiedener Regierungen und von Google sollen ebenfalls die Not lindern helfern.

Fast nirgendwo in Kathmandu gab es Strom, manche Menschen halfen sich mit Solarlampen. „Wir laden unsere Handys an Autobatterien auf“, sagte Alina Shrestha von World Vision, die selbst betroffen ist. Etwa 30 Nachbarn hätten die Nacht in Zelten in ihrem Hof verbracht. Sie höre Helikopter, aber Soldaten oder Polizisten habe sie in ihrem Stadtviertel noch nicht gesehen.

Wie es in vielen abgelegenen Städte und Dörfern in dem Himalaya-Land aussieht, war zunächst kaum zu überblicken. Das Dorf Barmak, unter dem das Epizentrum des Bebens lag, sei fast vollständig zerstört, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. „Ich habe meine Angehörigen und alle meine Nachbarn verloren“, sagte eine Frau auf Jaybageshwari einem örtlichen Radiosender. „Kann jemand, der überlebt hat, uns helfen? Wir haben weder Essen noch Kleidung. Alles ist weg.“

Hilfsorganisationen riefen die Menschen in Deutschland zum Spenden auf. Care etwa plant, bis zu 75 000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor packt Verbands- und Nahtmaterialien, chirurgisches Besteck, Schmerzmittel, Antibiotika und Spritzen für seine Partner.

Übersicht: Die schwersten Beben seit 1900

Stärke 9,5 in Chile, Mai 1960, 1655 Tote.

Stärke 9,2 in Alaska (USA), März 1964, 125 Tote

Stärke 9,1 vor Sumatra (Indonesien), Dezember 2004, mit Tsunami etwa 230.000 Tote

Stärke 9,0 vor der Ostküste Japans, März 2011, mit Tsunami rund 15.800 Tote

Stärke 9,0 in Kamtschatka (Russland), November 1952, keine Toten

Stärke 8,8 in Chile, Februar 2010, 524 Tote

Stärke 8,8 in Kolumbien und Ecuador, Januar 1906, 1000 Tote

Stärke 8,7 in Alaska (USA), Februar 1965, keine Toten

Stärke 8,6 in Assam (Indien), August 1950, 1526 Tote

Stärke 8,6 auf Sumatra (Indonesien), März 2005, 1313 Tote

Das Erdbeben in Nepal hat die Stärke 7,9 erreicht.

dpa

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