Tonstudio für Grammys nominiert

Der goldene Klang

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Die Stockfisch-Tonmeister Günter Paul (l.) und Hans-Jörg Maucksch.

Northeim - Das Tonstudio Stockfisch Records aus Northeim ist für einen Grammy nominiert. Mit dem Album „Epics of Love“ der chinesischen Starsängerin Song Zuying will das Northeimer Tonstudio Stockfisch Records am 8. Februar in Los Angeles den Preis für das beste Surround-Sound-Album gewinnen.

Mit einem Knopfdruck verwandelt sich der Gewölbekeller des Northeimer Herrenhauses in einen Konzertsaal. Aus drei mannshohen Lautsprechern tönt das Spiel eines Orchesters. Zwei kleinere Boxen ergänzen die Musik mit fremden Klängen von typisch fernöstlichen Instrumenten wie Banhu oder Schlangenhautgeige. Dann hebt die Stimme der chinesischen Starsängerin Song Zuying an - und der Zuhörer hat das Gefühl, direkt vor der Bühne zu stehen.

Mit dieser Aufnahme will das Northeimer Tonstudio Stockfisch Records am 8. Februar in Los Angeles den Grammy für das beste Surround-Sound-Album gewinnen. Der Grammy ist die weltweit wichtigste Auszeichnung für Musik und wird in 88 Kategorien vergeben. Die Konkurrenz in der Kategorie der Mehrkanal-Alben ist schier übermächtig: Unter den fünf ebenfalls nominierten Alben sind die Jubiläumsausgabe des Pink-Floyd-Epos „The Division Bell“ und das neue Werk des R’n’B-Superstars Beyoncé. Doch die Tonmeister aus der südniedersächsischen Kleinstadt lassen sich nicht entmutigen. Hans-Jörg Maucksch und Günter Pauler hoffen auf den Außenseiterbonus.

Ungewöhnlich ist ihr Album „Epics of Love“ tatsächlich. In Zusammenarbeit mit einer chinesischen Produktionsfirma produzierte Stockfisch Records in Peking die Vertonung von traditionellen chinesischen Liebesgedichten - die in der dortigen Kultur etwa den Status von Shakespeares Dramen haben. Für dieses Projekt schien nur das Beste gut genug zu sein. Sängerin Song Zuying ist die chinesische Helene Fischer, und das China Philharmonic Orchestra gilt als eines der besten Orchester in Asien. Zudem sollten die Aufnahmen eigentlich im berühmten National Center for the Performing Arts gemacht werden, doch das wollten die Tonmeister nicht. „Da war der Raumklang nicht schön“, sagt Pauler. Also baute er mit seinem Team die Technik im plüschigen Sendesaal des China Radio auf.

Nach den Aufnahmen waren die Chinesen so begeistert, dass sie der deutschen Plattenfirma vorschlugen, das Album doch bei den Grammys einzureichen. „Auf diese Idee wären wir vorher nie gekommen“, sagt Pauler. Doch der Vorschlag stellte sich als goldrichtig heraus: Die Grammy-Jury nominierte „Epics of Love“ sofort für die 57. Ausgabe der Verleihungen. Natürlich werden Maucksch und Pauler in Los Angeles dabei sein, wenn die Gewinner gekürt werden. „Vielleicht haben wir ja tatsächlich eine Chance“, sagt Maucksch. Immerhin sei die Platte für amerikanische Ohren etwas Besonderes.

Doch enttäuscht wollen die Tonmeister nicht sein, wenn sie das goldene Grammofon nicht nach Northeim bringen können. „Schon die Nominierung zählt bei Szenekennern als Gradmesser für herausragende Arbeit, und wir haben die Möglichkeit, neue Partner und Musiker kennenzulernen“, meint Maucksch.

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