Hafenerweiterung

Grafschaft Bentheim will vom Rotterdamer Hafen profitieren

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Nach der Eröffnung des JadeWeserPorts soll auch der Rotterdamer Hafen erweitert werden.

Coevorden - Der JadeWeserPort in Wilhelmshaven ist eröffnet. Im Westen Niedersachsens schaut man aber auch auf Rotterdam, dem größten europäischen Seehafen, der sich deutlich vergrößern will.

Nach der großen weiten Welt sieht es hier nicht gerade aus: Ein paar Industrieanlagen, einige Gewerbehallen, ein Kanal, Wiesen, Felder und Kühe. Zur beschaulichen Stimmung passen ein paar Touristen, die in einigem Abstand radelnd die grüne Grenze zwischen den Niederlanden und Niedersachsen zwischen den Örtchen Coevorden und Emlichheim erkunden. Aber: Mit etwas Glück könnte hier in einigen Jahren eine Art Außenstelle des Welthafens Rotterdam entstehen, ein Hafen auf dem Trockenen.

Beim Stichwort Tiefwasserhafen fällt den meisten Menschen in Niedersachsen und Bremen der gerade eröffnete JadeWeserPort ein. In der Grafschaft Bentheim sind Politik und Wirtschaft mindestens ebenso auf die Expansion des größten europäischen Hafens Rotterdam fokussiert. Im nächsten Jahr soll dort die Hafenerweiterung Maasvlakte 2 fertig sein. Damit wird die Umschlagskapazität von derzeit 11 Millionen Container (TEU) auf 18 Millionen im Jahr erweitert.

Darin sieht Joachim Berends Chancen für die Region. Er ist sowohl Chef der Bentheimer Eisenbahn als auch des deutsch-niederländischen Gemeinschaftsunternehmens Euroterminal Coevorden. Dieses Terminal liegt direkt auf der Grenze der niederländischen Gemeinde Coevorden und der Samtgemeinde Emlichheim. Beide Kommunen betreiben das Gewerbegebiet Europark.

"Wir wollen bis 2020 neben Venlo einer der zwei bedeutenden Railterminals für den Rotterdamer Hafen werden", sagt Berends. Damit könne nicht nur das Rhein-Ruhrgebiet vom Umschlag mit den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen (Ara-Häfen) profitieren, sondern auch Niedersachsen.

Zumindest die Niederländer richten sich darauf ein, einen ordentlichen Happen vom Wachstum der Seehäfen abzubekommen. So arbeiten die Gemeinden Emmen und Coevorden gemeinsam mit der Provinz Drenthe darauf hin, die Region zu einem logistischen Zentrum mit Dienstleistern und entsprechender Infrastruktur für die niederländischen und auch für die deutschen Häfen zu machen.

Berends möchte, dass auch Niedersachsen einsteigt. „Jeder Hafen ist nur so profitabel, wie er für die Redereien günstige Liegezeiten vorhalten kann", sagt er. Mit anderen Worten: Die Waren müssen schnell rauf und runter von den Schiffen und vom Hafen weggebracht werden. Die zolltechnische Behandlung oder eine Weiterverarbeitung der Waren könnten die Hinterlandterminals übernehmen, und darin liege die Chance des Euroterminals, auch mit Blick auf Arbeitsplätze in der Region, meint Berends. Ausbaumöglichkeiten gebe es genügend.

Aber auch Niedersachsen müsste etwas für den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur tun - etwa mit der Beseitigung eines „Flaschenhalses" auf der Güterzugstrecke in Richtung Hannover bei Minden. Die Niederländer erwarteten das auch, so Berends. Da sei aber wohl noch Überzeugungsarbeit in der Landeshauptstadt notwendig. „Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass die Dimension dieses Standorts in Hannover erkannt wird", beklagt der Eisenbahn-Chef.

Allerdings ist der Logistik-Experte Prof. Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik skeptisch, ob das Wachstum der Seehäfen tatsächlich für mehr Jobs im Hinterland sorgt. Neben den reinen Logistik-Funktionen werde es seiner Ansicht nach bei den Hinterlandhäfen eher wenig zusätzlich Wertschöpfung, etwa im Produktionssektor, geben. „Ausschließen will ich das nicht, aber ob das große Potenziale birgt, da habe ich meine Zweifel."

Zumindest beim Rotterdamer Hafen sieht man den Wettbewerb unter den Kommunen in den Niederlanden für neue Hinterlandterminals positiv. Es gebe in dem Bereich durchaus Konkurrenz, sagt Minco van Heezen aus der Pressestelle des Hafens. „Je mehr Bewerber, desto besser für Rotterdam." Der Güterverkehr flösse sicherlich auch durch Niedersachsen. „Wesentlich für uns ist, dass da keine deutsch-niederländische Grenze besteht."

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