Flurneuordnung

Grenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wird korrigiert

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Foto: Die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern muss in einem Vogelschutzgebiet korrigiert werden.

Hannover - Ein Fall für zwei Regierungen: Im Osten von Niedersachsen wird die Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern korrigiert – und das kleine Amt Neuhaus profitiert davon.

Schon beim Ort der Handlung müssen manche passen: Wer kennt das Amt Neuhaus? Es geht um jenen Teil vom Landkreis Lüneburg, der jenseits der Elbe liegt. Hier tritt ein Flurbereinigungsverfahren in eine entscheidende Phase. Ackerland, Wälder und Wiesen werden präzise vermessen und neu aufgeteilt, damit größere Parzellen entstehen, die kostengünstiger bewirtschaftet werden können. Landauf, landab gehen solche Flurneuordnungen ziemlich geräuschlos über die Bühne. Nicht so im Amt Neuhaus. Dort beschäftigt das Verfahren in den Dörfchen Tripkau und Wehningen jetzt die Landesregierungen in Hannover und Schwerin. Der Grund: Wenn zwischen Tripkau und Vielank (Kreis Ludwigslust-Parchim) alles sinnvoll zum Abschluss gebracht werden soll, muss die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern in einem Vogelschutzgebiet auf mehreren Kilometern korrigiert werden.

Die Landesregierung in Hannover ist dazu bereit. Kein Wunder, denn Niedersachsen gewinnt dabei, das Land wächst um mehr als vier Hektar. Mecklenburg hingegen wird ein klein wenig kleiner werden.„Das ist eine sinnvolle Sache“, sagt Joachim Oehlke vom Landgut Tripkau, das die betroffenen Ackerflächen bewirtschaftet. Jetzt werde nur in den Akten nachgeholt, was zu DDR-Zeiten der Landschaft angetan worden sei. Um die Felder ertragreicher bewirtschaften zu können, sei damals ein neuer Entwässerungsgraben ausgehoben worden – ziemlich schnurgerade und ohne Rücksicht auf bestehende Eigentumsverhältnisse, auch alte Landkreisgrenzen seien nicht beachtet worden. Anschließend sei der seit 1689 bestehende, kurvenreiche Grenzgraben in Vergessenheit geraten und allmählich aus der Landschaft verschwunden. „Wenn das Flurbereinigungsverfahren abgeschlossen ist“, sagt Oehlke, „haben wir hier wieder klare Verhältnisse, dann ist der neue Graben auch wieder ein Grenzgraben“.

Die Grenzkorrektur in Tripkau ist nicht der erste Fall, mit dem das Amt Neuhaus der Landesregierung in Hannover besondere Zuwendung abverlangte. Gleich nach dem Ende der DDR erinnerten sich viele Menschen daran, dass sie seit Jahrhunderten zum Kreis Lüneburg gehörten und nur durch eine Arglosigkeit des britischen Feldmarschalls Bernard Montgomery der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen worden waren. Der Drang zurück nach Niedersachsen war so groß, dass das Kabinett von Gerhard Schröder 1993 ein Einsehen hatte und den Landkreis Lüneburg um rund 6000 Einwohner auf der rechten Elbseite vergrößerte. Mit großem Jubel wurde damals im Amt Neuhaus gefeiert, für die neuerliche Grenzkorrektur ist noch kein Festakt geplant.

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