Streit mit Fotografen

Grönemeyer wehrt sich gegen Prügel-Video

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Herbert Groenemeyer bei der Präsentation seines neuen Albums 'Dauernd Jetzt' im Grill Royal.

- Herbert Grönemeyer hält nichts davon, allzu oft in den Medien aufzutauchen - es sei denn, es geht um seine Musik. In den vergangenen Wochen allerdings vermischte sich das eine auf unvorhersehbare Weise mit dem anderen.

Zum einen stellte der Sänger seine neue Single „Fang mich an“ in der Sendung „Schlag den Raab“ vor. Um Schläge ging es dann auch in einer anderen Meldung, die in den vergangenen Tagen die Runde machte: In mehreren Boulevardmedien war ein Video zu sehen, das angeblich den Sänger dabei zeigte, wie er vermeintlich mit einer Tasche nach einem Fotografen schlägt.

Nun hat sich Grönemeyer, das vermeldete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ am Sonnabend in seiner jüngsten Ausgabe, erfolgreich gegen die Verbreitung des Videos gewehrt. Das Landgericht Köln hat verfügt, dass Bild.de den Film nicht mehr zeigen darf.

Tatsächlich gibt es zwei sehr unterschiedliche Auslegungen des Vorfalls. Unstrittig ist bisher nur, dass der Musiker vor Weihnachten am Flughafen in Köln/Bonn mit einem Fotografen und einem Kameramann aneinandergeraten war. Das Video, das im Internet zu sehen war, soll den Sänger gezeigt haben, wie er mit seiner Umhängetasche nach dem Fotografen schlägt. In dem Film soll Grönemeyer „Fuck off, fuck off, ich bin privat hier, du Affe!“ gerufen haben. Der Kameramann soll gerufen haben: „Ich hab Sie, Herr Grönemeyer.“

Grönemeyers Anwalt ließ daraufhin mitteilen, sein Mandant und dessen Familie seien „in einem rein privaten Moment am Flughafen massiv verfolgt und bedrängt“ worden. „Ich bin in eine Falle gegangen“, sagt der heute wohl bedeutendste deutsche Sänger der „Süddeutschen Zeitung“. Er gibt an, von dem Fotografen bewusst in diese Situation gelockt und provoziert worden zu sein.

Grönemeyer gibt an, dass er weder die Kamera noch den Mann geschlagen, sondern versucht habe, „die Fotografen körperlich wegzudrängen“, heißt es in einer Mitteilung von Grönemeyers Anwalt, aus der mehrere Medien zitierten. Als der Fotograf auf seinen Sohn zugegangen sei, habe er seine Tasche geschwungen - in der sich, laut seinen Angaben, lediglich eine Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“ befunden habe. Der Fotograf, so Grönemeyer, habe sich daraufhin absichtlich zu Boden fallen lassen. Der Kameramann habe diese Szene bewusst gefilmt.

Grönemeyers Darstellung klingt glaubhaft, wenn man die Anzahl der Fälle, in denen Prominente von Paparazzi in den vergangenen Jahren bedrängt worden sind, berücksichtigt.

Das Geschäft mit den Bildern von Stars und Sternchen ist härter geworden. Zwar verspricht der Markt noch immer gutes Geld für Aufnahmen Prominenter. Allerdings ziehen zahlreiche Gerichtsurteile die Privatsphäre Prominenter immer enger. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) aus dem Jahr 2007 beispielsweise rechtfertigt die bloße Befriedigung der Neugier des Publikums private Urlaubsaufnahmen Prominenter noch lange nicht - es sei denn, sie stützen die Meinungsbildung zu Fragen von allgemeinem Interesse. Auch Grönemeyer war im selben Jahr schon einmal gegen die Veröffentlichung von Urlaubsbildern vorgegangen. Der BGH untersagte damals die Verbreitung von Fotos, die den Künstler und eine Freundin beim Spaziergang in St. Tropez zeigten.

Der Springer-Verlag will nach Recherchen des „Spiegel“ nun gegen die Entscheidung des Landgerichts vorgehen. Experten gehen davon aus, dass die einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln grundsätzlichen Charakter bekommen könnte, wenn diese auch in den nächsten Instanzen Bestand hat. Die Verbreitung von Bildmaterial aus Situationen, in denen ein von Paparazzi verfolgter Prominenter ausrastet, weil er fotografiert oder gefilmt wird, könnte dann ebenfalls nicht mehr möglich sein.

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