Acht Tote bei Großbrand

Großfamilie stirbt bei Flammeninferno in Backnang

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Die Feuerwehr hatte Unterstützung aus umliegenden Städten angefordert. Insgesamt waren mehr als 100 Einsatzkräfte vor Ort.

Backnang - Fast eine ganze Großfamilie stirbt im schwäbischen Backnang in einem Flammeninferno. Die Opfer stammten aus der Türkei. Einsatzkräfte, Angehörige und Nachbarn sind tief erschüttert. Unterdessen wird Kritik am Vermieter laut.

Acht Angehörige einer Großfamilie sind bei einer Brandkatastrophe im schwäbischen Backnang gestorben. Bei den Opfern handele es sich nach ersten Erkenntnissen um eine 40 Jahre alte Mutter türkischer Herkunft und sieben ihrer zehn Kinder im Alter von sechs Monaten bis 16 Jahren, sagte ein Polizeisprecher. Die Leichen seien im ersten Obergeschoss eines Gebäudekomplexes gefunden worden. Dort war das Feuer in der Nacht zu Sonntag ausgebrochen. Die Polizei geht davon aus, dass die Katastrophe wohl auf keinem fremdenfeindlichen Hintergrund beruht. „Ein technischer Defekt im Gebäude ist am wahrscheinlichsten“, sagte der leitende Kriminaldirektor Ralf Michelfelder am Montag in Backnang. Laut einem Polizeisprecher konzentrieren sich die Ermittler bei ihren Untersuchungen nun auf die Hauselektrik. Michelfelder sagte, derzeit gebe es keine Anhaltspunkte für andere Brandursachen. Man ermittele dennoch in alle Richtungen.

Drei Menschen - vermutlich ein elf Jahre alter Sohn, dessen Onkel und Großmutter - konnten die Einsatzkräfte von einer Art Balkon retten. Sie kamen in Krankenhäuser. Retter betreuten rund 50 Familienangehörige und Bekannte. Der Vater der Kinder war laut Polizei zum Zeitpunkt des Unglücks nicht in dem Gebäude. Zwei Töchter seien bereits von zu Hause ausgezogen gewesen.

Der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu, kam mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zum Unglücksort. Der Regierungschef sagte: „Wir sind sehr betroffen und erschüttert angesichts dieser Katastrophe, die diese große Familie und unser Land heimgesucht hat. Ich will allen Angehörigen und der ganzen türkischen Gemeinde mein herzliches Beilied auch im Namen der baden-württembergischen Landesregierung und des baden-württembergischen Volkes aussprechen“. Die Tragödie erinnere ihn an den Brand in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt, bei dem Ende November 14 Menschen gestorben waren.

Der türkische Generalkonsul in Stuttgart, Mustafa Türker Ari, und Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD) kamen auch nach Backnang, das in der Nähe von Stuttgart liegt. Gall sagte: „Die Rettungskräfte haben getan, was sie tun konnten.“ Dennoch gingen sie mit dem Gefühl nach Hause, nicht allen geholfen haben zu können.

Der Brand war in einem Häuserkomplex ausgebrochen. Die Flammen erfassten vom ersten Obergeschoss aus schnell die Etage darüber. Nach ersten Angaben starben die Opfer im Schlaf- und Kinderzimmer an Rauchvergiftungen und verbrannten dann. „Wir gehen davon aus, dass die Familie im Schlaf überrascht wurde“, sagte der Polizeisprecher.

Die genaue Ursache für das Feuer war zunächst unklar. Infrage kommt laut Polizei ein technischer Defekt an dem Ofen. Denkbar seien aber auch andere Auslöser. Der Sprecher betonte, Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Anschlag oder Brandstiftung gebe es nicht. „Die Ermittlungen in diesem Zusammenhang dauern mit Sicherheit noch einige Tage, wenn nicht Wochen“, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Der Sachschaden ist mindestens sechsstellig. Kretschmann im schwarzen Anzug mit dunkler Krawatte warnte vor Spekulationen: „Wir wissen nichts Genaues.“ Nun sei abzuwarten, was die Fachleute herausfinden.

Gegen 4.30 Uhr hatten vermutlich Besucher einer benachbarten Disco die Rettungskräfte alarmiert. Beim Eintreffen der Feuerwehr schlugen die Flammen schon aus den Fenstern, berichtete ein Sprecher. Die Anlage ist eine frühere Lederfabrik und besteht aus mehreren Gebäuden, die miteinander verbunden sind. 13 Menschen waren in den beiden hauptsächlich betroffenen Wohnungen gemeldet, sagte der Polizeisprecher. Rauch drang auch in andere Teile der Anlage. Wegen der komplizierten Bauweise und viel verarbeitetem Holz seien die Löscharbeiten kompliziert gewesen, erläuterte der Feuerwehrsprecher. Die Feuerwehr hatte Unterstützung aus umliegenden Städten angefordert. Insgesamt waren mehr als 100 Einsatzkräfte vor Ort.

Erst am Vormittag war das Feuer gelöscht. Bis die Leichen aus dem Haus transportiert werden konnten, vergingen weitere Stunden. Der Oberbürgermeister der 36 000 Einwohner zählenden Stadt, Frank Nopper (CDU), sprach von einem „tragischen Brandereignis“. „Unsere tief empfundene Anteilnahme gilt allen Angehörigen.“ Vor dem Anpfiff zum Bundesligaspiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV wurde den Todesopfern der Katastrophe mit einer Schweigeminute gedacht.

Die Regierung in Ankara forderte eine vollständige Untersuchung. Die Türkei sei in Trauer, schrieb der türkische Vizeregierungschef Bekir Bozdag über den Kurznachrichtendienst Twitter. „Von Deutschland erwarten wir, den wahren Grund des Brandes ohne Platz für Zweifel aufzuklären und der Öffentlichkeit mitzuteilen“, twitterte Bozdag.

Im Untergeschoss der Anlage mussten in der Nacht zwei Gaststätten evakuiert werden, die bei Ausbruch des Feuers noch gut besucht waren, wie der Feuerwehrsprecher berichtete. Im Erdgeschoss des Gebäudes ist auch ein Deutsch-Türkischer Kulturverein untergebracht.

dpa/dapd/r.

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