Prozessauftakt in Verden

Gymnasiast wegen Mordes vor Gericht

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Foto: Blumen, Kerzen und kleine Briefchen vor dem Getränkemarkt in Rethem bei Soltau nach einem tödlichen Raubüberfall auf einen Getränkemarkt, bei dem eine 23-jährige Frau erstochen wurde.

Verden - Die Tat erschütterte vor einem halben Jahr die Menschen nicht nur im Heidekreis: In einem Getränkemarkt in der 2400-Einwohner-Kleinstadt Rethem an der Aller wurde eine 23 Jahre alte Angestellte Opfer eines mutmaßlichen Raubmordes.

Ein 18 Jahre alter Praktikant in dem Markt gab sich zunächst als Zeuge aus, geriet dann aber selbst unter Verdacht. Vom 14. März an muss sich der Gymnasiast vor dem Landgericht Verden verantworten. Die Anklage lautet auf Mord. „Das Opfer soll nach mehr als 70 Messerstichen verblutet sein“, sagt Gerichtssprecherin Katharina Krützfeld.

Die 49 Seiten lange Anklageschrift geht ins Detail. Demnach soll der 18-Jährige aus dem Nachbarort Wohlendorf seine Kollegin aus Habgier ermordet haben. Die junge Frau aus Rethem habe große Qualen erlitten, bis sie schließlich verblutete. Die Beute des Täters betrug nach Angaben der Ermittler rund 1000 Euro.

Der Schüler hatte gegenüber der Polizei zunächst von einem Mann berichtet, der ihn und die 23-Jährige nach Ladenschluss beim Zählen der Tageseinnahmen überfallen habe. Der 18-Jährige selbst war zu einem Arzt in der Nähe geflüchtet, hatte eine Schnittwunde an seiner Hand behandeln lassen und von dem vermeintlichen Überfall berichtet. Die Polizei veröffentlichte zunächst eine detaillierte Täterbeschreibung, die der Schüler gegeben hatte. Aufgrund von Spuren am Tatort und Widersprüchen in den Aussagen des Gymnasiasten nahm sie den 18-Jährigen jedoch einen Tag später fest. „In der Untersuchungshaft hat der Angeklagte bisher geschwiegen“, sagt Krützfeld.

Vor dem Landgericht sollen an zunächst zehn Verhandlungstagen Dutzende Zeugen den Tathergang klären, darunter zahlreiche Polizisten; auch die Ergebnisse von DNA-Untersuchungen werden eine Rolle spielen. Wenigstens zum Prozessauftakt wollen auch Mutter, Schwester und Bruder des Opfers ins Landgericht kommen. „Sie wollen bei der Verlesung der Anklage dabei sein“, sagt der Walsroder Rechtsanwalt Thomas Lasthaus, der Mutter und Schwester der 23-Jährigen als Nebenkläger vertritt. „Sie wollen begreifen, was passiert ist.“ Allerdings sei schon allein die Lektüre der Tausende Seiten Akten schwer zu ertragen, meint der erfahrene Anwalt: „Von der Tataussübung her ist das das Grausamste, was ich je in realen Akten gelesen habe.“

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