Mehr neue Lehrer an Gesamtschulen

Gymnasien fühlen sich benachteiligt

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Foto: Symbolbild

Hannover - Bei der Vergabe neuer Lehrerstellen werden Gymnasien nach Ansicht der Direktorenvereinigung seit dem Wechsel der Landesregierung deutlich benachteiligt.

Das zahlenmäßige Verhältnis von Gymnasien zu Gesamtschulen betrage etwa 70:30, sagt Wolfgang Schimpf, Vorsitzender der Direktorenvereinigung und selbst Schulleiter in Göttingen. Die Zahl der neu zugewiesenen Lehrerstellen habe diesem Verhältnis bis 2013 entsprochen. Seitdem habe sich dies allerdings grundlegend geändert. „Bis zum neuen Schuljahr haben deutlich weniger Gesamtschulen zwei Drittel der Stellen bekommen, an die mehr als doppelt so vielen Gymnasien aber ging nur ein Drittel.“ Zum 1. August werden an den Gymnasien 170 Pädagogen neu eingestellt, an den Gesamtschulen werden 615 neue Jobs besetzt.

Das Kultusministerium weist den Vorwurf der Ungleichbehandlung strikt zurück: „Das Land stellt den einzelnen Schulformen Lehrkräfte gemäß ihrer Bedarfe zur Verfügung“, sagt ein Sprecher. Dadurch, dass die neu gegründeten Gesamtschulen jahrgangsweise hochwüchsen, der Ganztagsschulbetrieb ausgebaut werde und zunehmend auch Kinder mit Handicaps an Regelschulen unterrichtet würden, sei der Bedarf groß. Seit 2009 sind allein mehr als 50 neue Integrierte Gesamtschulen in Niedersachsen entstanden. Die Unterrichtsversorgung liege im Schnitt landesweit bei 101 Prozent. Die Gymnasien stünden sogar noch besser da als die Gesamtschulen. Bei einer Abfrage der Unterrichtsversorgung an den Gymnasien hatten sich zum Beginn des Schuljahres 2013/14 allerdings erhebliche Schwankungen ergeben – von 94 Prozent an einer Schule bis zu 108 an einer anderen. Sabine Hohagen vom Landeselternrat findet die Unterschiede besorgniserregend.

Tatsächlich sagt der statistische Wert allerdings nicht viel. Denn Lehrer, die in die Elternzeit gehen oder länger krank sind, fallen nicht unter die Berechnung. Der Philologenverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) weisen darauf hin, dass durch die Mehrarbeit an Gymnasien Nachwuchslehrer kaum noch eine Chance auf Einstellung hätten. „Die junge Generation wird einfach abgehängt“, moniert GEW-Chef Eberhard Brandt. Ab August müssen die Lehrer an Gymnasien eine Stunde mehr in der Woche unterrichten. An einem mittelgroßen Gymnasium könnten so drei Stellen wegfallen.

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