Hamburgs Olympiabewerbung

Das hätte Niedersachsen von Olympia

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Die Anlagen für Pferde in Luhmühlen haben einen hohen Standard.

Garlstorf/Luhmühlen - Kämen die Olympischen Spiele nach Hamburg, wäre Niedersachsen mit Hotels und Sportstätten dabei. Fußball, Basketball und Volleyball könnten im benachbarten Bundesland gespielt werden. Am 21. März wird das Rennen um die deutsche Kandidatur zwischen Hamburg und Berlin entschieden.

Matthias Carstens legt die Büchse an, kneift ein Auge zu und ruft ein knappes „Hopp!“. Aus dem Graben vor ihm schießt eine orangefarbene Scheibe in den Himmel, Carstens verfolgt die Flugbahn mit dem Lauf des Gewehrs und drückt ab. Die Scheibe aus Hartharz zerspringt in tausend Teile. Volltreffer.

Der Geschäftsführer der Schießanlage in Garlstorf ist zufrieden. „So macht man das.“ Carstens knickt den Lauf der Schrotflinte nach unten und legt eine Patrone nach. Wieder ruft er „hopp!“, und dieses Mal schleudert der Automat im Graben die Wurfscheibe auf eine andere Flugbahn. So geht es weiter: Mal fliegt die Scheibe steiler, mal von links nach rechts, mal andersherum. Trap nennt sich das, was Matthias Carstens da vorführt, eine der olympischen Disziplinen im Schießsport. Der Schütze weiß nicht, welchen Weg sein Ziel nehmen wird.

Entscheidung zwischen Berlin und Hamburg

Ungewiss wie die Flugbahn der Wurfgeschosse ist derzeit noch, ob der kleine Ort Garlstorf im Kreis Harburg in einigen Jahren auf den Olymp des Sports gehoben wird, aber Carstens hofft das sehr. „Wir sind bereit, die Leute im Ort sind begeistert, und den nötigen Platz haben wir auch.“ Dafür müsste Hamburg allerdings den Zuschlag für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 bekommen. Am 21. März wird zunächst das Rennen um die deutsche Kandidatur zwischen Hamburg und Berlin entschieden.

Vor einigen Jahren war Garlstorf mit seinen rund 1000 Einwohnern schon einmal kurz davor, olympisches Dorf zu werden. Auch damals waren die Garlstorfer „Feuer und Flamme“ - so das Werbemotto - für Olympia in Hamburg. Sie hatten sogar schon das Ortsschild mit den fünf Ringen geschmückt und Fahnen gehisst, und dann gingen die Spiele 2012 am Ende nach London. „Das war damals sehr schade.“

Sollte es dieses Mal anders sein, wäre das ein Volltreffer für den kleinen Ort, der zur Samtgemeinde Salzhausen gehört. In etwa 25 Minuten vom zentralen Olympiagelände in Hamburg aus zu erreichen, ist der drei Hektar große Schießstand in den Bewerbungsunterlagen als Austragungsort vorgesehen. „Diese Schießanlage gehört zu den europaweit modernsten Anlagen ihrer Art und berücksichtigt in vorbildlicher Weise die notwendigen Umweltbelange“, heißt es darin. Besser könnte Carstens das auch nicht formulieren. Polizisten und Jäger üben hier, Bundes- und Landesmeisterschaften werden in Garlstorf ausgerichtet. Mit einigen wenigen zusätzlichen Tribünen und Zelten ließe sich der Schießstand leicht olympiareif machen. „Hamburg hat so eine Anlage nicht“, sagt Carstens.

Unter anderem darum hat das Hamburger Bewerbungskomitee einige Sportstätten in benachbarten Bundesländern ins Auge gefasst und auch Hotels bis nach Hannover zählt die Bewerbung auf. Niedersächsische Sportverbände, der Landtag und die Landesregierung unterstützen daher ausdrücklich die Hamburger Bewerbung. In Niedersachsen könnte auch Fußball, Basketball und Volleyball gespielt werden. Eher geringe Chancen hat Cuxhaven als Segelstandort. Obwohl es auch genannt wird, dürften die Wettbewerbe eher in Kiel (Schleswig-Holstein) oder Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern) stattfinden.

Luhmühlen als Standort für Vielseitigkeitsreiten

Besser im Rennen ist da mit Luhmühlen ein weiteres Dorf in der Samtgemeinde Salzhausen, nur wenige Kilometer von Garlstorf entfernt. 35 Minuten etwa braucht man von Hamburg hierher. Luhmühlen sei als Standort für das Vielseitigkeitsreiten „prädestiniert“, heißt es im Bewerbungsschreiben. „Seit über 50 Jahren spielt das internationale Vielseitigkeitsturnier in Luhmühlen in der Welt des Spitzensports.“

Julia Otto kann das nur bestätigen. Die Geschäftsführerin der Turniergesellschaft nennt Luhmühlen wenig bescheiden das „Mekka der Vielseitigkeit“, eine Disziplin, die sich aus Dressur, Springreiten und dem Geländeritt zusammensetzt. Zu Bescheidenheit besteht auch gar kein Anlass. Luhmühlen gehört zu den weltweit sechs großen Vielseitigkeitsprüfungen in der Welt. „Wir haben hier Flächen, auf denen man eine fantastisch schöne Turnierstätte schaffen kann“, sagt Otto. In Luhmühlen finden Welt-, Europa- und Deutsche Meisterschaften statt. Etwas olympischer Geist weht schon jetzt fast täglich über das Gelände. Hier trainieren unter anderem Brasilianer für die Olympischen Spiele in Rio 2016, und auch die Talente für 2024 versammeln sich hier.

Luhmühlen war schon als Austragungsort für die Olympischen Spiele 2012 im Rennen. Auch Otto sagt: „Wir waren damals Feuer und Flamme und sind es heute wieder.“ Mit Luhmühlen und Garlstorf wäre die Samtgemeinde Salzhausen eines der Olympischen Zentren in Niedersachsen. Ein Restaurant Olympia haben sie dort auch schon.

So geht es weiter

Noch ist nichts entschieden: Im Rennen als deutsche Kandidaten für die Olympischen und die Paralympischen Spiele 2024 oder 2028 sind Hamburg und Berlin. Eine Vorentscheidung fällt am 16.März. Dann will das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) eine Empfehlung für eine der beiden Städte abgeben. Fünf Tage später, am 21. März, entscheiden dann die Mitglieder des DOSB in einer außerordentlichen Versammlung in der Frankfurter Paulskirche, wer als deutsche Bewerberstadt ins internationale Rennen geht. Voraussetzung ist ein positives Votum der Bürger in der potentiellen Ausrichterstadt. Daher führt der DOSB Ende Februar eine Meinungsumfrage in beiden Städten durch. Erwünscht ist eine hohe Zustimmung der Bevölkerung. Internationale Konkurrenten von Hamburg oder Berlin sind derzeit Boston und Rom. Paris, Istanbul, Baku/Aserbaidschan und Doha/Katar sind weitere mögliche Kandidaten.

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