Wiederholung der Ziehung beim Mittwochslotto

Hätte es ohne die Lotto-Panne einen Millionär gegeben?

+
Foto: Zwei der Kugeln wollten bei der ersten Ziehung am Mittwoch nicht mit in die Trommel. Die Ziehung musste wiederholt werden.

Mainz - Alle haben hingeschaut, aber keiner hat es gesehen: Bei der Ziehung zum Mittwochslotto kam es zu einem Fehler. Die Lotto-Gesellschaft musste die Gewinnzahlen korrigieren, weil zwei Kugeln nicht mit in die Trommel gerollt waren. Ob aus der ungültigen Runde ein Millionär hervorgegangen wäre, ist noch unklar. Doch, was wäre wenn?

So etwas hat es noch nicht gegeben: Am Mittwochabend waren bei der Ziehung, die im ZDF gezeigt wurde, nicht alle Kugeln in die Trommel gerollt, zwei hingen fest. Der „Bild"-Zeitung zufolge handelte es sich um die Kugeln 46 und 47. Der Fehler war erst nach der Liveübertragung bemerkt und die Ziehung später wiederholt worden. „Ein technischer Defekt, der so nie vorgekommen ist und so auch nicht abzusehen war", erklärte Ziehungsleiter Dirk Martin von Lotto Rheinland-Pfalz.

Sicher ist: Die bei der späteren Ziehung gezogenen Zahlen haben niemanden zum Millionär gemacht. Es gab keinen Spieler, der sechs Richtige plus Superzahl hatte. Hier lag der Jackpot bei insgesamt rund elfeinhalb Millionen Euro. Auch sechs Richtige ohne Superzahl gab es nicht, was zu einem Gewinn von insgesamt knapp 948 000 Euro geführt hätte.

Ob aus der ersten Runde ein Millionär hervorgegangen wäre und sich manch ein Tipper bei der zunächst gezogenen Zahlen-Kombination zu früh gefreut hatte, war am Donnerstag zunächst noch unklar. Doch, was wäre wenn? Gerade noch auf dem Höhenflug, dann die unsanfte Landung: Wenn ein vermeintlicher Gewinn sich als ungültig erweist, ist der Frust groß. Gegen diesen Frust kann es helfen, sich trotzdem etwas zu gönnen. „Das kann etwas Beruhigendes haben", sagt Peter Groß vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP). Als Trost für das entgangene Leben als Millionär könne sich der Betroffene zum Beispiel einen Luxustag genehmigen, sagte Groß.Am Ende kann der Schock vom geplatzten Traum sogar Positives bewirken. Denn durch ihn könne der Betroffene sich über Wünsche bewusst werden, die er schon länger gehegt hat. So merkt er: „Das ist ein wichtiges Ziel für mich", erläuterte Groß. Diese Erkenntnis könne als Antrieb dienen, sich den Wunsch auch ohne den Gewinn zu erfüllen - selbst wenn mehr Arbeit dafür nötig ist.

Nach der ungewöhnlichen Panne bei der Ziehung zum Mittwochslotto wird zudem der Ruf nach Konsequenzen laut. „Es hätte gleich auffallen sollen und man hätte früher eingreifen müssen", sagte der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, Tilman Becker, am Donnerstag. „Im Prinzip darf so etwas eigentlich nicht vorkommen." Becker forderte eine stärkere Überwachung solcher Lotto-Ziehungen.Lottofee Heike Maurer gab sich untröstlich. „Wir haben alle da hingeguckt, aber offensichtlich müssen Lichtreflexe dagewesen sein, die es verhindert haben, dass es uns aufgefallen ist", sagte sie im ZDF. Nun soll die Ziehungsmaschine überprüft werden. „Jetzt wird alles auf den Kopf gestellt", sagte der Sprecher von Lotto Rheinland-Pfalz, Clemens Buch. Auswirkungen auf die Samstagsziehung soll der Fehler aber nicht haben: Dabei sei zwar das baugleiche Modell imEinsatz, aber ein anderes Gerät.

Gesehen wurde die Pannen-Ziehung von 2,33 Millionen Zuschauern. Damit betrug der Marktanteil laut GfK-Fernsehforschung in Nürnberg 11,0 Prozent.

Das Mittwochslotto gibt es seit 1982. Seitdem hat es mehrere Hundert Spieler zu Millionären gemacht. Ob sich am Mittwoch der ein oder andere Tipper zu früh gefreut hat, blieb am Donnerstag zunächst unklar. Im Jahr 2002 gab es schon einmal eine Panne bei der Ziehung der Mittwochs-Zahlen. Wegen eines Defekts an der Trommel wurde die Ausspielung unterbrochen und mit einem Ersatzgerät fortgesetzt.

Interview: „Die meisten lachen nur über die Lotto-Panne"

Wer sich bereits als Millionär gesehen hat, wird wohl nach der für ungültig erklärten ersten Lotto-Ziehung am Mittwochabend völlig geschockt gewesen sein - etliche andere dürfte die Panne amüsiert haben, meint der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, Prof. Tilman Becker.

Wie fühlen sich denn nun Lotto-Spieler, die zunächst mit einem Gewinn gerechnet haben und jetzt doch leer ausgehen? „Das ist natürlich eine große Enttäuschung - vor allem für die Spieler, die große Summen gewonnen hätten. Alle anderen lachen wahrscheinlich nur darüber."

Beeinflusst eine solche Panne denn das künftige Spielverhalten? „Wenn so etwas öfter vorkommt, sicherlich. Aber das ist ja wohl eine bislang einmalige Sache gewesen."

Also keine Imageverlust für Lotto? „Kaum. Aber es zeigt, dass die Ziehung noch stärker überwacht werden sollte. Es hätte gleich auffallen sollen und man hätte früher eingreifen müssen. Im Prinzip darf so etwas eigentlich nicht vorkommen."

dpa/sag

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare