Urteil

Haftstrafe nach Missbrauch von drei Jungen

+
Am Freitag fällte das Landgericht Oldenburg sein Urteil.

Oldenburg - Weil er drei Jungen immer wieder sexuell missbraucht hat, muss ein ehrenamtlicher Kirchenmusiker aus Nordenham ins Gefängnis. Am Freitag fällte das Landgericht Oldenburg sein Urteil.

Als Leiter des Posaunenchors und als Musiklehrer genoss er großes Vertrauen - am Freitag verurteilte das Landgericht Oldenburg einen langjährigen Kirchenmusiker aus Nordenham zu einer Haftstrafe wegen Kindesmissbrauchs. Der 47-Jährige muss für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis, weil er sich an drei Jungen insgesamt 18-mal verging. „Er hatte seine Pädophilie nicht mehr im Griff“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Opfer sind heute zwölf und 13 Jahre alt. Der Angeklagte, im Hauptberuf Verwaltungsbeamter, nahm das Urteil äußerlich regungslos auf.

Der bis zur Aufdeckung der Taten ehrenamtlich und nebenamtlich in der evangelischen Kirchengemeinde tätige Mann hat gestanden, von Anfang 2011 bis März 2012 drei seiner Musikschüler mehrfach missbraucht zu haben, in vier Fällen schwer. Teils geschah dies in einem Turmzimmer der Kirchengemeinde, teils im Kinderzimmer eines Opfers. Wie beim Prozess bekannt wurde, mussten sich alle drei Jungen in therapeutische Behandlung begeben, sie leiden unter Schlafstörungen und einem gestörten Vertrauensverhältnis zu Erwachsenen.

Das Gericht hielt dem Posaunenlehrer sein umfangreiches Geständnis zugute, das den Jungen eine Aussage vor Gericht ersparte. „Er hat sich zudem bereit erklärt, den drei Kindern eine Art Schmerzensgeld in unterschiedlicher Höhe zu zahlen“, sagte Gerichtssprecher Michael Hermann. Mit dem Urteil schloss sich die Kammer der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe beantragt.

Zuvor hatten die Mütter der Kinder von einem besonders engen Vertrauensverhältnis der Familien zu dem Posaunenlehrer berichtet. In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Angeklagte: „Ich weiß nicht, warum ich mich dazu habe hinreißen lassen, diese Dinge zu tun“, sagte er. „Es tut mir unendlich leid.“ Seine Pädophilie habe er schon im Jugendalter bemerkt, sagte der zweifache Vater. Er habe sie aber so lange beherrschen können, bis seine eigene Ehe an finanziellen Problemen gescheitert sei. Das Gericht schloss eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit bei den Taten nicht aus. Für eine Bewährungsstrafe sei aber wegen der Vielzahl der Fälle die „Grenze überschritten“, hieß es in der Urteilsbegründung. Den Verwaltungsbeamten erwartet nun zusätzlich ein Disziplinarverfahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare