Missbrauch in Hildesheim

Hallenbadtäter läuft noch frei herum

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Foto: Am Donnerstag hat die Polizei dieses Bild einer Überwachungskamera im Bad herausgegeben: Es soll den Täter zeigen.

Hildesheim - Bei ihrer Suche nach dem Mann, der am Sonnabend in einen Hildesheimer Hallenbad eine Neunjährige missbraucht hat, erhält die Polizei Hinweise aus dem gesamten Bundesgebiet. „Wir arbeiten alle der Reihe nach ab“, sagte am Donnerstag Uwe Herwig, Sprecher der Hildesheimer Polizeiinspektion.

Eine heiße Spur sei aber noch nicht dabei. Die Bilder der Überwachungskameras aus dem Schwimmbad stehen auch im bundesweit zugänglichen Intranet der Polizei. „Bisher haben 1600 Beamte die Informationen abgerufen“, sagt Herwig.

Das Verbrechen war am Sonnabend geschehen, als sich etwa 400 Gäste in dem Hallenbad aufhielten. Der 30 bis 40 Jahre alte Täter war zwei Mädchen auf der Wasserrutsche nachgestiegen, hatte Kontakt mit ihnen aufgenommen und eines von beiden in eine Umkleidekabine gelockt. Dort hat er das neunjährige Mädchen missbraucht, während die Freundin vor der Kabinentür stand. Anschließend konnte der Mann unerkannt fliehen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen schweren sexuellen Missbrauchs.

Allerdings dürfte der Täter nicht bedacht haben, dass er während seines Aufenthalts in den Gängen des Wasserparadieses gefilmt worden ist. Das Bad hat insgesamt 32 Überwachungskameras. Die Polizei ist sicher, dass die Bilder den Täter zeigen, sie hat gestern zwei weitere Fotos veröffentlicht. Auf ihnen wirkt der Mann, der akzentfreies Hochdeutsch sprechen soll, deutlich jünger als auf dem ersten veröffentlichten Fahndungsfoto.Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann nicht aus der direkten Umgebung Hildesheims stammt. Sie halten ihn für sehr gefährlich.

Der sexuelle Missbrauch des Mädchens im Wasserparadies hat bei dessen Betreibern große Betroffenheit ausgelöst. „Sie können sich vorstellen, wie die Stimmung bei uns im Haus ist“, sagte Geschäftsführer Michael Bosse-Arbogast gestern gegenüber Journalisten.

Das Personal des Hallenbades habe nichts davon mitbekommen können, was sich am Sonnabend in einer der Umkleidekabinen abgespielt hat, meinte Bosse-Arbogast. Denn der Betreiber dürfe weder in Kabinen, Duschen noch den Toiletten Überwachungskameras aufstellen. „Wir haben alle Sicherheits möglichkeiten ausgeschöpft, die es in einem solchen Hallenbad gibt“, versichert Bosse-Arbogast. Sein Unternehmen werde alles tun, um die Polizei bei der Aufklärung zu unterstützen. „Und ich hoffe, dass der Täter bald ermittelt wird.“

Das neunjährige Mädchen hatte von dem Verbrechen erst berichtet, nachdem es zu Hause angekommen war. Dieter Feibel, der als Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hildesheim viel mit Missbrauchsopfern zu tun hat, hält dies für normal. „Viele Missbrauchsopfer sind traumatisiert. Sie können nicht sofort losrennen, sondern vertrauen sich erst zeitverzögert jemandem an“, sagte Feibel dieser Zeitung.

Er rät allen Eltern, aus Gründen der Vorsorge offen mit ihren Kindern darüber zu sprechen, dass es Menschen gibt, die Mädchen und Jungen missbrauchen. „Die Eltern sollten auch darüber reden dass nicht immer der schwarze Mann der Böse ist. Oft werden ja die auf den ersten Blick Sympathischen zum Täter.“

Christian Harborth und Rainer Breda

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