Motiv des Täters unklar

Hameln trauert nach Mord an Landrat Rüdiger Butte

+
Landrat Rüdiger Butte ist am Freitag im Kreishaus in Hameln von einem 74-jährigen erschossen worden.

Hameln - Ein Verbrechen schockiert eine ganze Stadt: Ein 74-Jähriger hat in Hameln den Landrat Rüdiger Butte erschossen. Die Menschen legen Blumen am Tatort nieder und stellen sich immer wieder eine Frage: Warum?

Trauer und Entsetzen in Hameln: Nach den tödlichen Schüssen auf Landrat Rüdiger Butte (SPD) steht die Stadt im Weserbergland weiter unter Schock. „Warum? Zurück bleiben Trauer, Verzweiflung, Tränen und die Frage nach dem Warum“, steht auf einem Zettel, der zwischen Blumen und Kerzen vor dem Kreishaus liegt. Dort geschah das Verbrechen, im Amtszimmer des 63-Jährigen. Der Täter, ein 74 Jahre alter Waffennarr, hatte Butte mit einem Revolver erschossen und sich nach der Bluttat selbst getötet.

„Er hat sich für jeden eingesetzt und stark gemacht, vor allem für die kleinen Leute“, sagt Hannelore Pöhler, die Butte persönlich kannte. Sie habe die ganze Nacht nicht schlafen können, berichtet die Frau, der die Tränen über das Gesicht laufen. Vor Jahren habe sie sich mit einem Problem an den Landrat gewandt, und er habe ihr geholfen. Er habe sich sogar bedankt, dass es Bürger wie sie gebe, die sich engagierten, sagt Pöhler am Samstag. Sie wünscht sich, dass die Süntelstraße, in der das Kreishaus steht, in Rüdiger-Butte-Straße umbenannt wird.

Immer wieder kommen Menschen vorbei und halten inne. Auf einer Fensterscheibe des Kreishauses kleben Fotos des Opfers. „Mich erschüttert das sehr, der Landrat war mir sehr sympathisch“, sagt eine Frau, die Blumen vor das Gebäude gelegt hat. Persönlich gekannt habe sie ihn zwar nicht, aber sie habe viel über ihn und seine Arbeit gelesen. „Dass so etwas in Hameln passiert, ist unvorstellbar. Das ist auch für die Mitarbeiter furchtbar“, sagt sie.

Die Polizei ermittelt weiter. Fest steht, dass dem Verbrechen jahrelange Querelen des Täters mit der Justiz und der Verwaltung vorausgegangen waren. Über das genaue Motiv des Schützen wissen die Fahnder auch am Wochenende nichts.

Auch die Behördenmitarbeiter sind schockiert. „Die Angehörigen des Landeskriminalamtes Niedersachsen sind fassungslos, erschüttert und traurig“, beschreibt Uwe Kolmey, Präsident des LKA und seit 2005 Nachfolger von Rüdiger Butte, die Situation. Es sind auch seine eigenen Empfindungen für den ermordeten Kollegen und Freund. Butte sei ein stets freundlicher und positiver Mensch gewesen. Er war seit 2005 Landrat von Hameln-Pyrmont und zuvor vier Jahre Direktor des Landeskriminalamtes in Niedersachsen.

Das Verbrechen ist das beherrschende Thema in der Stadt - in den Geschäften, beim Bäcker, an der Tankstelle und auf den Titelseiten der Tageszeitungen. In einem Supermarkt gegenüber dem Kreishaus kaufen etliche Menschen Blumen zum Gedenken an das Opfer. „Es berührt einen sehr“, sagt ein Mann, „es ist hier bei uns um die Ecke“. Für Hameln sei das kein guter Tag gewesen. „Es ist einfach schrecklich, dass Menschen, die so etwas tun, unter uns sind.“

dpa

16518791652718

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare