„Hells Angels“ Hannover

Hanebuth: „Auflösung ist kein Fake“

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Foto: Frank Hanebuth schließt „Hells Angels“-Charter in Hannover.

Hannover - Der ehemalige Chef, Frank Hanebuth, hat sich gegenüber der HAZ zur Auflösung des Hannover-Charters der „Hells Angels“ geäußert. Am Donnerstagmorgen war aus Ermittlerkreisen bekannt geworden, dass sich der Club am Mittwochabend in Hannover aufgelöst hatte.

Frank Hanebuth äußerte sich gegenüber der HAZ zu der Auflösung: „Die Auflösung ist kein Fake. Das Charter Hannover wird es auch in einem Jahr nicht mehr geben. Wir sind und bleiben aber Hells Angels. Diese Entscheidung haben wir alle am Mittwochabend gemeinsam gefällt.“ Zu dem Charter der Rocker gehörten in Hannover 60 Leute.Die Schilder im Clubheim der Rocker in der Badenstedter Straße in Linden sind bereits abgeschraubt. Nichts weist mehr auf die „Hells Angels“ hin. Die Polizei ist vor Ort präsent.

Da in den vergangenen Wochen einige Rockerclubs der „Hells Angels“ aufgelöst worden sind, vermuten Sicherheitsexperten, dass die „Hells Angels“-Clubs in Deutschland durch die Selbstauflösung einem behördlichen Verbot vorbeugen wollen. Zuletzt hatten die Behörden die Clubs in Flensburg, Köln und Berlin verboten. Da bei einem Verbot auch der Verlust des Vereinsvermögens droht, ist die Selbstauflösung ein gern genommener Ausweg.

Polizeipräsident Axel Brockmann begrüßt die Auflösung der „Hells Angels“ ausdrücklich: „Hannover wird sehr gut ohne sie auskommen.“

Der hannoversche Club unter Führung des 47-jährigen „Hells Angels“-Chefs Frank Hanebuth, der jahrelang das Steintorviertel dominierte, hatte ein Verbot zu fürchten. Der niedersächsische Landtag entschied vergangenen Mittwoch einstimmig ein Verbotsverfahren gegen die Rockergruppe einzuleiten. Möglicherweise wollte das hannoversche Charter einer Auflösung durch die Polizei zuvorkommen.

Die Polizei werde die weitere Entwicklung in der Rockerszene und im Rotlichtmilieu Hannovers weiterhin genau beobachten. „Wir werden auch in Zukunft jeder Form von Kriminalität entschlossen entgegen treten“, betont der Polizeichef Brockmann. Trotzdem schließt die Polizei die Gründung einer Nachfolgeorganisation nicht aus. „Es gibt die Möglichkeit, dass eine Nachfolgeorganisation geschaffen wird“, sagte Hannovers Polizeipräsident Axel Brockmann am Donnerstag. Auch könnten sich die hannoverschen „Hells Angels“-Mitglieder zu anderen Unterorganisationen hin orientieren. Außerdem bestehe die Gefahr, dass andere kriminelle Organisationen versuchten, sich in bislang von den „Hells Angels“ dominierten Bereiche von Hannovers Rotlichtviertel hineinzudrängen. Dafür gebe es aber noch keine Anzeichen.

Auf dem Rockerportal ride-free.de hatte das sogenannte „PR-Team 81“ am Mittwochabend verkündet, dass sich der hannoversche Club aufgelöst habe. Die Zahl 81 steht für die Buchstaben H und A und damit für die Initialien der „Hells Angels“.

Erst im Mai hatte eine Großrazzia bei Mitgliedern der Hells Angels für Aufsehen gesorgt. Dabei war auch das Anwesen von Hanebuth in Bissendorf-Wietze durchsucht worden.

Hintergrund

Die „Hells Angels“ wurden 1948 von Harley-Davidson-Liebhabern in Kalifornien (USA) gegründet. Aus der Gruppe von Motorrad-Fans mit dem geflügeltem Totenkopf auf der Jacke entwickelte sich eine straffe, weltweite Organisation. Sie gilt als mitgliederstärkster und mächtigster Rockerclub der Welt.

Einzelne Mitglieder der„Hells Angels“ oder ganze Gruppen werden in Deutschland immer wieder mit der Organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. Vor Gerichten müssen sie sich wegen Drogenhandels, Waffenbesitzes, Prostitution oder Gewaltausbrüchen verantworten. Jahrelang schwelte der Konkurrenzkampf mit den rivalisierenden Bandidos. Wüste Schlägereien, scharfe Schüsse und auch Morde waren Mittel des Rocker-Kriegs.

Vor zwei Jahren besiegelten die Konkurrenten per Handschlag einen Frieden.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

tm/mh/ska/dpa

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