Traditionsmarke baut Elektromotorrad

Harley mit Kunstherz

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Ansehnlich: Harley lässt seinen E-Prototyp von US-Kunden testen.

- Jetzt können die Hells Angels zeigen, wie stark sie wirklich sind. Achtung, harte Kerle: Harley baut ein Elektromotorrad. Für die feinsinnigeren Geister: Das ist wie ein Keyboard bei den Berliner Philharmonikern.

Eine Harley, das sind zwei riesige Zylinder in V-Form, die bei Standgas bollern wie ein Trecker und die ganze Maschine so vibrieren lassen, dass regelmäßig Schräubchen und Größeres auf der Straße zurückbleiben. Das liegt auch daran, dass nichts an diesen Maschinen so gelungen ist wie der Motor. Es ist, als würden sie das Herz rausreißen.

Aber Harley braucht gewissermaßen ein Kunstherz, die Geschäfte gehen nicht mehr besonders gut. Die bevorzugte Zielgruppe der wohlsituierten 60-Jährigen ist abgegrast, und von den Rockern kann man sowieso nicht leben – wenn sie ihre Maschine einmal umgebaut haben, halten sie ihr lange die Treue. Dazu kommen Abgas- und Lärmvorschriften, die sich mit anderthalb Litern Hubraum in zwei Zylindern nicht vertragen.

So startet Harley-Davidson einen Versuchsballon – und, liebe Hells Angels: Man kann doch wirklich mal hingucken. Die Maschine ist deutlich sportlicher als bisherige Modelle, hier und da findet sich ein wenig Ducati im Design, und aus dem Motor haben sie nun wirklich gemacht, was man aus einer Maschine machen kann, deren Verwandtschaft Waschmaschinen antreibt.

Ausgewählte Kunden können das gute Stück noch in diesem Jahr in den USA erproben. „Wir sind gespannt, was die Leute denken“, sagt Harley-Chef Matt Levatich.In vier Sekunden ist die Maschine auf 110 Stundenkilometer – ein Wert, der traditionelle Harleys-Fahrer verschrecken könnte. Vertraut ist hingegen die Spitzengeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde. Eine serienmäßige Produktion ist vorerst nicht geplant. Erst einmal soll die Meinung der Kunden eingeholt werden.

Und wie klingt sie nun? Fühlen sich die vielen Zahnärzte unter den Kunden an ihr Dentalwerkzeug erinnert? Nein, sagt Levatich, sie habe einen „unverkennbaren Sound“. Die E-Harley klinge wie ein „Kampfjet auf einem Flugzeugträger“. Das scheint angemessen. Und wie ist das mit den vertrauten Vibrationen? Auch dafür gibt es Elektrogeräte.

Liebhaber traditioneller Motorräder kommen aber immer noch bei Motorradmessen – wie dieser im Februar diesen Jahres – auf ihre Kosten:

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