Pläne für Sternwarte

Vom Harz einen Schritt ins All wagen

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Foto: „Die Bedingungen in Sankt Andreasberg sind perfekt für eine Sternwarte“: Utz Schmidtko hat ausgefeilte Pläne für ein Observatorium im Harz.

St. Andreasberg - Es klingt ein bisschen pathetisch, aber der Mann hat schließlich eine Vision: „Man bekommt im Leben manchmal eine Chance, und die muss man nutzen“, sagt Utz Schmidtko. Der Förderschullehrer aus Burgwedel bei Hannover will eine Sternwarte in Sankt Andreasberg im Harz bauen.

Entwürfe und Pläne hat der 60-Jährige viele. Auf dem Tisch in seinem Wintergarten in Burgwedel steht ein Modell aus Styropor, ein Foto mit einem Symbolbild der Sternwarte, astronomische Zeitschriften, Bücher und ein Manuskript, in dem das Projekt vorgestellt ist, liegen daneben. „Das ist ein Leuchtturmprojekt für den Harz“, sagt Schmidtko, der schon seit seiner Jugend begeisterter Sternegucker ist und heute mitten in der Nacht aufgestanden ist, um von einem Feld in Wettmar aus am frühen Morgen den Venustransit zu fotografieren.

Die Idee von der Sternwarte im Harz stammt nicht von ihm. Ein Harztourist aus Duisburg fragte bei einem Besuch in Sankt Andreasberg, warum man denn hier nicht eine Sternwarte baue. Acht Astronomiefans griffen die Idee vor vier Jahren auf und gründeten den Verein Sternwarte Sankt Andreasberg, dessen Vorsitzender Schmidtko nun ist.

Mit 16 Jahren begann die Begeisterung des Lehrers für die Sterne. „Ein Klassenkamerad hatte ein Teleskop, ich hatte eine Kamera und konnte Bilder entwickeln. Also haben wir uns zusammengetan und die Sterne fotografiert“, sagt Schmidtko. Zwischenzeitlich musste die Leidenschaft für die Sterne pausieren. Bundeswehr, Studium, Beruf und seine drei Kinder seien in den Vordergrund gerückt. Vor ein paar Jahren entdeckte er seine Liebe zur Astronomie dann wieder.

Im Garten des 60-Jährigen steht eine spezielle Säule, auf die er sein Teleskop montieren kann. An den Wochenenden sitzt er nachts im Garten, bewundert die Sterne und fotografiert sie. Im Winter steht er dafür schon mal früher auf, um noch vor der Schule einen Blick durchs Teleskop ins All zu werfen.

Von dem Sternwarteprojekt erfuhr Schmidtko in einem Astronomieforum. Er war begeistert und trat dem Verein bei, der immer mehr Mitglieder bekam – heute sind es mehr als 50 – und dessen Idee immer mehr Zuspruch fand. Vor allem von den Teleskoptreffen, die der Verein in Sankt Andreasberg ausrichtete, ging großer Enthusiasmus aus. „Beim letzten Treffen im Juli 2009 hatten wir eine unglaubliche Nacht und konnten phänomenal sehen“, schwärmt Schmidtko. Zwar gab es keinen Venustransit, aber der Andromedanebel sei mit bloßem Auge sichtbar gewesen.Überhaupt sei der Standpunkt in Sankt Andreasberg geradezu perfekt. Fast wundert es Schmidtko, dass noch niemand auf die Idee gekommen war, hier eine Sternwarte zu bauen. „Die Lage ist mit 725 Metern über dem Meeresspiegel ideal, die Luft klar, und es gibt keine allzu große Lichtverschmutzung“, sagt Schmidtko. Denn die sei oft ein großes Problem. Über Städten sei es viel zu hell zum Sternegucken.

Die Teleskopnacht 2009 bestärkte Schmidtko und die Mitglieder des Vereins, die Pläne vom Sternwartebau umzusetzen. Sie erarbeiteten Entwürfe und fanden ein Grundstück an einem Waldrand. Die Familie, der das 1000-Quadratmeter-Grundstück gehörte, war von der Sternwarte-Idee begeistert. „Zwischen denen und uns hat die Chemie gestimmt, und sie haben uns das Grundstück günstig überlassen“, sagt Schmidtko. Im Juni wird nun der Kaufvertrag unterschrieben.

Drei Bauphasen stehen nun an. 120.000 Euro kostet die erste, an deren Ende das Grundstück erschlossen und der erste Teil des Sternwartebaus – allerdings noch ohne Kuppel – stehen soll. „Dazu brauchen wir Förderer“, sagt Schmidtko, der genaue Vorstellungen von der Sternwarte hat. Barrierefrei und behindertengerecht soll sie sein. Der Verein plant die Zusammenarbeit mit den umliegenden Schullandheimen und will regelmäßige Sternenächte für Touristen und Familien anbieten. Schmidtko ist überzeugt, dass im Harz eine ganz neue Art von Tourismus entstehen kann.

Bis zur fertigen Sternwarte ist es noch ein weiter Weg. Die erste Bauphase, an deren Ende der Blick ins All möglich ist, soll im Herbst 2013 abgeschlossen sein. Die Sternwarte mit Kuppel könnte 2016 stehen, glaubt Schmidtko. Dass er die Menschen von der Idee begeistern kann, davon ist er überzeugt. „Wer einmal durch ein Teleskop in die Sterne geschaut hat, der will das immer wieder.“

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