Tourismus in Niedersachsen

Der Harz ist ein Gewinner

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Foto: Der Harz ist ein Gewinner des Tourismus in Niedersachsen.

Hannover - Der Tourismus in Niedersachsen entwickelt sich nach oben: Das Land hat erstmals mehr als 40 Millionen Übernachtungen im Jahr.

„Die Schallmauer ist durchbrochen, erstmals hat Niedersachsen 2012 bei den Übernachtungen die 40-Millionen-Marke geknackt“, sagte Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen am Mittwoch in Hannover. Nicht alle Tourismusbetriebe hätten allerdings gleichermaßen davon profitiert. Wie das 10. Tourismusbarometer zeigt, sind die Gäste zunehmend sparsamer. Sie geben weniger Geld in Restaurants aus und übernachten lieber auf dem Campingplatz oder im Schulungsheim als im Hotel. Die Tagesreisen stagnieren, beim Städtetourismus bleibt Niedersachsen unter dem Bundesschnitt. Hier sei besonders auffällig, dass es gerade ausländische Gäste eher seltener nach Niedersachsen ziehe, sagte Manfred Zeiner vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (DWIF). Normalerweise liege der Ausländeranteil bei Übernachtungen in deutschen Städten bei rund 27 Prozent. In Niedersachsen kämen nur Hannover und Celle auf mehr als 20 Prozent. Landesweit sank der Anteil der ausländischen Touristen um 2,2 Prozent, während er deutschlandweit um 4,4 Prozent zulegte.

Die einzige Region, die im vergangenen Jahr ein Minus bei den Übernachtungszahlen aufwies, war Ostfriesland – mit Ausnahme der Nordseeküste. Auf den Inseln gab es 2,2 Prozent weniger Übernachtungen als 2011, im Binnenland waren es nur 1,4 Prozent weniger. Für den Tourismusforscher Zeiner ist dieser Rückgang nach sieben Jahren des stetigen Wachstums aber kein Grund zur Sorge. In diesem Jahr gehe es schon wieder bergauf, sagte er und verwies auf einen Zuwachs von 26,1 Prozent bei den Übernachtungen auf den Ostfriesischen Inseln im ersten Quartal – „dank des guten Ostergeschäfts“. Zu den Gewinnern bei den Übernachtungen im vergangenen Jahr gehörten zudem die Mittelweserregion (+ 8,8 Prozent) mit den Kreisen Nienburg, Verden und Diepholz und der Nordwesten (Emsland, Grafschaft Bentheim, Cloppenburg). Aus der Talsohle herausgekommen sei endlich auch der Harz, betonte Sparkassenverbandschef Mang. Neue Projekte wie das Feriendorf in Torfhaus würden den positiven Trend sicher noch verstärken, meinte er.

Innovationen seien überhaupt gefragt, viele Angebote seien veraltet. „Gute Ideen reichen nicht“, sagte Zeiner, „man braucht auch das passende Konzept.“ E-Bikes allein zögen noch keine Gäste an, wohl aber die Einbindung in ein eigenes Radewegenetz wie im Weserbergland. Als weitere gute Beispiele für vorausschauenden Tourismus nannte Mang Borkum als erste allergikerfreundliche Insel Europas, Juist, das sich als klimaneutrale Insel präsentieren will, und Langeoog, das auf Fairtrade setzt.

Wichtig sei es, nicht in Technologiehörigkeit zu verfallen, sondern auf die Wünsche der Urlauber zu achten, unterstrich Zeiner. Und viele Gäste wollten sich bewegen. Angebote für Radfahrer oder Stadtführungen für Jogger kämen dem entgegen. Die Regionen müssten sich vernetzen: „Wenn ein Gastronom sein Haus renoviert, aber der Rest im Ort nicht mitzieht und ringsum gähnende Langeweile herrscht, hat keiner was davon.“

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