Deutscher Wandertag

Der Harz ruft - die Wanderer kommen

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Wanderer auf dem Heinrich-Heine-Wanderweg im Nationalpark Harz in Ilsenburg: Auch das Ilsetal im Ostharz bietet Wanderern viele naturbelassene Sehenswürdigkeiten.

Bad Harzburg - Bis zum Festumzug am Sonntag werden 30.000 Teilnehmer beim Deutschen Wandertag erwartet. Noch ist Platz für Kurzentschlossene.

Zehntausende Hexen werden von heute an im Harz unterwegs sein. Bis Sonntag sind der Harzklub und die Stadt Bad Harzburg Gastgeber des 114. Deutschen Wandertags; er steht unter dem Motto „Weltkultur erwandern - Mythen erleben“. Eine kleine Hexe am Schlüsselband mit einer Wandertagsplakette gilt als Eintrittskarte zu fast 200 geführten Wanderungen und Exkursionen. Kurzentschlossene können sie in der Touristeninformation oder am Startpunkt für 5 Euro erwerben - und sich bis Sonnabend einem der Wanderführer auch ganz spontan anschließen. „Kein Wanderer wird abgewiesen“, sagt Stadtsprecher Detlef Kaczmarek. Nur bei aufwendigen Ausflügen, die etwa mit einer Busfahrt oder einem Stollenbesuch verbunden sind, sind die Plätze begrenzt und meist im Vorfeld vergeben.

Schon vor dem offiziellen Beginn haben Tausende Gäste aus ganz Deutschland und Nachbarländern wie Österreich und Luxemburg Quartier genommen und sich zu Fuß auf vielerlei Wege gemacht. Seit dem Wochenende bieten Landesforsten, Nationalparkverwaltung und vor allem der Harzklub überall in der gesamten Region Touren an, die vom leichten Spaziergang an der Galopprennbahn bis zur anspruchsvollen Wanderung auf dem Teufelsstieg reichen, dem mit 850 Höhenmetern schwersten Aufstieg zum Brockengipfel.

Bad Harzburgs Bürgermeister Ralf Abrahms freut sich über die große Resonanz, die die Erwartungen schon übertrifft. „Allein für den Festumzug am Sonntag werden über 10 000 Teilnehmer erwartet“, sagt er. Noch mehr Zuschauer dürften, gutes Wetter vorausgesetzt, das Trachtenspektakel von 14 Uhr an vom Straßenrand aus verfolgen. Zum Rahmenprogramm gehören an allen Tagen eine Tourismusbörse, Vorführungen und viel Musik, außer Folklore etwa ein Schlagerabend am Freitag und ein Oldieabend am Sonnabend. Insgesamt rechnen die Veranstalter mit rund 30 000 Besuchern.

Der jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindende Deutsche Wandertag ist die weltweit größte Veranstaltung dieser Art. Gastgeber im letzten Jahr war Oberstdorf. Vom Allgäu aus haben Wanderer den Wandertagswimpel in Etappen gen Norden getragen, er soll am Donnerstag am Bad Harzburger Rathaus eintreffen. Alfred Heineke, Vorsitzender des örtlichen Harzklub-Zweigs, hat die Gruppen zeitweise begleitet.

„Ich bin sehr stolz, wie gut unsere Region bei den Wanderern ankommt“, sagt der 68-Jährige. Bei den Besuchern seien vor allem die mit besonderen Geschichten verbundenen Führungen auf Interesse gestoßen. Die Themen reichen von der Harzer Köhlerei bis zum Grünen Band an der ehemaligen Grenze zur DDR. Auch das Unesco-Weltkulturerbe Oberharzer Wasserregal finde riesigen Zuspruch. Von Geocaching, der modernen Form der Schnitzeljagd, sollen nicht zuletzt Kinder und Jugendliche angesprochen werden. Die Deutsche Wanderjugend ist als eigene Abteilung beim Wandertag vertreten; rund 50 ihrer Mitglieder übernachten in einer Bad Harzburger Grundschule.

Trotz des großen Trubels sollen die Angebote nicht zu unübersichtlichen Massenveranstaltungen werden, sagt der Bad Harzburger Stadtsprecher - auch wenn die vom Harz gewohnte Ruhe etwas eingeschränkt sein werde. Wo sich für Wanderungen besonders viele Menschen zusammenfinden, werde die Gruppe aufgeteilt. Die Veranstalter empfehlen wenn möglich eine Anreise mit der Bahn. Am Sonntag wird ein Park-and-Ride-Platz an der Rennbahn eingerichtet.

Einzelheiten zu den Angeboten unter www.deutscher-wandertag-2014.de und telefonisch bei der Tourismusinformation Bad Harzburg unter (0 53 22) 7 53 30.

Von retro bis nackt: Die Wandertypen

Stundenlange Märsche durch Wälder und Felder, über Mittelgebirge und Almwiesen haben ganz unterschiedliche Anhänger. Eine Typologie des Wanderers ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  1. Extremwanderer: Vorbild für diesen Typ könnte Ex-Musiker und Extremsportler Joey Kelly sein. Er hat Deutschland in knapp 18 Tagen durchquert – zu Fuß. Ein anderes Beispiel ist „Brocken-Benno“, wie sich der 82-jährige Benno Schmidt aus Wernigerode nennt. Er hat den Brocken, Norddeutschlands höchsten Berg, bislang 7390-mal erklommen.
  2. Nacktwanderer: Sie berufen sich auf Natürlichkeit, möchten aber nicht fotografiert werden. Trotz lästiger Mücken, kratzender Äste und verwunderter Zuschauer gehen sie unbeirrt ihres Weges, solange es Behörden und Temperaturen zulassen. Im Gegensatz zum Barfußläufer verzichten Nacktwanderer übrigens nicht aufs Schuhwerk.
  3. Mit Tieren: Das sogenannte Animal-Trekking wird bundesweit als Freizeitspaß angeboten. Das Wandern mit Pony, Hund, Esel oder Lama soll für Ausgleich sorgen und auch Kinder ruhiger werden lassen.
  4. Naturkundler: Oft angeführt von einem Förster, Pilzkenner oder Ornithologen sichtet man diesen Wandertyp vor allem am Wochenende. Dicht um den Gruppenleiter geschart übertrifft sich der harte Kern mit Detailwissen. Die Nase hat vorn, wer zuerst die Blindschleiche oder eine seltene Orchidee erspäht.
  5. Nachtwanderer: Die Anhänger des Wanderns in der Dunkelheit werden etwa im Harz bei der Fledermaus-Pirsch oder auf dem Heidschnuckenweg bei Vollmond angetroffen (siehe auch: naturkundlicher Wanderer).
  6. Kulturwanderer: Auch er verbindet Lernen und Natur, etwa auf den Spuren von romantischen Klosterruinen.
  7. Gesundheitswanderer: Zertifizierte Gesundheitswanderführer leiten durch Wiesen und Wälder, die Kräuterexperten erklären, was genießbar ist. Auch für den Fastenwanderer steht die Gesundheit im Vordergrund.
  8. Gruppenwanderer: Singend und plaudernd vertreibt sich dieser Wanderer in der Gruppe die Zeit – und oft auch alle Tiere in der Umgebung. Ziel ist ein lange zuvor reservierter Tisch in einer Waldschänke nicht weit vom Parkplatz.
  9. Webwalker: Als technisch kundiger Individualist nutzt er zur Vorbereitung seiner Touren alle Möglichkeiten des Internets, um sich Routen samt Höhenprofil berechnen zu lassen.
  10. Geocacher: Die Augen fest auf ihr GPS-Gerät zur Satellitennavigation gerichtet brechen sie durchs Dickicht und stolpern über so manche Baumwurzel.
  11. Retrowanderer: Älter und meist männlichen Geschlechts. In ledernen Knickerbockerhosen und kariertem Hemd eilt er forschen Schrittes durch den Wald und erklimmt jede Höhe. Lautlos schließt er von hinten auf, nur gelegentlich verrät ihn das Klackern eines alten Spazierstocks mit feinsäuberlich aufgenagelten Blechschildchen daran.

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