E-Bikes für Touristen

Harz wird zum Testlabor

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Foto: Um den Tourismus im Harz anzukurbeln, wird das Mittelgebirge nun zum Testlabor für E-Bikes.

Hannover - Der Harz soll zum Testlabor für Elektro-Motorräder werden. Mit Ausflügen auf dem E-Bike will Matthias Schmidt elektrische Zweiräder bekanntmachen und gleichzeitig den Fremdenverkehr im Harz ankurbeln.

Mit einem Dutzend elektrisch angetriebener Motorräder soll der Harz zur Vorzeigeregion für Elektromobilität werden. Ohne Gestank und Lärm können Zweirad-Fans künftig mit E-Bikes durch das Mittelgebirge düsen. Tourenanbieter Matthias Schmidt aus Osterode am Harz will mit den Testfahrten Touristen in den Harz locken und die Gäste an Elektromobilität gewöhnen. "Wir wollen so viele Menschen wie möglich ranführen", betont Schmidt. Die Metropolregion Hannover ist eine von bundesweit vier sogenannten Schaufenster-Regionen für Elektromobilität. Damit fördert die Bundesregierung Pilot-Projekte wie Schmidts E-Bike-Touren. Die Regierung ist noch weit entfernt von ihrem Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen.

Auch E-Motorräder sind bisher kaum ins öffentliche Bewusstsein gedrungen. "Jeder redet davon, wie wichtig das ist, aber nirgendwo kann man das ausprobieren", sagt Schmidt. Mit den Fördergeldern hat er nun ein Dutzend E-Bikes eines US-amerikanischen Herstellers importiert. Voraussetzung für die stromgetriebenen Spritztouren ist eine Fahrerlaubnis für Leichtkrafträder. Die jeweils elf Kilowatt starken Batterien entsprechen rund 15 Pferdestärken und beschleunigen die Zweiräder auf mehr als 100 Kilometer pro Stunde. Wo sonst der Benzintank sitzt, versteckt sich unter der Sitzbank ein Ladekabel - nach rund 100 Kilometern müssen die Zweiräder an die Steckdose. Firmenvertreter und Lokalpolitiker aus der Region hätten laut Schmidt bereits ihr Interesse an einer Rundfahrt bekundet.

Eingefleischte Motorradfans scheuten hingegen noch vor den leisen und sauberen Elektromodellen zurück. "Denen ist das nicht männlich, nicht sexy genug", glaubt Schmidt. Dennoch ist er vom langfristigen Siegeszug der E-Bikes überzeugt. "Mein Hobby seit 35 Jahren ist ja Motorradfahren und nicht Motorradhören", sagt er und schwärmt vom intensiven Fahrerlebnis mit Stromenergie. "Das ist ein einmaliges Projekt", meint auch die Sprecherin des Bundesverbands e-Mobilität, Juliane Girke. Zwar könne man bereits anderswo Elektro-Motorräder leihen, Gruppenreisen für Touristen seien aber neu. "Gerade im Urlaub setzen sich die Leute mal auf sowas drauf und nehmen es als Idee mit."

Mit seinen Ausflügen will Schmidt dem Fremdenverkehr im Harz auf die Sprünge helfen. Bereits rund ein Dutzend Anbieter wie Hotels und Fahrradgeschäfte verleihen nach Angaben des Harzer Tourismusverband Elektro-Fahrräder im Mittelgebirge. Die strombetriebenen Motorräder sollen den Tourismus in der wirtschaftlich abgehängten Region nun weiter beleben. Dabei will Schmidt auch aus der noch bescheidenen Reichweite der E-Bikes Kapital schlagen. Bereits 20 Ladestationen an Hotels und Museen stehen im Harz bereit. Die E-Biker könnten die Maschinen laut Schmidt an Ladesäulen anstecken und in der Zwischenzeit eine Stadtführung durch Goslar oder eine Tour durch die Tropfsteinhöhle in Bad Grund machen. "Das ist eine schöne Geschichte für den Harz, das Thema Umwelt wird ja immer wichtiger", sagt Eva-Christin Ronkainen vom Harzer Tourismusverband.

dpa

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