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Hasen fehlen die Verstecke

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Foto: Armes Häschen! Wegen fehlender Versteckmöglichkeiten sterben in Deutschland immer mehr junge Hasen.

Hannover - Hasen haben’s schwer: Sie werden krank, überfahren, gefressen oder erschossen. Aber auch Unwetter oder unwissende Spaziergänger bedrohen ihre Existenz. Der Lebensraum der Feldhasen schwindet.

Hasen, wohin man auch schaut, in allen Größen und keineswegs nur in Graubraun. Leider tauchen die Mümmelmänner in diesen Tagen nur in den Supermärkten in großen Massen auf. In der freien Natur sind sie zwar auch anzutreffen, aber längst nicht mehr auf jedem Feldweg oder Wildacker.

„Der Hase macht uns Kummer“, sagt Egbert Strauß vom Institut für Wildtierforschung (IATW) in Hannover. Seit 2005 sei die Population deutlich geschrumpft. Insbesondere in den „Hasenhochburgen“ im Westen und Nordwesten Niedersachsens seien deutliche Rückgänge zu beobachten, während die Hasenvorkommen in der Region Hannover, in der Heide und im Süden des Landes stabil seien, allerdings auf sehr niedrigem Niveau. Woher Strauß das weiß? Als Mitarbeiter der Tierärztlichen Hochschule Hannover zählt er im Auftrag der Landesjägerschaft gemeinsam mit erfahrenen Experten seit 23 Jahren die Hasen in sogenannten Referenzrevieren. Mit wissenschaftlichen Methoden wird so die Gesamtzahl der Hasen ermittelt. Aktuell sind es etwa 500.000 in Niedersachsen.

Der Trend in diesem Frühjahr geht leicht nach oben. Über die Gründe spekulieren Jäger und Wissenschaftler gleichermaßen. Es könne am milden Winter liegen, dass es in diesen Tagen mehr Hasen gebe als vor einem Jahr. Auch der extrem warme März habe den Hasen gewiss gutgetan, sagt Strauß, viel mehr Neugeborene als sonst hätten überlebt.

Wie dramatisch die Hasenbesätze zusammengebrochen sind, lässt sich beispielhaft an der Jagdbilanz für den Landkreis Celle ablesen. Dort wurden vor 40 Jahren noch mehr als 3100 Hasen in einer Saison erlegt, die meisten von ihnen auf traditionellen Treibjagden. In der jüngsten Jagdsaison kamen nur noch 319 Hasen zur Strecke, davon wurden nicht weniger als 107 bei Verkehrsunfällen getötet.

Warum der Hase sich so rarmacht, ist Experten schon lange bewusst. Es mangelt den Langohren an geeignetem Lebensraum. Weil die Felder immer größer werden, verschwinden Ackerränder. Auch an den Böschungen von Gräben und Bächen finden die Häsinnen oft keine Rückzugsräume mehr, in denen sie ihre Kinderstuben einrichten können. Überdies setzen Füchse, Waschbären und Marder, aber auch Krähen und Greifvögel den Hasen zu.

Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft, sagt, wenn den Hasen, aber auch den Rebhühnern wieder ein angemessener Platz eingeräumt werden solle, dann reiche ein Verzicht auf die Bejagung nicht aus. Es gelte, die Zahl der Fressfeinde zu reduzieren und mehr Feldhecken, Brachflächen, Blühstreifen und Ackersäume einzurichten. Davon profitierten dann auch Kiebitz und Feldlerche, Insekten und Bienen.

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